Nach einer ereignisarmen ersten Rennhälfte ging es im zweiten Teil des Rennens von Baku in der Formel 1 rund. Franco Colapinto löste bei einem Restart nach einem Safety Car einen großen Crash aus und riss sich selbst und zwei andere Fahrer aus dem Rennen. Darunter ein danach fassungsloser Lando Norris.

"Ich habe es noch nicht gesehen, aber wenn du bei einem Restart so einen Unfall auslöst, dann verdienst du dir mindestens eine Sperre für ein Rennen", braucht Norris nicht einmal ein Replay für seine Meinung. "Manche Leute sind ziemlich nutzlos." Ein Replay dürfte seine Meinung ohnehin nicht ändern. Colapinto hatte beim Restart in Runde 36 hin zur ersten Kurve von Platz 10 kommend eine kapitale Fehleinschätzung begangen.

Auf der schmutzigen Innenbahn verschätzte sich Colapinto auf der Bremse komplett. Mit stehenden Reifen rutschte er vorbei an zwei Autos und immer noch mit massivem Überschuss direkt in den Seitenkasten seines Teamkollegen Pierre Gasly. In der Kettenreaktion wurde Gasly in Norris gedreht, und Norris in die Wand.

Einfach sperren! Norris nach Colapinto-Aktion fassungslos

Für alle drei war das Rennen vorbei. Colapinto erhielt von den Stewards noch 10 Strafsekunden, die für das nächste Rennen in Malaysia in eine Grid-Strafe umgewandelt werden sollten. Norris wird es nicht reichen. Nachfragen zu Ausreden wie kalte Reifen oder ein vom Führenden George Russell sehr spät verschärftes Tempo ziehen für ihn nicht: "In der Formel 1 gehst du davon aus, dass Fahrer sowas antizipieren."

"Du kennst den Grip, du weißt, dass die Reifentemperaturen niedrig sind, sie waren nicht einmal so niedrig", findet Norris. "Du bist in der Formel 1, unter den besten Fahrern der Welt. Dann passieren solche Dinge, weil ... ja, weil du hier nicht sein solltest."

"Die FIA sollte da härter durchgreifen und Sperren für sowas aussprechen", unterstreicht Norris unmissverständlich. In der Ära der Budget-Obergrenze sind solche Unfälle für Teams schließlich doppelt bitter, weil McLaren jetzt ungeplant neue Ersatzteile bauen muss. Dafür muss womöglich das verbleibende Entwicklungs-Budget gekürzt werden. "Das kostet viel Geld. Meine ganzen Teile sind jetzt Schrott. Leute sollten einfach gesperrt werden. Das ist kein Fahren, das es verdient, in der Formel 1 zu sein."

Verstappen und Russell verteidigen Colapinto-Fehler: Sperre ist zu hart

Norris' Polemik ist für andere Fahrer nach dem Rennen dann doch etwas zu hart. Die Top-3 des Rennens hatten den Unfall zumindest im Cooldown-Raum schon gesehen, als sie später in der Pressekonferenz auf die Norris-Forderungen angesprochen wurden. "Ich persönlich finde das etwas zu hart", meint Rennsieger George Russell.

"Safety-Car-Restarts, kalte Reifen, da kann ein sehr kleiner Fehler große Konsequenzen haben, und so sah das heute aus", sagt Russell. "Eine Sperre sollten Fahrer bekommen, die absichtlich etwas Gefährliches und Rücksichtsloses machen. Das hier war einfach bitter."

Dem stimmt auch der zweitplatzierte Max Verstappen zu: "Es ist bitter, dass es so viele Autos mitgerissen hat, aber das passiert eben. Es ist nicht nett, für keinen der Beteiligten, aber wie George sagt, eine Sperre ist etwas zu viel."

"Solange der Fahrer sich bewusst ist, was er getan hat, und sich entschuldigt", ergänzt Verstappen da noch. Das tat Colapinto nach dem Rennen auch. Schließlich war es offensichtlich ein Fehler seinerseits, und er kostete seinem Team Alpine ein Doppelpunkte-Ergebnis, indem er auch Pierre Gasly mit sich riss.