Es hätte eine Sensation werden können, stattdessen wurde es immerhin ein versöhnlicher Podestplatz: Marco Mapelli (Abt-Lamborghini) verlor seinen vermeintlichen Sieg vier Stunden nach dem Ende des DTM-Samstagsrennens auf dem Lausitzring. Der Italiener fiel trotz einer nachträglichen 15-Sekunden-Zeitstrafe sanft und landete auf dem zweiten Platz hinter dem neuen Sieger Ben Dörr (Dörr-McLaren), der zu seinem ersten Triumph in der DTM kam.

Mapelli hatte Glück im Unglück: Weil auch Ricardo Feller (Manthey-Porsche, Platz drei) 15 Sekunden aufgebrummt bekam und der Viertplatzierte Nicki Thiim (Pole-Setter im Comtoyou-Aston Martin) mehr als 20 Sekunden Rückstand aufwies, konnte der Lambo-Werksfahrer den überraschenden Podestplatz immerhin behalten.

Disqualifiziert! Das steckt hinter dem Abt-Drama am Nürburgring (11:56 Min.)

Deshalb kassierte Marco Mapelli die nachträgliche Zeitstrafe

Mapelli, Feller, Maximilian Paul und Maro Engel hatten im Nachgang zum spektakulären Rennen 15-Sekunden-Strafen kassiert, weil sie während der Full-Course-Yellow-Phase (ausgelöst durch Timo Glocks Ausfall) schneller fuhren als die erlaubten 80 km/h. Was ging schief bei den Äbten, die einen schwierigen Start mit dem neuen Lamborghini Temerario GT3 erlebten?

"Er hat den Knopf (für den Speed-Limiter) gedrückt, aber die Funktion hat leider nicht ausgelöst", erklärte Abt-Teamchef Thomas Biermaier das Problem bei ProSieben. "Sprich: Es war wahrscheinlich nicht fest genug. Er hat beschleunigt, war leicht drüber und hat dann gemerkt: Achtung, der Limiter ist nicht drin. Er hat noch mehr gedrückt, und dann war er drin."

Üblicherweise drücken die Fahrer zu Beginn einer FCY-Phase den Speed-Limiter-Knopf am Lenkrad, wodurch das Auto automatisch auf die erlaubten 80 km/h runterbremst. Danach können die Piloten zwar Vollgas geben, aber die Software regelt im Normalfall bei 80 Sachen ab - ähnlich der Funktion in einem Straßenauto. In Mapellis Fall ging dieses Prozedere laut Biermaier allerdings schief.

Abt-Teamchef Biermaier: "Die Strafe ist gerechtfertigt"

Abt Sportsline akzeptierte die erst vier Stunden nach dem Rennende ausgesprochen Strafe, weil sich die Sportkommissare mit gleich sechs potenziellen FCY-Vergehen beschäftigen mussten, klaglos. Biermaier: "Die Strafe ist gerechtfertigt. Wir haben nachvollziehen können, was passiert ist. Die haben sich recht lange Zeit gelassen. Es hat mehrere Fälle gegeben und sie wollten auf Nummer sicher gehen."

Der sonst übliche Ärger über einen verlorenen Sieg hielt sich im Lager von Abt Sportsline in Grenzen. Zum einen, weil Mapelli auf seinem Weg zum kurzzeitigen Sieg reichlich Glück hatte und gerade rechtzeitig in die Boxengasse zum Pflicht-Reifenwechsel abgebogen war, bevor der Rest des Feldes durch die FCY-Phase auf der Strecke eingebremst wurde. Zum anderen, weil das Team nach dem schwachen Auftakt mit dem Temerario wohl nicht mit einem solch frühen Erfolg gerechnet hätte.

"Wir waren auf der glücklichen Seite", räumte Biermaier ein. "Marco hätte es auch verdient gehabt. Wir sind aber zufrieden, wenn man schaut, wo wir vor vier Wochen waren. Und jetzt haben wir einen Pokal." Die DTM-Konkurrenz dürfte davon allerdings nicht allzu begeistert sein, schließlich erhielten die schwächelnden Lamborghini Temerario GT3 von Abt und GRT laut ProSieben BoP-Zugeständnisse in Form eines flacheren Heckflügels und zusätzlicher Leistung.

Abt-Lamborghini unter normalen Umständen "noch nicht siegfähig"

Dazu sei für den Lausitzring allerdings angemerkt: Der von Platz 16 gestartete Mapelli hätte unter normalen Umständen - also dem Start bei trockenen Bedingungen und ohne den FCY-Glücksmoment - das Rennen niemals gewonnen. Stattdessen hätte sich höchstwahrscheinlich Pole-Setter Thiim durchgesetzt, der sich des Sieges "beraubt" fühlte. "Wir hatten Probleme, hier mit dem Auto in die Top-10 zu fahren", stellte Mapelli selbst fest.

Biermaier argumentierte: "Man muss das Rennen analysieren: Wir hatten Glück mit der Full Course Yellow, die uns nach vorne gespült hat. Auch haben wir die richtige Reifen-Entscheidung (Mapelli startete auf Slicks; d. Red.) getroffen. Wenn es trocken ist, sind wir noch nicht siegfähig. Dazu fehlt noch ein bisschen, aber wir können mitfahren."

Marco Mapelli mit Abt-Lamborghini in der DTM
Marco Mapellis Freude über den ersten DTM-Sieg währte nur kurz, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Irrer Abt-Vorfall: Tür fällt in Startaufstellung runter!

Während am Samstag alle Augen auf Mapelli gerichtet waren, ereignete sich in der Startaufstellung ein kurioser Moment am Lamborghini seines Teamkollegen Luca Engstler (Ausfall): Plötzlich fiel die eingehängte Beifahrertür ab und knallte auf einen umstehenden Werkzeugkoffer!

Chef Biermaier war Augenzeuge - und nicht allzu glücklich über die Slapstick-Einlage: "Das hat die halbe Tribüne gesehen, da gab's ein kleines Gelächter. Wir waren gestern eh schon ein bisschen nervös wegen des Wetters und dann kommt sowas noch dazu. Dann ist man ein bisschen impulsiv."

Du willst alle Breaking News und Hintergrund-Infos zur DTM, WEC, IndyCar, den 24-Stunden-Rennen und Co. bekommen? Dann abonniere jetzt unseren neuen und kostenlosen WhatsApp-Channel! Brandaktuelle News aus der Motorsport-Welt direkt auf dein Handy: