Wer hätte das gedacht? Als die MotoGP vor dreieinhalb Monaten zum letzten Mal aus Italien abreiste, hatte Marc Marquez gerade sein Comeback nach Schulter- und Fuß-Operation gegeben. Die Weltmeisterschaft schien gelaufen, ganze 102 Punkte fehlten ihm nach Mugello auf den Führenden Marco Bezzecchi. Nur 105 Tage und sieben Grands Prix später grüßt Marquez nun aber selbst von ganz oben. Sein vierter MotoGP-Sieg in Serie (zwei Sprints und zwei Grand Prix) hat ihm am Sonntag erstmals im Jahr 2026 die WM-Führung eingebracht. Fliegt der Spanier nun also doch noch unaufhaltsam zur Titelverteidigung? Die Brust scheint beim 33-Jährigen jedenfalls so breit wie schon lange nicht mehr.

"Ich hatte damals nicht an die Weltmeisterschaft gedacht", blickte Marquez am Sonntag auf jenen 31. Mai in Mugello zurück, als er sein Comeback gerade auf Platz sieben beendet hatte. "Sie war ohnehin nicht mehr in meinen Händen", begründete er. Doch dann die unglaubliche Entwicklung der letzten Monate: "Unsere Kontrahenten haben uns Geschenke gemacht. Und als ich gemerkt habe, dass diese Geschenke sehr gut schmecken, habe ich einfach versucht, das Maximum aus mir, dem Motorrad und dem Team herauszuholen."

Marc Marquez verrät: Nach Schultergeständnis endlich wieder frei!

Genau das gelang zuletzt eindrucksvoll: Marquez gewann neun der letzten 14 MotoGP-Rennen, während Jorge Martin nur im Silverstone-Sprint siegte und Marco Bezzecchi völlig erfolglos blieb. Kein Wunder also, dass ihr einst massiver Vorsprung in der Weltmeisterschaft binnen nur sieben Grands Prix dahingeschmolzen ist. Doch um die Zahlen kümmerte sich Marquez am Sonntag wenig. Ihm bedeutete etwas anderes viel, viel mehr: "Das Wichtigste ist für mich, dass ich mich jetzt wieder frei fühle."

Wie der MotoGP-Superstar das genau meinte? "Der Sieg in Aragon hat mir einen Boost gegeben. Und das, was in der Woche danach passiert ist, hat mir Selbstvertrauen verschafft, mir wieder die richtige mentale Einstellung verpasst", begründete Marquez. In den Tagen nach dem Aragon-GP hatte er auf Social Media ein Bild seiner lädierten rechten Schulter gepostet, um den Spekulationen der letzten Monate über seinen tatsächlichen körperlichen Zustand ein Ende zu verschaffen. Diese hatten ihn offenbar mehr belastet als bislang bekannt. Mit der Veröffentlichung des Bildes wurde das erhoffte Ziel aber erreicht: "Ich fühle mich jetzt frei. Ich werde mein Bestes geben mit dem, was ich habe. Ich werde versuchen, jede Woche das Maximum rauszuholen. Natürlich können dabei Fehler passieren, denn ich bin menschlich. Aber ich muss von mir selbst überzeugt sein."

Marc Marquez zeigt kaputte Schulter: Warum gerade jetzt? (10:16 Min.)

Beim enttäuschenden Wochenende in Silverstone war das möglicherweise nicht der Fall. Er verlangte Dinge von seinem Körper, die dieser nicht liefern konnte. Doch nun scheint Marquez wieder mit sich im Reinen. "Es ist nicht immer leicht, bestimmte Entscheidungen zu treffen. Im FP1 nicht zu pushen zum Beispiel, oder im Warm Up nur wenige Runden zu fahren. Wenn die anderen viel fahren, willst du auch fahren. Du denkst, dass du sonst Zeit verlierst. Aber ich muss die Wochenenden jetzt eben auf andere Art und Weise angehen", unterstrich der Ducati-Pilot seinen Taktikwechsel, der bereits in Aragon erfolgreich zur Anwendung kam.

Marc Marquez war schon im Motorland nicht zu stoppen, Foto: MotoGP Press
Marc Marquez war schon im Motorland nicht zu stoppen, Foto: MotoGP Press

Alex Marquez droht MotoGP-Rivalen: Marc kann noch besser fahren!

Es ist Energiemanagement gefragt, Marquez kann nicht mehr vom 1. Freien Training an bis zum Fallen der Zielflagge am Sonntag durchpushen. Aber das braucht es auch gar nicht, wie er am Sonntag eindrucksvoll aufzeigte. Er nahm zu Beginn Tempo raus und wurde deshalb von Martin überholt. Als dieser begann einzubrechen, zog Marquez aber wieder an und verwaltete seinen Vorsprung gegenüber Bruder Alex anschließend ohne Probleme. Die Worte des Zweitplatzierten lesen sich daher wie eine Drohung: "Marc kann noch besser fahren. Er ist heute kein Risiko eingegangen. Er gibt nur in ein paar Runden 100 Prozent und spielt danach mit uns."

Was meint ihr: Ist Marc Marquez im Saisonendspurt noch zu stoppen oder rast der Spanier mit breiter Brust nun unaufhaltsam zur Titelverteidigung? Sagt es uns in den Kommentaren! Warum Marco Bezzecchi am Sonntag nur wenig Gegenwehr leisten konnte, erfahrt ihr derweil von Tobias in diesem Artikel: