Das Upgrade von Mercedes beim Formel-1-Wochenende in Malaysia war in der letzten Woche in aller Munde. Denn die bis dahin scheinbar auch mit einem alten Auto unaufhaltbaren Silberpfeile strauchelten bislang mit ihrem neuen Paket und nutzten nun bereits das zweite Wochenende für einen Vergleichstest. Am Formel-1-Freitag lief auch dieser durchwachsen, da Russell im alten Boliden schneller war als Andrea Kimi Antonelli, der seinen Wagen als "unberechenbar" bezeichnete.

Nachdem ein Vergleich im Sprint nach George Russells selbst verschuldeten Abflug nicht möglich war, drehte sich das Spiel im Qualifying um. Antonelli war im geupgradeten W17 fast zwei Zehntelsekunden schneller als Russell. Für die Pole Position reichte es trotzdem nicht, diese ging an Max Verstappen vor dem Ferrari-Duo. Aber immerhin zeigte das Ergebnis, dass es keinen Grund gibt, das Mercedes-Upgrade überhastet wegzuwerfen.

Kimi Antonelli zieht positives Qualifying-Fazit über Mercedes-Update

Kimi Antonelli freute sich deshalb nach dem Qualifying. Nicht über seinen vierten Platz, sondern darüber, dass es mit dem Upgrade-Paket in die richtige Richtung geht: "Wir beginnen nun zu sehen, was das Paket uns bieten kann, auch wenn es immer noch schwierig ist, das richtige Abstimmungsfenster zu treffen", analysierte Antonelli.

In der Teamchef-PK am Samstag hatte Toto Wolff schon hervorgehoben, dass ein großes Upgrade-Paket das Risiko mit sich bringt, dass es länger dauert und schwieriger sein kann, dieses auszusortieren. Das trifft sowohl in Bezug auf die Leistung der einzelnen Komponenten zu als auch auf das sich dadurch potenziell verschiebende Setup-Fenster. Und dieses scheint sich im Vergleich zum Vor-Malaysia-Auto extrem geändert zu haben. "Wir gingen komplett in die Gegenrichtung, was das Setup anging, und das Auto fühlte sich gleich viel wohler", meldete Antonelli nach dem Qualifying.

Wie es scheint, befindet sich Mercedes gerade in der Phase, diese Setup-Kniffe neu zu erlernen. Da half es natürlich nicht, dass Malaysia sowohl in Bezug auf das Wetter als auch in Bezug auf die Streckenbedingungen ein eher zerfahrenes Wochenende war und nun Singapur als Sprint über die Bühne geht. Im geöffneten Parc Ferme zwischen dem Sprint und dem Qualifying scheinen die Ingenieure der Silberpfeile aber einen entscheidenden Schritt hingelegt zu haben.

"Das Fenster ist noch immer sehr schmal, aber das Team hat einen großartigen Job erledigt, mit dem Auto die Kurve zu kriegen und jetzt bekommen wir langsam ein paar Antworten", so Antonelli. Im Qualifying bestanden diese daraus, dass sein Bolide zwar die 'unberechenbare' Schnelligkeit im Gegensatz zu gestern besser auf die Strecke brachte, aber immer noch sensibel war und stark auf kleine Veränderungen reagierte. "Vor allem mit der Streckenentwicklung reagierte das ziemlich anders, wenn man ein bisschen mehr pushte oder ein bisschen später bremste", stellte der WM-Führende fest.

George Russell hadert mit Pace – liegt der Antonelli-Vorsprung überhaupt am Upgrade?

Bei Mercedes ist man sich sicher, dass man aber nach wie vor nicht das Maximum aus dem neuen Fahrzeug herausgeholt hat. Wie viel Zehntel das Paket bringen sollte, ist nicht bekannt. Aber nachdem die komplette Entwicklungsarbeit seit dem Kanada-GP im Mai auf diesen Sprung hingearbeitet hatte und schließlich sowohl der Unterboden neu ist, als auch die Seitenkasten-Form signifikant geändert wurde, rechnete man sich wohl mehr als nur zwei Zehntelsekunden aus.

Zumal der Rückstand von Russell nicht unbedingt nur auf den Spezifikationsunterschied zurückgeführt werden kann. Der Brite hatte nämlich den Eindruck, dass zwischen dem Sprint-Qualifying und dem Qualifying viel Fahrgefühl verloren ging. "Das Auto hat sich nach dem Unfall heute Morgen nicht so gut angefühlt, um ehrlich zu sein", sagte Russell. "Ich hatte gestern eine großartige Pace und fuhr in fast jeder Runde in den Top-5 mit. Heute war ich an keinem Punkt während der Session auch nur in den Top-5."

Um das Handling des Boliden auch etwas stabiler hinzubekommen, steht wohl noch etwas Arbeit vor den Führenden der Formel-1-WM. Antonelli hofft, dass der USA-GP in zwei Wochen die richtigen Verhältnisse dafür bietet. "Wir brauchen noch ein bisschen Zeit. Ich habe das Gefühl, in Austin können wir an einem normalen Wochenende ein bisschen mehr herumforschen", so der Italiener. Dann möglicherweise auch wieder mit George Russell mit der identischen Ausbaustufe. "Das Beste wäre es, wenn wir zwei Autos mit der gleichen Spezifikation hätten, denn dann kann man auf beiden sehr unterschiedliche Dinge probieren", hofft Antonelli.

Für das Formel-1-Rennen in Singapur muss Antonelli nun erst einmal mit dem Upgrade-Mercedes im aktuellen Setupfenster zurechtkommen, da Parc Ferme wie immer geschlossen ist. Im Rennen ist Überholen ohnehin bei einem normalen Verlauf sehr schwierig, aber mit Blick auf die WM wird der neunfache Saisonsieger zwölf weitere Punkte für P4 gerne mitnehmen. Russell startet aufgrund einer Motorstrafe nämlich von weit hinten und wird sich auf dem überholfeindlichen Kurs wohl selbst im Idealfall nur am Ende der Topteams einreihen können.

Hier die komplette Startaufstellung: