ADUO hat jetzt schon das Potenzial zum Unwort der Formel-1-Saison zu werden. Hinter den 'Additional Development and Upgrade Opportunities' verbirgt sich ein simples System, das eigentlich die mittel- oder langfristige Konkurrenzfähigkeit aller F1-Motoren gewährleisten sollte, aber schon nach dem ersten Zyklus zu einem politischen Streitfall wird.

Das Problem liegt in der Einfachheit des Systems. Anstatt alle Komponenten der komplexen Formel-1-Power-Units in Betracht zu ziehen, werden die ADUOs ausschließlich nach der Leistung des Verbrennungsmotors vergeben. Wohlgemerkt, gleichzeitig können die Entwicklungsjoker für beinahe sämtliche Komponenten der Power Unit eingesetzt werden.

Laurent Mekies: Überlebenswichtig, dass wir dieses Bild richtigstellen

Der große Verlierer ist dabei Red Bull Powertrains, die laut der FIA mit über zwei Prozent Vorsprung zu allen Konkurrenten klar den stärksten Verbrenner im Feld haben und deshalb nicht entwickeln dürfen. Alle anderen, inklusive Mercedes, können Joker einsetzen oder haben das sogar schon beim Formel-1-Wochenende in Spielberg getan.

Red Bull läuft also umgehend Gefahr, im Motorrennen zurückzufallen und will das so nicht akzeptieren. Dass die Bullen eine neue Prüfung durch die FIA gefordert haben, ist bereits seit Längerem bekannt. In der Pressekonferenz beim Formel-1-Wochenende in Österreich bekräftigte Teamchef Laurent Mekies, dass die große Gefahr besteht, dass die Konkurrenz aus dieser Gemengelage strategisch Kapital schlägt und damit die ADUO-Regeln ad absurdum führt.

So könnten die Red-Bull-Gegner an allen möglichen Komponenten Hand anlegen und den ICE hinten anstellen, während die noch jungen Motorbauer aus Milton Keynes in ihren Entwicklungsmöglichkeiten stark eingeschränkt wären. "Es gibt ein großes Risiko für Red Bull", schlägt Mekies aufgrund dieses potenziellen Szenarios Alarm. "Das ist einer der Gründe, warum es für Red Bull und generell für den Sport überlebenswichtig ist, dass wir dieses Bild richtigstellen", so der Franzose.

Laurent Mekies warnt: Große Auswirkungen auf 2026 und 2027

Red Bull betonte wiederholt, dass sie sehr überrascht über die Schlussfolgerung sind, dass sie über den besten Motor verfügen sollen. Aktuell sind die neuerlichen Untersuchungen beim Motorsport-Weltverband noch im Gange. "Wir hatten seitdem [seit Monaco, d. Red] viele sehr konstruktive Diskussionen mit der FIA", so Mekies. "Sie machen eine Neubeurteilung und wir teilen so viele Daten wie möglich mit ihnen, um sicherzustellen, dass sie das richtige und vollständige Bild erhalten", wiederholte er.

"Wir haben nicht nur ein anderes Gefühl bei diesem Ergebnis, sondern es hat auch große Auswirkungen für dieses und für nächstes Jahr. Es ist also zuerst und vor allem für den Sport wichtig, dass wir das richtigstellen und natürlich für Red Bull. Denn das Ausmaß dessen, dass wir auf einer Seite der Linie stehen oder auf der anderen, wird riesig sein", befürchtet er.

Das ADUO-System funktioniert so, dass die Hersteller zusätzlich zu den je nach Komponente in der Regel einmal zu Beginn der Saison erlaubten Motor-Upgrades noch weitere Entwicklungsschritte für das aktuelle und das folgende Jahr bekommen. Ein Motorhersteller, der zwischen zwei und vier Prozent zurückliegt, erhält eine Bonus-Entwicklung für das laufende und eine für das Folgejahr. Ein Hersteller, der über vier Prozent zurückliegt, bekommt jeweils zwei.

Zudem gibt es zusätzliche Prüfstandzeiten und ein höheres Zusatz-Budget im Budget Cap für die Power Units. Diese beiden Stellschrauben sind gestaffelt bis zu einem Rückstand von zehn Prozent. Vor allem Honda, das aktuell klares Schlusslicht ist, profitiert also in einem hohen Ausmaß. Das ist für die Bullen wohl leichter zu verkraften als die Entwicklungsmöglichkeiten, welche die direkten Konkurrenten bekommen.