Mit Lewis Hamilton und Kimi Antonelli konnte beim Sprint-Qualifying in Silverstone niemand mithalten. Der Rekord-Weltmeister und der WM-Führende enteilten dem Rest des Formel-1-Feldes um über drei Zehntel, dahinter gab es einen wahren Hundertstelkrimi. Der Sieger in diesem Kampf war kein geringerer als Max Verstappen.

Platz 3 liest sich wie ein positives Ergebnis und angesichts der knappen Abstände freut sich Verstappen darüber auch, aber er betont, dass es über vieles hinwegtäuscht. "Es hätte leicht auch P6 oder P7 sein können. Es ist vielleicht ein bisschen knapper [nach vorne], aber wir sind immer noch nicht dort, wo wir sein wollen", so seine Warnung.

Zu Oscar Piastri auf P7 fehlten ihm gerade einmal 0,075 Sekunden, zu seinem Teamkollegen Isack Hadjar auf P8 knapp das Doppelte. Im Vergleich zum Training habe Red Bull in der Abstimmung des Autos zwar kleine Fortschritte gemacht, ist er sicher, aber man sei mit dem RB22 noch "überhaupt nicht dort, wo wir hinwollen."

Während Verstappen Verbesserungspotenziale in der Abstimmung ausmacht, ist ein weiterer wesentlicher Punkt in Silverstone wohl der Energieeinsatz der Batterie. Auf der Strecke in Großbritannien ein besonders wichtiger Punkt, da es rund um die gesamte Rennstrecke nur drei signifikante Bremszonen gibt, auf denen die Batterie geladen werden kann, dafür aber eine Reihe von längeren Geraden. Gerade einmal acht Prozent der Runde verbringen die Fahrer auf der Bremse, ein Tiefstwert in der bisherigen F1-Saison.

Das Deployment auf der schnellsten Runde von Verstappen unterscheidet sich wesentlich von jenem von Sprint-Polesetter Hamilton. Vor allem vor Kurve 9 (alte Start-Ziel-Gerade) büßte er viel Zeit ein. Durch etwas mehr Energieeinsatz zwischen Copse und Maggotts-Becketts lässt sich dieser Zeitverlust nicht ausgleichen. Allerdings kommt in jener Passage auch noch dazu, dass Verstappen in Kurve 7 (ob beabsichtigt oder nicht) eine weitere Linie genommen hatte, welche seine anschließende Beschleunigung beeinträchtigte.

In Summe verlor Verstappen alleine in diesem Abschnitt drei Zehntel auf Hamilton und über eine Zehntelsekunde auf Antonelli, der eine ähnlichere Deployment-Strategie verwendete, aber dem Niederländer konstant über die restliche Runde Zeit aufbrummte. Der Vergleich mit dem Ferrari weist mehr Ausschläge auf: Auf der Gerade zwischen 15 und 16 büßte Verstappen - im Übrigen genauso wie Antonelli - ebenfalls über zwei Zehntelsekunden ein. Der Preis dafür, dass er eine Zehntel auf der Hangar-Straight gutmachen konnte.

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Angesichts des klaren Rückstands gibt sich der zweifache Silverstone-Sieger keinen Illusionen hin, was den Sprint angeht. Wenn überhaupt erwartet er sich Angriffe von hinten: "Sie [Hamilton und Antonelli, d. Red] sahen sehr schnell aus. Also normalerweise sollten ihre Teamkollegen in der Rennpace auch schnell sein, wenn sich alles ein bisschen beruhigt. Ich denke, für mich wird es eher ein Kampf gegen die Leute hinter mir."

Nach dem Sprint öffnet sich wie üblich Parc Ferme wieder und danach sind Arbeiten am Setup bis zum Qualifying wieder freigegeben. Verstappen ist sich sicher, dass es da noch einiges zu holen gibt, aber er bezweifelt, dass man den Rückstand beim Batterie-Deployment ausgleichen kann. "Ich schätze es ist eine Kombination daraus, wie das Layout hier ist. Mit einigen Limitationen auf der Geraden und damit, dass wir die Balance ins richtige Fenster bringen müssen", so seine Einschätzung.

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Isack Hadjar musste im engen Qualifying-Kampf um die ersten Verfolgerplätze am anderen Ende der Skala Platz nehmen. Mit gerade einmal 0,138 Sekunden Rückstand auf Verstappen wurde es für ihn Position 8 anstelle von Position 3. Entsprechend war auch sein Ärger im Cockpit. Nach dem Sprint-Qualifying zeigte er sich enttäuscht und hatte auch gleich eine Ursache parat. "Ich hatte nicht den besten Beginn der Runde. Das kostete mich schon etwas Zeit."

Tatsächlich verlor der Franzose auf den ersten Metern nicht auffällig Zeit und konnte auch Zeitverluste durch die Kurven 3/4 und in Turn 7 gegen Verstappen jeweils in der Beschleunigungsphase und auf der folgenden Geraden ausgleichen, wie die Telemetriedaten zeigen. Erst vor und in Kurve 16 büßte er zwei entscheidende Zehntelsekunden auf Verstappen ein.