Mit 41 Jahren zählt Lewis Hamilton nicht nur in der Gegenwart, sondern auch gemessen an den letzten Jahrzehnten zu den ältesten Formel-1-Fahrern. Seit der Jahrtausendwende gab es nur drei Fahrer (Alonso/Schumacher/Räikkönen), die in einem höheren Alter Rennen gefahren sind. Doch die Karriere des Briten, der mindestens für 2027 noch einen Ferrari-Vertrag in der Tasche hat, ist auch darüber hinaus noch lange nicht vorbei.
Zumindest, wenn Hamilton seinen Worten auch Taten folgen lässt. Denn der Ferrari-Pilot erklärte schon im März, dass er so lange in der Formel 1 bleiben wolle, bis die Königsklasse wieder ein Rennen in Afrika fährt. In der letzten Woche teilten die Formel 1 und die FIA mit, dass es einen solchen Grand Prix tatsächlich geben wird, allerdings erst in den frühen 2030er-Jahren. Dann soll nämlich Ruanda erstmals ein Rennen abhalten. Auf einer Strecke nahe des Flughafens, die sich noch in der Planung befindet und gemeinsam vom Architekturbüro Tilke und dem Streckendesign-Büro von Alex Wurz gebaut werden soll. Hier alle bisher bekannten Informationen zur Strecke und zum Deal:
Lewis Hamilton: "Bin gezwungen, noch länger zu bleiben"
Vor dem USA-GP in Austin erinnerte sich Hamilton an seine Aussage und erneuerte dieses Versprechen, als er bei einer Frage, die sich eigentlich um Kimi Antonelli drehte, einwarf: "Ich freue mich darauf, noch länger mit ihm zu fahren. Schließlich bin ich jetzt dazu gezwungen, länger zu bleiben, denn wir haben ein Rennen in Afrika und es ist mein Traum, einmal in Afrika zu fahren."
"Ich muss da dabei sein. Ich muss da mitfahren", ist Hamilton motiviert, sich diesen Traum zu erfüllen. Er weiß aber natürlich selbst, dass das alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Schließlich wird Hamilton 2030 seinen 45. Geburtstag feiern und wäre dann der zweitälteste Fahrer der 2000er-Jahre - natürlich nur überboten von Fernando Alonso, der altersmäßig ohnehin eine krasse Ausnahme darstellt und im nächsten Sommer 46 Jahre alt wird.
Tabelle: Die ältesten Formel-1-Fahrer seit 2000
| Rang | Fahrer | Nationalität | Geburtsdatum | Alter beim letzten GP | Letzter GP |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Fernando Alonso* | Spanien | 29.07.1981 | 45 Jahre, 74 Tage | Singapur 2026 |
| 2 | Michael Schumacher | Deutschland | 03.01.1969 | 43 Jahre, 327 Tage | Brasilien 2012 |
| 3 | Kimi Räikkönen | Finnland | 17.10.1979 | 42 Jahre, 56 Tage | Abu Dhabi 2021 |
| 4 | Lewis Hamilton* | Großbritannien | 07.01.1985 | 41 Jahre, 277 Tage | Singapur 2026 |
| 5 | Pedro de la Rosa | Spanien | 24.02.1971 | 41 Jahre, 275 Tage | Brasilien 2012 |
| 6 | Rubens Barrichello | Brasilien | 23.05.1972 | 39 Jahre, 188 Tage | Brasilien 2011 |
| 7 | Nico Hülkenberg* | Deutschland | 19.08.1987 | 39 Jahre, 53 Tage | Singapur 2026 |
| 8 | Luca Badoer | Italien | 25.01.1971 | 38 Jahre, 217 Tage | Belgien 2009 |
| 9 | David Coulthard | Großbritannien | 27.03.1971 | 37 Jahre, 220 Tage | Brasilien 2008 |
| 10 | Jarno Trulli | Italien | 13.07.1974 | 37 Jahre, 137 Tage | Brasilien 2011 |
* noch aktiv
Ein Rennen im Jahr 2030 wäre in dem bewusst vage gehaltenen Zeitrahmen für das Afrika-Comeback der optimistischste Fall - gut möglich, dass das Rennen beispielsweise erst 2033 oder 2034 sein Debüt gibt. "Ich muss weiterkämpfen und versuchen, fit zu bleiben", weiß Hamilton. "Falls ich im nächsten Jahr weiterhin gute Resultate einfahren kann, dann wird es weitergehen", sagt er weiter und gibt damit wohl eher unfreiwillig einen Hinweis auf seine Vertragslage. Denn offiziell wurde nie eine Dauer seines Formel-1-Vertrages bei Ferrari kommuniziert. Die Formulierung im Singular würde darauf schließen lassen, dass dieser 2027 ausläuft.
Hamilton, dessen Stammbaum väterlicherseits in Westafrika seine Wurzeln hat, machte sich schon seit Jahren als größter Fürsprecher für eine Rückkehr Afrikas in die Formel 1 stark. "Ich hatte unzählige Treffen mit Stakeholdern oder mit Stefano [Domenicali] in seinem Büro in London oder auch bei Rennwochenenden und hatte zahlreiche Telefongespräche mit ihm geführt", betonte Hamilton sein Engagement für das Vorhaben.
Hamilton betont Bedeutung von Afrika-Rennen: Mehr als nur ein Land
"Es gab viele Telefongespräche mit afrikanischen Präsidenten verschiedener Länder. Ich denke, für mich verdient es sich dieser Ort, einen Grand Prix zu haben. Es geht um mehr als nur um ein Land", sagte der F1-Rekordweltmeister weiter. Dieser Gedankengang scheint auch bei den Verantwortlichen für den Ruanda-Deal vorhanden gewesen zu sein, denn offiziell wird das Rennen nicht nach dem Austragungsland benannt werden, sondern als Afrika-GP über die Bühne gehen.
"Es geht um den Kontinent an sich, auf dem so viele wunderschöne Länder liegen. Die Menschen sind liebenswürdig und es gibt so viel Kultur. Es ist wichtig, dass wir das mit unserem Sport der Welt zeigen und die Menschen viele dieser Länder sehen, über die sie nicht viel wissen", betont Hamilton, der nach mehreren auch privaten Afrika-Reisen ein großer Fan der Weltregion ist, einen damit verbundenen Bildungsauftrag. Zumindest im englischen Schulsystem, das der Formel-1-Rekordsieger in seiner Jugend durchlaufen hatte, sei der Kontinent immer zu kurz gekommen, ist er überzeugt.
"Viele der Probleme, die es dort gibt, sind nach wie vor ein Resultat des Kolonialismus", weiß Hamilton, der in der F1-Pressekonferenz sein Afrika-Plädoyer mit einem politisch angehauchten Appell an den Frieden abschloss: "Ich denke, wir müssen sicherstellen, dass wir alles tun, um den Kongo zu befreien, Sudan befreien, Syrien befreien, Palästina befreien. Ich hoffe, dass eines Tages wieder mehr Frieden einkehren wird."



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