Der Europa GP war ein typischer Taktik-GP - Überholmanöver waren wieder einmal Mangelware. Dabei hatte die Saison so gut und spannend begonnen. Auf den neuen Kursen in Bahrain und Malaysia gab es viele Überholmanöver und packende Zweikämpfe. Seit der F1-Tross nach Europa zurückgekehrt ist, kam es aber in Imola und am Nürburgring zu den üblichen Prozessionen.

In Imola war das kein Wunder, das Autodromo Enzo e Dino Ferrari ist als überholfeindlich bekannt. Aber auch am Ring gibt es kaum Chancen für erfolgversprechende Manöver. Normalerweise sollte man meinen, dass die rechts-links-Kurvenkombination nach Start- und Ziel eine gute Überholmöglichkeit bietet. Aber leider ist dafür der Weg am Nürburgring zu weit. Auf anderen Strecken funktioniert dieser Kniff, hier jedoch nicht.

Mit solchen Problemen müssen sich derzeit nicht nur die Piloten der Königsklasse in ihren aerodynamisch fein geschliffenen Boliden herumplagen. Auch in den Nachwuchsserien wie der Formel 3 EuroSeries oder der Formel BMW gab es vor zwei Wochen am EuroSpeedway kaum aktive Positionswechsel auf der Strecke. Der gleiche Horror ist für die nächsten Läufe in Oschersleben zu befürchten. Dort sind Überholmanöver sogar noch schwieriger. Frank Williams scheint vor einigen Jahren Recht gehabt zu haben, als er sagte: Heutzutage müssen die Strecken für die Autos gebaut werden und nicht umgekehrt.

Das Schlimme daran ist: Auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona sieht es am nächsten Wochenende nicht viel besser aus. Ohnehin werden die Autos auf dem Paradetestkurs nicht so eng beieinander liegen. Auf einer so anspruchsvollen Strecke, kann man durch einen kleinen Vorteil direkt deutlich schnellere Rundenzeiten erzielen.

Schumacher ist immer noch der Beste

Nach Imola dachten die meisten, dass Ferrari diese Leistung am Nürburgring nicht wiederholen könnte. Schließlich war man auch im letzten Jahr beim Heimrennen schnell und ansonsten eher schwach bis katastrophal. Von einem weiteren Sieg in der Eifel konnte man deshalb nicht unbedingt ausgehen.

Aber die Italiener haben alles zusammengebracht: Ein schnelles Auto, eine gute Strategie und einen starken Michael Schumacher. Dieser konnte am Ring wieder einmal seine Stärke ausspielen und vor seinem zweiten Stopp drei schnelle Runden in den Asphalt brennen, die ihm letztlich einen großen Vorsprung und den Sieg einbrachten.

Für das Interesse der deutschen Fans und eine spannende WM war dieser Erfolg sehr wichtig. Jetzt werden sich besonders in Deutschland wieder mehr Menschen für die Formel 1 und den Motorsport im Allgemeinen interessieren.

Im gleichen Atemzug muss man natürlich betonten, dass nicht nur Michael gut war. Auch Felipe Massa zeigte eine starke Leistung. Gegen den Speed und die Erfahrung seines Teamkollegen hatte er aber - wie alle seine Vorgänger - keine Chance.

Nicht nur durch diesen Sieg, sondern auch durch sein Auftreten zeigte Michael Schumacher am Nürburgring, dass alle die ihn zum alten Eisen schrieben und ihn über seinen Zenit hinaus geschritten sahen, völlig falsch lagen. Er ist immer noch besser als alle seine Teamkollegen und die meisten seiner Konkurrenten.

Am Nürburgring war Renault langsamer als Ferrari. Beim nächsten Rennen in Barcelona könnte sich das aber wieder ändern. Dort werden die Franzosen auf alle Fälle ganz vorne mitmischen können.

Ein kleiner Blick über den Tellerrand

Zum Schluss wollen wir noch einen kleinen Blick über das F1-Fahrerlager hinaus werfen. Wie bei allen europäischen Grand Prix, trug auch am Nürburgring die GP2 zwei Meisterschaftsläufe aus.

Für die F1 ist diese Serie nicht erst seit dem Aufstieg eines Nico Rosberg interessant. Derzeit fahren viele ehemalige GP2-Piloten als Stamm- oder Testfahrer in der Königsklasse. Mit Lewis Hamilton steht bereits der nächste Aufsteiger in den Startlöchern!

Der langjährige McLaren-Protegé lieferte bei seinem ersten von zwei Siegen am Ring eine gigantische Vorstellung. Er hat die Konkurrenz fast schon blamiert. Ohne seine Drive-Through-Strafe hätte er eine halbe Minute Vorsprung auf den Rest des Feldes herausfahren können. Selbst sein Teamkollege Alexandre Premat hatte keine Chance gegen ihn - und der ist wahrlich kein schlechter und hat bereits ein Jahr GP2-Erfahrung.

Da ist es kein Wunder, dass mittlerweile auch Ron Dennis und Martin Whitmarsh öffentlich darüber nachdenken einen möglichen Teamkollegen von Fernando Alonso in der Saison 2007 aus den eigenen Nachwuchsreihen zu rekrutieren.

Dass Hamilton in die F1 kommt, steht nicht nur für mich fest - ich würde aber noch einen Schritt weiter gehen und behaupten: Dieser Lewis Hamilton wird eines Tages F1-Weltmeister.