Eine Serie an Defekten hat Mercedes bisher in der Formel 1 -Saison 2026 ein ums andere Mal eingebremst. Gründe gibt es zuhauf. Während auf Power-Unit-Seite erst in Österreich ein Zuverlässigkeits-Update eingeführt wurde, bereitet auf Chassis-Seite eine aggressive Technik-Innovation Kopfzerbrechen, welche Kimi Antonelli in Silverstone wohl den Sieg kostete.
Antonelli hatte sich in Silverstone in einem knappen Kampf mit den Ferraris bekommen, ehe ihm auf Platz zwei liegend kurz nach seinem Boxenstopp das sogenannte "Wheel Shield" links vorn abbrach und sich um 90 Grad gegen die Vorderradaufhängung drehte. Die Mercedes-Mechaniker entfernten das Teil schließlich, aber eine Track-Limit-Strafe kostete auch zwei Trostpunkte.
Das Wheel Shield war aber schon davor das ganze Silverstone-Wochenende bei Mercedes ein Thema gewesen. Grundsätzlich handelt es sich dabei um ein Teil der Bremskühleinheit. Ein vertikales Element, das sich in der Regel inmitten des Luftflusses zu den Bremskühlschächten befindet.
In der Regel. Denn Mercedes, Ferrari und Red Bull zielen mit jüngsten Entwicklungen seit Miami darauf ab, das Design hier aufgeräumter und effizienter zu machen. Mit den 2026 schmäleren Autos ist der Platz zwischen Nase und Vorderrad schließlich erst recht wertvoll, und nichts ist wertvoller als sauberer Luftfluss um die Vorderräder, welche bei einem Formelfahrzeug immer ein unvermeidlicher großer aerodynamischer Störfaktor sind.

Während wie beim oben abgebildeten McLaren MCL40 die Kühlschächte entlang der Aufhängung nach innen in Richtung Nase hängen, haben die anderen drei Top-Teams sie komplett innerhalb des Wheel Shields versteckt. Der Mercedes wartet mit einem besonders kompakten Design auf.




Mercedes-Design nach Silverstone-Schaden auf dem Prüfstand
Das, so folgert Technik-Experte Giorgio Piola, dürfte aber Probleme mit sich bringen. Alles nach innen zu verlegen geht mit einer kompakteren Luftströmung auf der Innenseite und infolgedessen mit höheren aerodynamischen Kräften innerhalb des Wheel Shields einher, die es nun stärker als bei einem konventionellen Design nach außen drücken. Nirgendwo sind diese Kräfte stärker als in den Highspeed-Kurven von Silverstone.


Und tatsächlich begann dort das Design am Mercedes schon in den Trainings Sorgen zu machen. Wiederholt wurden Mechaniker bei Arbeiten in dem Bereich beobachtet. Letztendlich zählte man insgesamt fünf Schäden, Stress-Frakturen des Karbons unter den extremen Belastungen der Silverstone-Kurven und Kerbs, mit dem Bruch bei Antonelli im Rennen als bitteren Abschluss.
Silverstone war ein Weckruf für Mercedes. In Spa wurden in den Trainings innen Sensoren montiert, um die Lage weiter zu beobachten und das Problem zu bestätigen. Wie kann es weitergehen? Natürlich kann man Gewicht opfern, die Teile schwerer, aber stabiler bauen. Allerdings gilt es auch zu bedenken: Silverstone war einer von wenigen Extremfällen.



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