Die MotoGP bekam am Freitag in Trainings zum Australien-GP das erwartete Bild zu Gesicht. Marc Marquez war ganz vorne dabei, kämpfte aber auf allein auf weiter Flur gegen die vier Aprilia-Piloten. Diese Fünf würden Pole Position, Sprint- und Grand-Prix-Sieg wohl unter sich ausmachen, wenn da nicht das befürchtete Wetterchaos an Samstag und Sonntag wäre. Speziell in den beiden Rennen droht Regen, und zwar nicht gerade wenig. Das könnte das MotoGP-Kräfteverhältnis auf Phillip Island noch gehörig auf den Kopf stellen, aber wie sehr?

Marc Marquez als MotoGP-Favorit in nassem Australien-GP?

Das ist die Frage, die alle Fans der Königsklasse am Freitag umtreibt. Die erste, vermeintlich logische Schlussfolgerung wäre, dass Marc Marquez zum großen Profiteur aufsteigen könnte. Der neunmalige Weltmeister gilt schließlich als absoluter Spezialist für wechselhafte Wetterbedingungen und auch als exzellenter Regenfahrer, während die Aprilias historisch gesehen in solchen Verhältnissen stets zu kämpfen hatten. Im Trockenen aktuell mehr oder weniger gleichauf, könnte ihn einsetzender Regen auf Phillip Island also zum Topfavoriten machen.

Marc Marquez und Regen? Das passt für gewöhnlich sehr gut, Foto: Ducati Media
Marc Marquez und Regen? Das passt für gewöhnlich sehr gut, Foto: Ducati Media

Marquez selbst hielt am Freitag davon jedoch rein gar nichts. "Unser letztes Rennen im Regen war in Jerez, das ist also schon einige Zeit her", meinte er und warnte anschließend vor einem Trugschluss: "Letztlich ist jeder schnelle Fahrer in allen Bedingungen schnell ein Motorrad, das gut funktioniert, ist ebenfalls in allen Verhältnissen schnell. Sie [die Aprilias, Anm.] werden also auch im Regen schnell sein."

Aprilia-Dominanz wackelt im Nassen: Trackhouse-Piloten vor Härtetest

Eine klare Botschaft also. Aber ist Marquez wirklich dieser Meinung oder handelt es sich dabei nur um sein typisches 'unter Wert verkaufen'. Zumindest die beiden Trackhouse-Piloten zeigten sich am Freitag jedenfalls deutlich weniger optimistisch, im Regen konkurrenzfähig zu sein. "Ich kann euch jetzt schon sagen, dass es gut möglich ist, dass ich zu kämpfen haben werde und extrem langsam sein könnte", schmunzelte Ai Ogura, der auf nasser Strecke traditionell seine Probleme hat. "Ich brauche einfach länger als andere, um Vertrauen [in das Motorrad, Anm.] aufzubauen. Das werde ich nicht innerhalb eines Tages abstellen können", begründete er.

Stallgefährte Raul Fernandez kommt historisch gesehen im Nassen deutlich schneller auf Touren, kämpft auf Phillip Island aber weiterhin mit dem eigenen Körper. "Ich hatte heute Morgen einen heftigen Sturz und habe starke Schmerzen. Die werden Morgen nur noch schlimmer sein", seufzte er und erinnerte dann auch noch an seine beiden gebrochenen Finger aus dem Indonesien-GP vor zwei Wochen: "Weil ich einen anderen Finger zum Bremsen benutzen muss, bin ich nicht wirklich präzise. Im Regen musst du auf der Bremse aber sehr ruhig und präzise sein. Ich denke also nicht, dass mir der Regen helfen wird."

Raul Fernandez stürzte am Freitag in der schnellen Kurve sechs, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
Raul Fernandez stürzte am Freitag in der schnellen Kurve sechs, Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Sollte es an Samstag und Sonntag tatsächlich regnen, könnte Aprilia also die halbe Mannstärke an der Spitze des Feldes verlieren. Zumindest die beiden WM-Anwärter Marco Bezzecchi und Jorge Martin zeigten sich am Freitag aber deutlich optimistischer, auch im Nassen vorne mitmischen zu können. Wenig verwunderlich, hatten doch beide Piloten schon Erfolge in solch schwierigen Bedingungen: Bezzecchi gewann 2023 zum ersten Mal überhaupt ein MotoGP-Rennen im strömenden Regen von Termas de Rio Hondo und Martin siegte einige Monate später in der Regenschlacht von Motegi.

Dass selbst die Aprilia RS-GP im Nassen schnell sein kann, unterstrich Bezzecchi zudem im Vorjahr mit Platz zwei im Sprint am Sachsenring. Damals hatte ihn ausgerechnet Marquez kurz vor Schluss noch abgefangen und am Sieg gehindert. Ob es 15 Monate später nun die Revanche gibt? "Ich will keine Energie damit verschwenden, an morgen zu denken", winkte 'Bezz' ab. Er werde es so nehmen, wie es eben komme: "Ich werde jetzt in die Garage gehen und versuchen, mich in den Bedingungen zu verbessern, die wir heute hatten. Was dann morgen ist, werden wir sehen. Ich werde mich daran anpassen, wenn es soweit ist."

Marc Marquez schlug Marco Bezzecchi im Sachsenring-Sprint 2025 nur knapp, Foto: MotoGP Press
Marc Marquez schlug Marco Bezzecchi im Sachsenring-Sprint 2025 nur knapp, Foto: MotoGP Press

Pedro Acosta und Co.: Außenseiter hoffen auf Regen im Australien-GP

Zumindest in der Box des Werksteams scheint man sich vor dem Regen also nicht zu fürchten. Dennoch dürfte man insgeheim aber darauf hoffen, dass es an Samstag und Sonntag doch trocken bleibt. Denn auf nasser Strecke wittern gleich drei Piloten ihre Chance, die bei Sonnenschein wohl nicht mit den Aprilias und Marc Marquez mithalten könnten. "Ich hoffe nicht", lachte Alex Marquez auf die Frage, ob die RS-GP auch im Regen den Ton angeben werde. "Ich hoffe, dass alles etwas ausgeglichener sein wird. Dass es mehr auf das Gefühl des Fahrers ankommt und darauf, wie die gesamte Situation managst."

Kein Wunder, denn auch dem jüngeren Marquez-Bruder liegt der Regen normalerweise, ebenso wie Pedro Acosta. Der KTM-Pilot, der laut eigener Aussage am Freitag im Trockenen selbst mit einer perfekten Runde noch drei Zehntel zu langsam gewesen wäre, gab offen zu: "Ich hoffe, dass es richtig stark regnen wird." Und dann ist da auch noch Johann Zarco, der 2025 im Regenchaos den Le Mans den bislang letzten MotoGP-Sieg Hondas eingefahren hat: "Ich denke, dass ich um ein großartiges Ergebnis kämpfen kann, wenn die Bedingungen wirklich so schlecht werden."

Johann Zarco versprüht Champagner auf dem Podium
Johann Zarco weiß, wie man auf Phillip Island ein MotoGP-Rennen gewinnt, Foto: MotoGP

Grand Prix am Samstag? Zeitplan-Änderung wohl vom Tisch

Die vermeintlichen Favoriten sollten also gewarnt sein. Zu einer Anpassung des Zeitplans aus Angst vor dem Schlechtwetter am Sonntag wird es aller Voraussicht nach übrigens nicht mehr kommen. "Ich wüsste von nichts", meinte Alex Rins am Freitag und Jack Miller gab entschlossen zu Protokoll: "Ich habe von nichts gehört und ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass das Option war. Nur, weil du etwas mal getan hast, muss das jetzt kein gewöhnliches Phänomen werden. Wir sind ein Allwetter-Sport und sollten in jedem Wetter Rennen fahren. Mit dem Regen werden wir klarkommen. Ja, der Wind kann eine Ausnahme sein. Aber die müssen wir jetzt auch nicht jedes Mal ziehen."

Was denkt ihr: Wer wird am Samstag und Sonntag auf Phillip Island triumphieren? Sagt es uns in den Kommentaren!