Die letzten Runden des Formel-1-Rennens in Silverstone endeten zum Missfallen vieler Fans nach einem Abflug von Max Verstappen enttäuschend hinter dem Safety Car. Die Abfolge hierbei sorgte allerdings für Konfusion, wurde doch im TV-Bild und auch im Timing ein Neustart angekündigt. Das war inkorrekt, wie die FIA im Nachgang einräumen muss.

Verstappen hatte mit seinem Abflug ins Kiesbett in Runde 48 von 52 das Safety Car ursprünglich ausgelöst. Dank der langen Strecke schien es dann so, als würden es die britischen Streckenposten tatsächlich schaffen, den Red Bull rechtzeitig zu bergen, um für die letzte Runde noch einen Neustart durchzuführen. Um 16:27:24 kam dann die offizielle Meldung: "SAFETY CAR IN THIS LAP".

Wie üblich war das gepaart mit dem großen "SAFETY CAR ENDING"-Insert im TV-Bild. Dieses blieb mehrere Kurven lang da, während das Safety Car weder die Lichter ausmachte noch in die Box abbog. Der Restart materialisierte sich nie. Im Hintergrund war auf dem Zeitnahme-Monitor schon acht Sekunden nach der ersten Meldung auch erneut "SAFETY CAR DEPLOYED" aufgeschienen.

Kein Restart in Silverstone: So erklärt es die FIA nach dem Rennen

Die FIA erklärt das nach dem Rennen in einer knappen Stellungnahme mit einem Systemfehler. Was hier nämlich schiefging, mag bei einigen sofort Erinnerungen an das kontroverse WM-Finale 2021 in Abu Dhabi wecken, als es Unklarheiten beim Zurückrunden der überrundeten Autos gab.

Damals verwies man noch auf Interpretationsspielraum im Reglement, inzwischen ist der absolut nicht mehr vorhanden und aus offensichtlichen Gründen ist das Thema sehr sensibel. Artikel B5.13.5 definiert den Prozess des Zurückrundens wie folgt. Die Rennleitung übermittelt eine Liste der Autos, welche sich zurückrunden dürfen. Der Neustart darf danach frühestens eine Runde später erfolgen.

Im konkreten Fall wurde die Rückrundungs-Liste mit sieben überrundeten Autos auf dem Timing-Monitor registriert, kurz nachdem der Führende Charles Leclerc seine 51. Runde begonnen hatte. Das bedeutete, dass frühestens am Ende von Runde 52 ein Restart erlaubt war. Da das Rennen nur 52 Runden lang ist, war ab da eigentlich schon klar, dass das Rennen hinter dem Safety Car zu Ende gehen musste.

Dass trotzdem am Ende von Runde 51 plötzlich "SAFETY CAR IN THIS LAP" gesendet wurde, sei laut der FIA ein Software-Fehler gewesen. Als die Rennleitung das realisierte, löste sie sofort ein Weiterlaufen der Safety-Car-Phase mit einer neuen "SAFETY CAR DEPLOYED"-Meldung aus und verhinderte damit gerade rechtzeitig einen Regelbruch.

Verwirrung um Zurückrunden löst weitere Untersuchung in Silverstone aus

Der Rückrunde-Prozess in Silverstone wird am Sonntagabend allerdings noch ein viel komplizierteres Nachspiel haben. Um 18:37 Uhr Ortszeit wurden Vertreter von Williams sofort vor die Stewards zitiert. Denn Carlos Sainz hatte sich in Runde 51 zurückgerundet, obwohl er nicht auf der von der Rennleitung übermittelten Liste gestanden war.

Der Grund dafür könnte potenziell äußerst bizarr sein. Schließlich war Sainz eigentlich schon in Runde 35 von Leclerc überrundet worden. Es scheint aber so, dass er einer Eigenheit von Silverstone zum Opfer fiel. Als er unter dem Safety Car stoppte, lag er direkt hinter Leclerc auf der Strecke. Weil die Boxeneinfahrt hier die Strecke abkürzt, scheint das Timing ihn beim Abbiegen in die Box kurz als vor Leclerc und damit wieder in der Führungsrunde registriert zu haben.

Dadurch schien Sainz in der kurz darauf kommunizierten Liste der Autos für den Rückrundeprozess nicht aufzutauchen und hätte sich entsprechend nicht zurückrunden dürfen, was ihm in der Praxis vier Plätze gekostet hätte. Was genau in diesem Fall nun aber schiefgelaufen ist, müssen die Stewards noch klären.