Das enttäuschende erste Wochenende mit dem lang vorbereiteten großen Update schlägt bei Mercedes Wellen bis nach Singapur. Am kommenden Formel-1-Wochenende werden beide Fahrer als Konsequenz mit unterschiedlichen Autos am Start stehen. Der ohnehin bestrafte George Russell opfert sich für den Vergleichstest mit den alten Teilen.
"Ich habe diese Konversation vor dem Rennen am Sonntag sogar angestoßen", verrät Russell am Donnerstag in Singapur. "Als dann der Schaden passierte, war es logisch. Vor dem Rennen waren wir 50/50, und ich war eher dafür, und nach dem Rennen war es einfach ... komplett logisch." Wegen seines Malaysia-Motorschadens wird Russell in Singapur neue Motorteile bekommen, das Limit überschreiten, und wird in der Startaufstellung zurückversetzt.
So wird Russell für das ganze Singapur-Wochenende auf die alte Spezifikation des Mercedes zurückrüsten. Jene, mit der er erst vor zwei Wochen dominant in Baku Pole und Sieg holte. Kimi Antonelli bleibt auf der neuen Malaysia-Spezifikation, die eine neue Seitenkasten-Form und einen generalüberholten Unterboden aufgeboten hatte.
Mercedes noch optimistisch: Formel-1-Update kein Fehlschlag
Warum fährt der in der WM besser platzierte Kimi Antonelli nun die Teile, die in Sepang nur Fragezeichen hinterließen, während der weit zurückliegende WM-Zweite Russell das bewährte Paket bekommt? "Es gibt keine Zeichen, die uns sagen würden, dass das Upgrade nicht funktioniert hätte", stellt Russell klar.

"Ich denke, es ist eine tatsächliche Verbesserung, die wir nur in Sepang nicht gesehen haben", schwört auch Antonelli. Nach dem Auswerten der Daten hat sich erhärtet, was das Team am Malaysia-Wochenende schon wiederholt festgehalten hatte. Die Zahlen, Abtriebswerte, alles passt zusammen mit den Daten aus Simulator und Windkanal. Das Update ist demzufolge ein Schritt nach vorn.
Immer noch glauben Fahrer und Team, dass die ausbleibenden Ergebnisse und die schlechte Balance nichts mit den neuen Teilen zu tun haben, sondern dass Malaysia dem W17 generell nicht liegt, egal in welcher Konfiguration. Sepang ist da perfekt mit Budapest zu vergleichen. Auf beiden Strecken gab es dieses Jahr sehr rauen Asphalt, besonders in den langsamen Kurven, und sehr hohe Asphalttemperaturen jenseits der 50 Grad. Das scheint dem Mercedes nicht zu bekommen.
In den langsamen Kurven stimmte sowohl in Budapest (mit der alten Konfiguration) als auch in Sepang (mit dem Update) die Balance nicht. "Das Auto in Baku war dasselbe Auto wie in Budapest und Zandvoort", erinnert Russell. "In Baku holten wir Pole um acht Zehntel. In Budapest lagen wir vier Zehntel zurück. Diese Fluktuationen, selbst wenn du und deine Konkurrenten die gleichen Autos bringen, sind drastisch. Plus, minus eine Sekunde kann das Delta sein."
Singapur perfekt für Vergleich: Was stimmt nicht mit Mercedes-Update?
"Wir sind uns ziemlich sicher, dass es Malaysia-spezifisch war", so Russell. "Schaut euch Red Bull an. Sie haben eindeutig relativ zu ihrer üblichen Form im Vergleich zu den anderen Teams überperformt. Und wenn man sich unsere Pace verglichen mit McLaren und Ferrari anschaut, dann sah die nicht ungewöhnlich aus."
Die Fahrer mögen von Sorgen also nichts wissen wollen, aber an einem Sprint-Wochenende auf einem Stadtkurs beide Autos in unterschiedlichen Spezifikationen ins Rennen zu schicken ist von außen betrachtet unweigerlich ein drastischer Schritt. Hier geht es schließlich nicht um ein Training, es geht ums ganze Wochenende. "Ich werde das ganze Wochenende auf das neue Paket setzen", bestätigt Antonelli gegenüber Motorsport-Magazin.com, dass ein Umrüsten zur Halbzeit nicht infrage kommt.
Prinzipiell sollten die Daten aus Singapur alle Zweifel ausräumen können. In seiner alten Konfiguration konnte der Mercedes langsame Kurven sehr gut. Erst als es wie in Budapest oder Sepang auf rauen heißen Asphalt ging, brach die Performance ein. Singapur ist jetzt zwar von außen heiß, aber ein Nachtrennen - dadurch ist der Asphalt um über 20 Grad kühler. Und dieser Asphalt ist auch glatter.
"Dieses Wochenende sollte definitiv repräsentativer sein", bestätigt Antonelli. War Sepang ein streckenbedingter Ausreißer, so sollte er im Update-Mercedes in Singapur sofort wieder vorn mitmischen. Einziges Fragezeichen mag der Topspeed bleiben. Der war in Malaysia seltsam schwach gewesen, plötzlich nur mehr auf einem Level mit dem bekannt topspeedschwachen McLaren und klar hinter Red Bull.

Das wird sich auf dem verwinkelten Singapur-Stadtkurs nicht klar verifizieren lassen. Auch hier könnte es jedoch eine streckenspezifische Erklärung geben. Wegen des hohen Kühlbedarfs mussten in Malaysia alle Teams ihre Verkleidungen verbreitern und zusätzliche Kiemen einziehen. Möglich, dass dem Mercedes-Design hier aerodynamische Effizienz gegenüber der Konkurrenz fehlt. Dieses Maximal-Kühlungspaket wird wohl nach Singapur nur mehr in Mexiko gefahren werden.



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