In der Hitze des Gefechtes teilte Lando Norris am Samstag nach dem Rennen der Formel 1 in Baku heftig aus. Seine Kritik an Franco Colapinto inklusive einer Forderung nach einer Rennsperre war aber - das gesteht er mit zwei Tagen Abstand ein - völlig überzogen. Nachdem er auf seinen Social-Media-Kanälen von einer Hass-Welle überrollt worden war.

Colapinto hatte sich beim ersten Safety-Car-Restart in Baku völlig auf der Bremse verschätzt und sowohl Norris als auch Teamkollege Pierre Gasly aus dem Rennen geschossen. Noch ehe er Replays davon gesehen hatte, trat ein stocksaurer Norris daraufhin vor die Presse, kanzelte Colapinto als "ziemlich nutzlos" und F1-unwürdig ab und forderte hartes Durchgreifen mit Sperren für solche Fehler.

Andere Fahrer, etwa Max Verstappen und George Russell, fanden diese Aussagen schon zu hart, als sie später darauf angesprochen wurden. Und nachdem Norris mit Abstand über das Rennen reflektiert hat, muss er zustimmen: "Nach dem Rennen habe ich Franco eine Nachricht geschickt und mich für Aussagen entschuldigt, die ich getätigt habe, und die ich einfach nicht tätigen hätte sollen."

Lando Norris spricht mit Colapinto: Glasklare Entschuldigung

"Ich weiß es besser, und zu dem Zeitpunkt war ich emotional aufgeladen, aber das kann keine Entschuldigung sein, es war falsch von mir", stellt Norris klar. "Ich habe in der Vergangenheit über die Jahre hinweg Fehler gemacht, und ich weiß, dass das zum Motorsport gehört, und passiert, wenn du am Limit kämpfst."

Rennsperre für Colapinto gefordert! Danner: 100 % seine Schuld, aber... (34:53 Min.)

Genau so hatten es unbeteiligte andere Fahrer nach dem Rennen gesehen. Natürlich war es eine desaströse Fehleinschätzung von Colapinto und klar seine Schuld, aber dessen war er sich auch bewusst gewesen und hatte sich sofort entschuldigt. Mehr als die bereits fixe Grid-Strafe von fünf Plätzen für das nächste Rennen in Malaysia hält kein Fahrer ernsthaft für notwendig.

"Ich und Franco sind zu einem guten Einverständnis gekommen, sind immer noch gute Freunde und freuen uns beide darauf, dieses Wochenende wieder Rennen zu fahren", stellt Norris klar. Dem waren zwei Tage lang Angriffe gegen ihn auf Social Media vorangegangen, primär aus Colapintos Heimat Argentinien kommend. Sogar der argentinische Außenminister Pablo Quirno postete auf X Kritik mit einem Screenshot vom Kanada-GP 2025, wo Norris seinem Teamkollegen Oscar Piastri ins Heck gefahren war.

Deutlich rabiatere Kommentare tauchten unter Norris' jüngsten Social-Media-Posts auf. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass argentinische Fans dieses Verhalten an den Tag legten. Tatsächlich waren schon davor die Alpine-Kommentarbereiche voll von argentinischen Fans, die Pierre Gasly beschuldigten, dass er Colapinto im Qualifying Windschatten verweigert hätte. Was genau dahinter steckte, dass die beiden Fahrer in Q2 die Plätze für den letzten Versuch nicht tauschten, ist unklar, und letztendlich kaum eine große Story, da beide es in Q3 schafften.

Zwei Hass-Zwischenfälle um Franco Colapinto an einem F1-Wochenende

Mit nun schon zwei Fällen an einem Wochenende reagierte Alpine schon am Sonntag mit einer Stellungnahme: "Als Team sehen wir nach dem Aserbaidschan-GP einmal mehr die Notwendigkeit, uns gegen Online-Hass und Missbrauch zu stellen. Nicht nur gegen einen unserer Fahrer, sondern auch gegen andere in der Formel-1-Community, einschließlich Medien, und gegen unsere Mitbewerber, die wir respektieren, bewundern und an denen wir uns in der Königsklasse des Motorsports gerne messen."

"Fehler passieren am Limit, und egal, was dabei rauskommt, niemand sollte Hass oder Missbrauch ausgesetzt sein. Sich gegen Missbrauch auf Social Media zu stellen, zielt nicht auf eine bestimmte Fan-Gruppe ab oder auf ein Team oder einen Fahrer - es ist universell, und alle Fans des Sportes sollten es erkennen und sich dagegen stellen."

"Wie wir in vergangenen Fällen gesagt haben, stellen wir uns explizit gegen diese Reaktionen von manchen Fans online und stehen Schulter an Schulter mit der Formel 1, der FIA und anderen Teams, um das zu eliminieren. Es kam immer regelmäßiger in den letzten Rennen auf, und das kann nicht akzeptiert werden. Als stolzer Teilnehmer in diesem Sport haben wir eine Verantwortung, das hervorzuheben und beim Suchen einer Lösung zu helfen."

Das Thema Online-Hass durch argentinische Fans kommt leider wie von Alpine angesprochen aktuell immer regelmäßiger auf, egal ob gegen jede Kleinigkeit, die man Alpine als Ungleichbehandlung der Fahrer ankreiden könnte, oder gegen Konkurrenten, die auf der Strecke in Zwischenfälle mit Colapinto verstrickt werden.