Für Lando Norris ging es nach seiner Erfolgsserie mit zwei Formel-1-Siegen im Sommer zuletzt steil bergab. In Baku ging er völlig unter, in Sepang wurde es nur Platz neun. Immer wieder klagte der Weltmeister über eine schwache Power Unit, die es ihm nicht erlaubte, weiterhin seine Top-Form abzurufen. Vor dem Rennen in Singapur an diesem Wochenende will McLaren das Problem am Mercedes-Motor endlich gefunden haben.
"Ich habe auf den Geraden mit meinem Auto beziehungsweise der Power Unit immer noch Probleme. Ich weiß inzwischen nicht mehr genau, woran es liegt, aber auf vielen Geraden bin ich einfach zu langsam. Das macht mir das Leben schwerer, als es sein müsste und eigentlich sein sollte", hatte Norris am vergangenen Wochenende in Malaysia noch geklagt. McLaren fand in der kurzen Pause vor dem 17. Rennwochenende in Singapur einen Fehler am Kraftstoffsystem.
"Ich bin zuversichtlich. Aber wir müssen erst einmal auf die Strecke gehen und sehen, wie viel besser es tatsächlich ist. Das ist natürlich auch eine Strecke, auf der die Geraden nicht so eine große Rolle spielen und ein Defizit dort nicht so schwerwiegend ist wie an den vergangenen Wochenenden. Aber trotzdem willst du auf einer Geraden natürlich immer so schnell sein, wie du eigentlich sein solltest", erklärt Norris.
Lando Norris zuletzt fast immer langsamer als Oscar Piastri
In Baku war Norris sowohl im Qualifying als auch im Rennen bei der Topspeed-Messung weit hinten zu finden. Mit 317,2 km/h war er im Zeittraining über 3 km/h langsamer als Teamkollege Oscar Piastri. Im Rennen fehlten ihm sogar 7 km/h. In Malaysia hingegen bestätigte sich dieses Bild nur bedingt. Beide McLaren waren im Qualifying auf den Plätzen 11 und 15 in der Speed-Trap nur Mittelmaß, Piastri war dabei mit 314,7 km/h etwas mehr als 2 km/h schneller als Norris. Mit 345,0 km/h war der McLaren von Norris bei der Messung am Sonntag dann aber das drittschnellste Auto, Piastri landete mit 344,2 km/h gleich dahinter.
Für Norris lag das Defizit dennoch klar auf der Hand. In der Schlussphase des Rennens gelang es ihm nicht, Fernando Alonso im Aston Martin auf Platz acht abzufangen. "Die vergangenen beiden Wochenenden waren frustrierend, weil wir versucht haben herauszufinden, wo das Problem liegt und warum uns konstant Topspeed und Performance auf den Geraden fehlen. Gerade in dem engen Kampf, in dem wir uns befinden, hat uns das in den vergangenen beiden Qualifyings zwei oder drei Positionen gekostet. Das war ziemlich teuer", so der Brite.
Nicht nur Formel-1-Auto schuld: Lando Norris will besseren Job machen
Die Fehlleistungen der vergangenen Wochenenden hatten allerdings nicht nur diese eine Ursache. In Baku leistete sich Norris in Runde 30 in Turn 1 einen verhängnisvollen Verbremser, der ihn von der siebten auf die neunte Position zurückwarf. In Malaysia schoss er einen noch größeren Bock. Nach dem Ausfall von George Russell verursachte er hinter dem Safety Car beinahe einen schweren Unfall, als er für die Verhältnisse zu schnell fuhr. Beim Ausweichmanöver fiel er von P7 auf P11 zurück.
"Gleichzeitig gibt es natürlich auch Dinge, die ich selbst besser machen kann", gesteht Norris, der in Budapest und Zandvoort dieses Jahr schon zwei Rennen gewinnen konnte und in Madrid nur durch Pech einen dritten Erfolg verpasste. In Malaysia offenbarten sich einige Erkenntnisse, "in welchen Bereichen wir einen besseren Job machen müssen und wie wir wieder auf das Niveau zurückkommen können, das wir bei den vorherigen Rennen in Budapest, Zandvoort und Madrid hatten."
Dass Sepang die Schwächen des MCL40 zuletzt betonte, war bei der negativen Formkurve nur eine Ursache. "In Baku waren wir auch nicht unbedingt besonders schnell. Deshalb würde ich nicht sagen, dass es nur ein Malaysia-Problem war. Es gibt sicherlich einige Besonderheiten in Malaysia, etwa die raue Asphaltoberfläche, von der wir glauben, dass sie eine Rolle spielt. Deshalb ist dieses Wochenende für uns eine gute Gelegenheit zu sehen, ob ein Teil der Performance, die uns dort gefehlt hat, wieder zurückkommt", sagt der 26-Jährige. "Aber insgesamt haben wir trotzdem nicht das Niveau erreicht, das wir erreichen müssen und erreichen wollen. Deshalb müssen wir unabhängig davon einen besseren Job machen."
Lando Norris überzeugt: 2026 seine beste Saison in der Formel 1
Die Saison des Titelverteidigers war bisher eine Achterbahnfahrt. Reihenweise technische Defekte sorgten im ersten Saisondrittel für drei Ausfälle. Nach seinen Siegen schien er plötzlich ein Herausforderer für Mercedes und Kimi Antonelli zu werden, doch mittlerweile hat ihn der WM-Leader wieder komplett abgehängt. Der Rückstand ist seit Monza von 83 auf 132 Punkte angewachsen. Ein Bild, das seiner Ansicht nach trügt.
"Es gab dieses Jahr viele Rennen, bei denen ich das Gefühl hatte, besser gefahren zu sein und mehr aus dem Auto herausgeholt zu haben", so der 13-fache Grand-Prix-Sieger. "Bei den drei Qualifyings, in denen ich auf Pole stand, lag der Unterschied jedes Mal bei weniger als einer halben Zehntelsekunde. Wir sprechen also über unglaublich kleine Abstände. Aber diese drei Pole Positions haben mir in drei Rennen die Chance gegeben, zu gewinnen. Ohne die Pole hätte ich wahrscheinlich keines davon gewonnen. So schnell kann ein winziger Unterschied die gesamte Wahrnehmung verändern."
Auch wenn die technischen Probleme jetzt gelöst sein sollten, erwartet er McLaren nicht von einem aufs andere Wochenende wieder siegfähig: "Ein Sieg für uns könnte dieses Wochenende vielleicht Platz fünf oder Platz drei sein. Man muss berücksichtigen, was die maximal mögliche Performance des eigenen Teams und des eigenen Autos ist. Letztlich kann man nur damit zufrieden sein, dieses Maximum erreicht zu haben."



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