Bei allen Diskussionen rund um das Energiemanagement in der Formel 1 treten die typischen Motorsport-Themen wie Setup und Reifen fast in den Hintergrund. Fast. Seit Saisonbeginn beschweren sich die Fahrer über die hohen Luftdrücke der Pirelli-Reifen – und werden das auch weiter tun, denn eine Initiative der Italiener wurde vor dem Ungarn GP zurückgewiesen, wie Motorsport-Magazin.com erfuhr.

Software statt Gasfuß? Energie-Chaos! Danner: Widerspricht dem Motorsport! (29:31 Min.)

Pirelli arbeitete zusammen mit der FIA an einer Lösung, wie man die vorgeschriebenen Mindestdrücke in Zukunft niedriger gestalten kann. Das Problem für den Reifenausrüster sind mögliche Defekte an der aktiven Aerodynamik.

Hohe Mindestdrücke schonen die Konstruktion der Reifen. Das ist nötig, wenn die Kräfte besonders groß sind. Eigentlich sind die aerodynamischen Kräfte 2026 gar nicht so hoch. Durch den Straight Mode produzieren die Autos bei den höchsten Geschwindigkeiten weniger Abtrieb und schonen so eigentlich die Reifen.

Doch Pirelli hat Angst vor Defekten. Was, wenn ein Fahrer den Flügel im Rennen nicht mehr öffnen kann? Dann ist das Auto plötzlich die ganze Runde im Corner Mode unterwegs und belastet die Reifen deutlich stärker. Pirelli muss diesen unwahrscheinlichen Fall einkalkulieren und die Drücke deshalb unnatürlich hoch ansetzen.

Pirelli-Vorschlag abgewiesen: Das ist der Grund

Der Vorschlag, der ab Zandvoort hätte gelten sollen, sah vor, dass Piloten mit einem SM-Defekt nach fünf aufeinanderfolgenden Runden ohne Aktivierung die Spiegeleiflagge gezeigt wird. Die schwarze Flagge mit orangenem Punkt signalisiert dem Fahrer, dass er zur Reparatur an die Box kommen muss. Wenn der Defekt nicht repariert werden kann, müsste der Fahrer aufgeben.

Die Mehrheit der Teams stimmte aber gegen den Vorschlag, aus unterschiedlichen Gründen. Befürworter des Vorschlags meinen, mit defektem SM könne man ohnehin nicht mehr konkurrenzfähig fahren. Gegner meinen, auf manchen Strecken könne man auch ohne die aktive Aerodynamik Positionen verteidigen und womöglich noch gute Ergebnisse einfahren.

Außerdem befürchten einige Teams auch, mit anderen Luftdrücken einen Performance-Vorteil aufzugeben. Schließlich ändern die Luftdrücke das Verhalten der Reifen enorm.

Schon in der vergangenen Saison sorgten hohe Mindestdrücke für Unmut bei den Piloten. 2025 waren aber die enormen Kurvengeschwindigkeiten im Highspeed-Bereich für die Vorgaben verantwortlich. 2026 zog Pirelli die Daumenschrauben bei den Drücken noch einmal merklich an.

Für die Fahrer sind die hohen Drücke lästig, weil die Reifen weniger Auflagefläche und schließlich weniger Grip bieten. Deshalb kam das Thema im Fahrerbriefing schon mehrfach auch, vor allem Lewis Hamilton stört sich an den Vorgaben regelmäßig.