Formel 1-Jubiläen sind immer ein guter Anlass um zurückzublicken und zu analysieren: Was hat ein Fahrer erreicht und beinahe noch wichtiger - was hat er in seiner Karriere bislang noch nicht erreicht? Es ist die Zeit ein Resümee, eine Bilanz, ein Fazit zu ziehen.

Am letzten Wochenende war es bei Ralf Schumacher soweit. Der Bruder des siebenfachen Champions wurde stolze 150 Grand Prix 'alt'. Darin hat er es mit BMW Williams auf gerade einmal sechs GP-Siege gebracht. Für jemandem mit diesem großen Nachnamen, seinem Gehalt und seinen Ansprüchen zu wenig.

"Es wäre schön, wenn noch der ein oder andere Sieg dazukäme, bei so vielen Rennen ist das definitiv zu wenig", gestand Ralf an seinem Jubiläumswochenende in der Eifel. "Und natürlich noch eine Weltmeisterschaft."

Ein Aussie wollte besser sein...

Mark Webber wartet noch auf den Durchbruch., Foto: Sutton
Mark Webber wartet noch auf den Durchbruch., Foto: Sutton

Von Siegen und WM-Titeln träumen auch noch andere, die schon lange dabei sind; aber nie den Sprung in die elitäre Riege der Superstars geschafft haben. Die bange Frage für Rubens Barrichello, Jenson Button, Juan Pablo Montoya, Giancarlo Fisichella und Mark Webber lautet nun: Müssen wir das "nie" aus dem vorhergehenden Satz in ein "noch nicht" umwandeln?

"Natürlich habe ich mir bis heute einen Sieg erhofft", geht Mark Webber genauso ehrlich mit der Situation um wie Ralf. "Das ist frustrierend. Man möchte das Ergebnis und ich hätte gerne bisher in meiner Karriere besser abgeschnitten. Aber man muss seine Ziele neu formulieren können."

Deshalb beruft sich der 74-fache GP-Starter auf die Unberechenbarkeit der Königsklasse. Michael Schumacher sei im letzten Jahr selbst als siebenfacher Weltmeister kein einziger 'richtiger' Sieg gelungen. Währenddessen sei Fernando Alonso nur mit der Zielsetzung in die Saison gegangen "einige Rennen" zu gewinnen. Stattdessen wurde er am Ende Weltmeister. "Das zeigt wie unvorhersehbar die Formel 1 ist."

Und noch eins ist die F1: Abhängig vom Material. "Williams ist nicht mehr das, was sie vor 10 Jahren einmal waren", erinnert Webber. "Damals mit Adrian Newey, Werksmotoren von Renault und unzähligen Siegen." Das Auto und das Team machen einen Großteil der Konkurrenzfähigkeit eines Fahrers aus. Wenn der Wagen nicht konkurrenzfähig ist, kann selbst der beste Fahrer nicht um den Titel fahren. Kleine Meisterleistungen und Lichtblicke sind jedoch möglich, dass hat etwa Michael Schumacher in seiner ersten Ferrari-Saison 1996 bewiesen.

Der Pechvogel aus Rom

Aber nicht nur der reine Speed des Fahrers und seines Autos sind entscheidende Erfolgsfaktoren. Giancarlo Fisichella wurde jahrelang als der entweder 'am meisten überbewertete' oder der 'am meisten unterbewertete' Pilot der Königsklasse angesehen. Bei Jordan galt für den Sieger des Chaos-GP von Interlagos 2003 zunächst die Performance-Regel: Mit dem gelben Auto konnte er nur im sintflutartigen Regen einen Siegerpokal gewinnen. Ansonsten fuhr er hoffnungslos hinterher.

Bei Renault kam jedoch noch etwas anderes hinzu: Das Glück - oder in seinem Fall: Das Pech. Kaum ein anderer Fahrer - abgesehen von Kimi Räikkönen und Jarno Trulli - konnte 2005 so viel Pech, Fehler, Probleme und Defekte auf sich vereinen wie der Italiener.

Die Hoffnung gab der Römer deshalb noch lange nicht auf. Nach 3 Siegen aus 165 Grand Prix kündigte er bereits im Winter an: "Es ist kein Geheimnis: Ich möchte den WM-Titel gewinnen." Trotz seines überzeugenden Sieges in Malaysia, sieht es bislang nicht danach aus, als ob Fisico diese Ankündigung 2006 in die Tat umsetzen könnte.

Die Krux mit den Prognosen & Ankündigungen

B&B waren nur bei den Ankündigungen ganz vorne dabei., Foto: BAT
B&B waren nur bei den Ankündigungen ganz vorne dabei., Foto: BAT

Dies führt uns zu Rubens Barrichello und Jenson Button. Die beiden B's verbindet nämlich mehr, als nur ihre Zugehörigkeit zum gleichen Team. Das Honda-Duo hat eine besondere Geschichte im Bezug auf Saisonprognosen. Im Stile des 'alten', noch nicht zu Red Bull abgewanderten David Coulthard, der zu McLaren-Zeiten zu Beginn eines jeden Jahres von "seinem Jahr" sprach, kündigen auch Rubens und Jenson gerne Siege und WM-Titel an. Nur um dann im Laufe der Saison von dieser Hoffnung Abschied nehmen zu müssen.

Nach 219 Rennen stehen für Barrichello erst 9 GP-Triumphe zu Buche. Dennoch misst er sich gerne mit seinem ehemaligen Teamkollegen und 86-fachen GP-Sieger. "Natürlich kann man sagen, dass Michael sieben Titel hat und ich noch keinen. Aber wenn man uns gleichzeitig in ein neues Team stecken und das gleiche Material und die gleiche Unterstützung geben würde, dann würde ich sehr gut abschneiden. Ich könnte dann genauso oft Weltmeister werden wie er..." Jetzt liegt es an Rubinho diesen Worten bei seinem neuen Arbeitgeber Taten folgen zu lassen. Ein Rückblick auf die ersten fünf Rennen sagt: Fehlanzeige!

Jenson Button knabbert unterdessen noch an seinem Debütsieg, geschweige denn am siebten WM-Titelgewinn. Auch nach 106 Grand Prix ist das Siegkonto des Briten noch verwaist. "Alle möchten Rennen gewinnen und da geht es uns nicht anders", kündigte er bei der Fahrzeugpräsentation Ende Januar in Barcelona an. "Wir werden um Siege kämpfen und wenn wir in diesem Jahr um Siege kämpfen können, dann vom ersten Rennen an."

Dass wurde wohl nichts, Jenson. Wie schon im Vorjahr, als Button vor Saisonbeginn ebenfalls angekündigt hatte, vom ersten Rennen an siegfähig zu sein. Angesichts dieser vollmundigen Ankündigungen, ist es kein Wunder, dass die britische Presse die über 100 sieglosen Rennen ihres JB schier pausenlos zum Thema hat. In den letzten Wochen "nervte" ihn das gewaltig. Als Abhilfe könnte man ihm empfehlen, einfach nicht mehr ständig den 1. Sieg anzukündigen...

Das Heißblut

Ein ganz anderer Fall ist Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer gilt als verdammt schnell, extrem stark und kompromisslos bei Überholmanövern und keinesfalls von einer der Konzern-PR-Gehirnwäschen eingeschüchtert. Er sagt was er denkt. Eben ganz der heißblütige Latino, wie er der F1 viel Freude bereiten könnte.

Dennoch wird ihm seit Saisonbeginn vorgeworfen, dass er nach seinen 90 GP für BMW Williams und McLaren Mercedes derzeit lustlos durch das Fahrerlager schlendere und seine Dienste überall für 2007 anbiete. Das genaue Gegenteil behaupteten jedoch seine silbernen Chefs: Martin Whitmarsh und Ron Dennis lobten vor Saisonbeginn den "riesigen Einsatz", den Juan Pablo über den Winter beim Training und der Weiterentwicklung des Autos gezeigt habe.

Montoyas Leistungen sind oftmals abseits von Gut und Böse., Foto: Sutton
Montoyas Leistungen sind oftmals abseits von Gut und Böse., Foto: Sutton

Der siebenfache GP-Sieger sieht das genauso. "Ich arbeite hart an diesem Jahr. Ich möchte in dieser Saison gewinnen", betont er, dass seine Gedanken noch nicht um die Zukunft kreisen. "Deshalb arbeite ich so hart. Ich möchte das Auto nicht erst dann richtig hinbekommen, wenn Fernando kommt, so dass er damit nächstes Jahr gewinnen kann." Irgendwie klingt das schon nach Abschied. Vielleicht in eine erfolgreichere Zukunft bei einem anderen Team. Bei seinen bisherigen Rennställen konnte JPM die Erwartungen jedenfalls nie vollständig oder konstant erfüllen.

Obwohl sein Leidensgenosse Jenson Button mit vielen seiner Siegankündigungen daneben lag, sagt er eins genau richtig: "Um zu gewinnen muss alles perfekt laufen - das war bei uns noch nicht der Fall." Genauso bei Mark Webber. "Wir haben seit Alan Jones vor 25 Jahren keine australische Nationalhymne mehr auf dem Podium gehört. Es ist nicht gerade einfach, aber es ist mein Ziel dies zu ändern. Bislang habe ich es noch nicht geschafft, aber es mangelte mir garantiert nicht am Willen." Gleiches gilt für Ralf, Jenson, Juan Pablo, Giancarlo und Rubens. Alle aus diesem unzufriedenen Fahrer-Sextett sind noch nicht am Ziel ihrer F1-Träume angekommen - vielleicht können sie ja bei ihrem nächsten Jubiläum ein positiveres Fazit, eine bessere Bilanz, ein erfolgreicheres Resümee ziehen...