Max Verstappen ist der letzte Formel-1-Sieger in Sepang – und hat allem Anschein nach gute Chancen, diesen Titel zu behalten. Sein vierter Platz im zweiten Training lässt zunächst nicht vermuten, dass er nach dem Freitag in der Favoritenrolle steckt. Doch ein zweiter Blick zeigt: Das Ergebnis ist nur bedingt aussagekräftig.
"Es war ein ziemlich zufriedenstellender Start", meint Verstappen nach dem FP2. In der ersten Session auf dem Sepang International Circuit führte er das Feld mit fast vier Zehnteln Vorsprung vor George Russell an. Der geupdatete Mercedes konnte auf einer schnelle Runde nicht mit dem Red Bull mithalten.
"Wir hatten einen guten Start. Es ist nur so, dass der Verschleiß sehr hoch ist und es ist heiß. Es gibt bezüglich Reifen viel zu analysieren, aber es war in Ordnung", lautete das erste Fazit des vierfachen Weltmeisters. Im zweiten Training fehlten ihm fast drei Zehntel auf Charles Leclercs Bestzeit. Doch eine Sache sticht sofort ins Auge: Verstappens Reifenwahl am Freitag.
Kurioser Runplan im Training: Warum verzichtete Verstappen auf Soft-Runde?
Red Bulls Fahrprogramm in den Trainings war untypisch und wirft Fragen auf. Normalerweise absolvieren die Teams eine Mischung aus Longrun und Qualifying-Simulation. Zunächst einige Runden auf dem Hard oder Medium, dann der Wechsel auf Soft für ein paar schnelle Schüsse.
Bei Red Bull war das heute anders: Verstappen nutzte im FP1 bereits zwei Soft-Reifen, fuhr darauf einmal sieben und einmal 14 Runden. Im FP2 verzichtete er daraufhin komplett auf die rot markierte Mischung und damit auch auf eine Qualifying-Simulation auf Augenhöhe mit dem Rest des Felds, das sich an den gewohnten Runplan hielt. Verstappen fuhr in der zweiten Session nur einen 14 Runden langen Longrun auf dem Medium.
Die kuriose Abweichung hatte zwei Gründe. "Ich wollte einen Longrun machen, falls es zu regnen angefangen hätte", verriet Verstappen. Am Freitagnachmittag sah es in Kuala Lumpur zeitweise nach Monsunregen aus. Es kam aber kein Tropfen. Auch für den Rest des Wochenendes ist die Regenwahrscheinlichkeit niedrig. Bei Red Bull wollte man aber noch vor einem potenziellen Wolkenbruch die nötigen Daten zu Reifenverschleiß und -verhalten sammeln. "Wir wollten es nicht riskieren, keinen Longrun zu fahren", bestätigte Technikdirektor Pierre Waché.
Sitzproblem verwehrt Verstappen Qualifying-Simulation, aber dieser Longrun…
Aber normalerweise geht sich in einer Stunde ein Longrun und eine Qualifying-Simulation aus. Warum also nicht bei Verstappen? Nicht nur das Wetter machte ihm einen Strich durch die Rechnung. "Ich fühle mich wegen meiner Sitzposition so unwohl im Auto", beschwerte er sich schon wenige Minuten nach dem Start des FP2. "Es ist wie eine Lotterie, wie ich im Auto sitze. Ich weiß nicht, warum." Dass Verstappen mit seiner Sitzposition unzufrieden ist, kam bereits einige Male in dieser Saison vor.
Laut Verstappen sollte das Sitzproblem kein großes Hindernis mehr darstellen: "Es ist nur manchmal, dass sich die Position ein bisschen schlecht anfühlt. Dann müssen wir das noch einmal überprüfen." Nach dem Funkspruch kam er für 16 Minuten an die Box und verlor so kostbare Trainingszeit. "Wir haben unseren Plan dann schnell umgestellt", erklärt Wache. "Wir hatten keine Zeit für einen Soft-Run. Außerdem war der Longrun unsere Priorität, da wir am Morgen keinen gefahren sind."
Als Verstappen zur Trainingshalbzeit wieder ins Geschehen eingriff, war er der einzige Fahrer aus der Top-Gruppe, der keine Zeit auf dem Soft-Reifen aufgestellt hatte. Dass er sich dennoch mit nur 0,257 Sekunden Rückstand auf Leclerc auf Platz vier einreiht und damit beide Mercedes, einen Ferrari sowie einen McLaren übertrumpft, ist zusammen mit seiner Bestzeit im FP1 vielversprechend – genauso wie die Longrun-Zeiten: Er war mit 0,19 Sekunden Vorsprung auf George Russell und 0,32 Sekunden Vorsprung auf Leclerc der Schnellste im Feld.
"Es ist schwer zu sagen", schätzt Verstappen seine Trainingsleistung selbst ein. "Wir haben ein paar Dinge probiert und verschiedene Reifen verwendet. Es ist also nicht eindeutig, ob wir einen Fortschritt gemacht haben oder nicht. Wir werden uns das über Nacht ansehen. Es ist aber ein positiver Start ins Wochenende." Er beendete das FP2 schon sechs Minuten vor Schluss, da seine Medium-Reifen nach 14 Runden bereits kaputt waren.
Hadjar bestätigt Red-Bull-Form: "Können vorne kämpfen"
Auch Isack Hadjars Leistung spricht für einen gut aufgestellten RB22 in Sepang. Die Nummer zwei bei Red Bull konnte eine Qualifying-Simulation absolvieren und platzierte sich damit direkt hinter Leclerc. Nur 0,099 Sekunden trennten ihn von der Bestzeit. Im FP1 war er ebenso unter den Top 3.
"Es ist ein guter Start, weil wir bereits konkurrenzfähig sind", freut sich Hadjar. "Ich bin noch nicht zu 100 Prozent zufrieden mit der Balance des Autos, daher glaube ich, dass wir noch mehr Rundenzeit finden können. Wir haben aber ein gutes Auto an diesem Wochenende. Wir können sicher vorne kämpfen." Könnte es das nächste Doppel-Podium für die Bullen sein, nachdem sie schon in Baku zwei Pokale mit nach Hause nahmen? Es bleibt wohl abzuwarten, schließlich ist es nur Training und die Konkurrenz schläft nicht.



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