Max Verstappen kann eigentlich zufrieden mit seiner Ausbeute beim Formel-1-Wochenende in Madrid sein. Der Red-Bull-Pilot landete hinter Andrea Kimi Antonelli auf der zweiten Position, obwohl er seiner eigenen Aussage zufolge nie die Pace des Italieners und von Lando Norris hatte. Auch, ob er in freier Fahrt schneller war als die Ferraris, darf bezweifelt werden – das Rennen lieferte keine eindeutige Antwort auf diese Frage.
Doch auf dem Weg zu diesem zweiten Platz gingen die Wogen bei Verstappen hoch. Grund war Kurve 1, als ihm außen gegen Lewis Hamilton der Platz ausging, er durch die Auslaufzone musste und sich vor dem Rekord-Weltmeister wieder einsortierte. Sein Renningenieur GianPiero Lambiase instruierte ihn in der Folge, seinen ehemaligen Titelrivalen wieder vorbeizulassen - ganz zum Unmut des Niederländers.
Max Verstappen versteht Platzwechsel nicht: "Hamilton war außer Kontrolle"
"Lewis wäre in mich hinein gecrasht, er war außer Kontrolle", brachte Verstappen schon direkt nach dem Zwischenfall seinen Unmut zum Ausdruck. Hamilton hatte zuvor einen deutlich besseren Start erwischt, war schon vor Kurve 1 vor Verstappen und deutete in der Folge auch ein Manöver gegen die aus Reihe 1 startenden Kimi Antonelli und Lando Norris an, zog zurück, befand sich daher aber weit auf der Innenbahn. Dann kam es zu dem Beinahe-Zusammenstoß der beiden.
Hier könnt ihr euch selbst ein Bild der Situation machen:
Die Racing-Richtlinien in der Formel 1 räumen einem Fahrer grundsätzlich auf der Innenbahn Priorität ein. Um außen bei einem Überholversuch Anrecht auf Platz zu haben, muss ein Fahrer am Scheitelpunkt mit der Vorderachse vor der Vorderachse seines Gegners sein. Das war bei Verstappen in der ersten Kurve von Madrid nicht der Fall. Deshalb kam wohl auch der Hinweis darauf, dass Hamilton außer Kontrolle gewesen sei, denn dann würden andere Umgangsregeln gelten.
Verstappen zeigte sich uneinsichtig und war überzeugt: "Ich wäre zu 100 Prozent vorne gewesen." Red Bull ließ sich von diesen Emotionen aber nicht anstecken, wie Lambiase seinem Schützling am Funk mitteilte: "Wir glauben nicht, dass Hamilton verpflichtet war, dir Platz zu lassen." Was für Verstappen doppelt bitter ist: Er hatte in der ersten Runde auch noch Antonelli überholt, den er nun ebenfalls vorbeilassen musste.
Auch noch nach der Zielflagge blieb Verstappen auf seiner Linie: "Ich habe in Kurve 1 mein eigenes Ding gemacht, aber Lewis versuchte ein Manöver gegen die ersten Zwei und setzte auf den Kerbs auf. Er sprang einfach zurück auf die Strecke und deshalb musste ich neben die Fahrbahn", illustrierte er seine Sicht der Dinge. Ob ihm das Anrecht auf die Position einräumt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Die Stewards hatten schon eine Untersuchung eingeläutet, die durch den von Red Bull verordneten Platztausch verworfen werden konnte.
Red-Bull-Teamchef überzeugt: Entscheidung war richtig
Dass Verstappen dabei die späteren Siegchancen durch die Finger glitten (schließlich war er ja auch vor Antonelli gewesen) wollte er nicht gelten lassen. "Wenn ich auf der Strecke geblieben wäre, dann hätte ich einen Schaden gehabt. Dann wäre der Sieg auch nicht möglich gewesen", sagte er lakonisch.
Teamchef Laurent Mekies stellte sich hinter Lambiase & Co. und verteidigte die Entscheidung: "So schmerzhaft es in diesem Moment sein mag, ich denke, die Jungs an der Boxenmauer haben einen guten Job erledigt, die Situation sachlich analysiert und eine starke Entscheidung getroffen. Ich denke, es wäre sehr unwahrscheinlich gewesen, keine Strafe zu bekommen."
Hamilton-Bremsen machen Formel-1-Streit obsolet
Verstappen ist sich da nicht so sicher. Er verwies im ORF-Interview etwas trotzig auf das Team: "Keine Ahnung. Wenn sie sagen, dass ich das machen soll, dann muss ich das machen." Der Fall Hamilton erledigte sich ohnehin wenig Umläufe später. Bereits bevor Verstappen ihn vorbeigelassen hatte, strauchelte der Ferrari-Pilot erstmals mit seiner Bremse.
Just in der Runde nach dem Platztausch, im vierten Umlauf, setzten diese dann in Kurve 1 endgültig aus und Hamilton fuhr geradeaus. Danach machte er langsam und ließ seinen einstigen Titelrivalen ziehen. Eine Situation, die Verstappen angestachelt von der Vorgeschichte erneut auf die Palme brachte: "Muss er mir jetzt die Position überlassen? So ein f***ing Bullshit. Das ist Mickey-Mouse-Racing." Dass es schlichtweg an einem Bremsdefekt lag, wusste Verstappen wohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht...



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