Das ganze Wochenende bei der Formel 1 in Austin entwickelte sich bei George Russell zu einer zwecklosen Veranstaltung. Ab dem dritten Qualifying-Segment war er plötzlich meilenweit weg von Kimi Antonelli, und das krönte er mit einem desolaten achten Platz und 54 Sekunden Rückstand auf Antonelli im Rennen. Team und Fahrer sind ob der Rückkehr der Krise zunehmend ratlos.

Russells Rennen hatte schon in der ersten Runde einen Dämpfer bekommen, als er Opfer einer harten Stewards-Entscheidung war. Er war in Kurve 12 kurz von der Strecke gefahren, hatte dadurch zwar keinen Platz gewonnen, aber war auch nicht vom Gas gegangen. Die Stewards befanden, er habe sich einen Vorteil verschafft, und belegten ihn mit fünf Strafsekunden.

George Russell: Lächerliche Strafe meine geringste Sorge

Die saß Russell bei seinem einzigen Boxenstopp ab. Eine Rolle im größeren Renn-Kontext spielten sie nicht: "Die Strafe war etwas lächerlich, aber das ist die geringste meiner Sorgen." Russell fiel nicht wegen der Strafe zurück auf den achten Platz, sondern weil er für eine reguläre Einstopp-Strategie in Runde 22 stoppte und so hinter die schon in den Runden 15 und 16 gestoppten McLaren zurückfiel.

Mit dem Reifenvorteil und dem eigentlich besseren Mercedes hätte Russell zumindest Oscar Piastri schnell erledigen können müssen. Doch er blieb hinter dem McLaren stecken. Bis zum Ende: "Die Pace war im ersten Stint nicht gut. Als ich dann auf dem Hard aus der Box kam, hatte ich etwa sechs Runden lang ähnliche Pace wie Kimi. Dann lief ich auf Oscar auf und konnte einfach nicht überholen. Sechs gute Runden, 50 schlechte."

"George hatte einfach so sehr zu kämpfen", ist Teamchef Toto Wolff besorgt. Nachdem sich Russell im Herbst aus seinem Sommertief befreit zu haben meinte, ist Austin ein erschreckender Rückschritt. Vier Zehntel hinter (Polesetter) Antonelli im Qualifying und 54 Sekunden hinter (Sieger) Antonelli im Rennen sprechen eine klare Sprache.

"Wir müssen es mit ihm herausarbeiten, wie da so ein großer fahrerischer Unterschied sein kann", so Wolff. "Denn George ist keine halbe Sekunde, keine drei Zehntel langsamer als Kimi. Das ist einfach nicht der Fall."

Hat das Mercedes-Update George Russell wieder zurückgeworfen?

Wolff kommt bei der Suche nach Theorien zurück auf das in Malaysia eingeführte große Update. Dieses hat das Fahrverhalten des Autos merklich verschoben, und sein Arbeitsfenster signifikant verkleinert. "Ich denke, es liegt am schwierigen Arbeitsfenster des Autos", folgert Wolff. "In Q2 war er dabei. Q3 klappte nicht. Er meinte, das ginge auf seine Kappe. Dann heute im Rennen, ich weiß nicht."

Für Russell ist das durchaus ein schlüssiges Argument: "Wir haben in Malaysia gesehen, dass [Kimi] Dritter in FP3 war, dann waren wir beide Vierter und Achter im Qualifying. An diesem Wochenende sind wir beide in Q2 dabei, und dann bin ich in Q3 nirgends. Und heute war er herausragend wettbewerbsfähig."

Russell fehlt auch die Erfahrung mit dem neuen Paket, nachdem er in Singapur freiwillig auf die alten Teile zurückrüstete, ehe er in Austin wieder die neuen bekam. "Es gibt Anzeichen, dass das Fenster sehr klein ist, und ich hoffe, das ist die Erklärung für meine fehlende Pace heute", meint er. Dafür braucht es aber eingehendere Analysen, aktuell ist das nicht mehr als ein Bauchgefühl: "Ich muss mir das mit meinem Team anschauen. Es ist schwer zu verstehen, wenn du so weit weg bist."

Wolff signalisiert hier die Bereitschaft, auch auf technischer Seite alles in Bewegung zu setzen, um Russell zurück in die Spur zu helfen: "Was müssen wir am Auto modifizieren, wie müssen wir es anders abstimmen, damit er schnell fahren kann? Intelligenz, Fähigkeit und Zielstrebigkeit sind ja da."