Für Kimi Antonelli begann das Formel 1-Wochenende in Baku am Donnerstag auf dem falschen Fuß. Der WM-Leader wurde im ersten Training von einem technischen Problem lahmgelegt und verpasste im Zuge dessen auch einen Großteil der zweiten Session. Er schaffte dadurch nur das halbe Pensum von Mercedes-Teamkollege George Russell, der an der Spitze nahezu außer Konkurrenz den Ton angab. Antonelli sieht die Lage dennoch entspannt.

"Eigentlich wollte ich, dass sie noch mehr löschen. Leider hatte ich ein bisschen Feuer gefangen", erklärt Antonelli, der im FP1 nur neun Runden schaffte, bevor er seinen Mercedes im Notausgang von Kurve 7 abstellen musste. Ein Hydraulik-Defekt hatte den Brand ausgelöst, woraufhin die pflichtbewussten Streckenposten mit dem Feuerlöscher nicht sparsam umgingen.

"Zum Glück ist dabei nicht allzu viel kaputtgegangen", so Antonelli, dessen Motor dabei keinen Schaden nahm, aber trotzdem gewechselt werden musste. "Wir arbeiten noch daran, genau zu verstehen, was das Problem verursacht hat. Das Team hat jedoch sehr gute Arbeit bei der Untersuchung geleistet, und vorsichtshalber haben wir die Power Unit gewechselt, um wieder auf die Strecke gehen und noch einige wertvolle Runden absolvieren zu können."

Der Grund für den Wechsel war dabei nicht einmal der Defekt. Infolge der Verunreinigungen durch die Löscharbeiten musste Mercedes für das zweite Training eine andere Power Unit aus dem Pool verbauen. Etwas, das Antonelli in seinem Tatendrang so nicht hatte absehen können: "Ich habe sie [Streckenposten] noch dazu aufgefordert [mehr zu löschen]. Sie haben getan, was sie konnten."

Kimi Antonelli leidet in Baku doppelt unter Mercedes-Defekt

In der zweieinhalbstündigen Pause zwischen den Sessions konnten die Mechaniker den Motorwechsel nicht abschließen. Zum Start des FP2 war Antonelli damit zum Zuschauen verdammt. Als das Auto so gut wie fertig war, crashte Arvid Lindblad 18 Minuten in die Session hinein seinen Racing Bulls. Die darauffolgende zehnminütige Unterbrechung kostete Antonelli dann weitere Zeit. Bei Wiederaufnahme der Session konnte er mit den anderen Fahrern zusammen endlich auf die Strecke gehen.

"Ich habe im FP1 natürlich einige Runden verloren und dann auch noch das halbe FP2 verpasst. Das ist nie ideal, besonders auf einem Stadtkurs", sagt Antonelli. Zum Trainingsauftakt am 15. von 23 Rennwochenenden spulte er auf dem 6,003 Kilometer langen Baku City Circuit schlussendlich nur 25 Runden ab. Im ersten Training landete er auf Platz fünf, fast neun Zehntel über der Bestzeit von George Russell.

George Russell rechnet noch mit mehr Konkurrenz

Der Brite kam am Donnerstag auf insgesamt 48 Runden und fuhr auch am Nachmittag die schnellste Rundenzeit. Mit 1:43.347 Minuten war er dabei ganze zwei Sekunden schneller als im FP1. Für Antonelli reichte es nach 16 Runden im FP2 aber immerhin noch zu Platz zwei, eine halbe Sekunde hinter Russell. "Wir haben das herausgeholt, was noch drin war", so Antonelli, der trotz des Rückstands gelassen bleibt. "Insgesamt fühle ich mich okay. Wir haben es gut gerettet, ich fühlte mich im Auto gut. Es gibt natürlich einige Dinge, an denen wir arbeiten müssen, aber ich freue mich auf morgen."

Für George Russell sieht es momentan nach einem Spaziergang aus, doch der 28-Jährige rechnet nicht mit einem Durchmarsch: "Auf eine Runde fühlte sich das Auto konkurrenzfähig an, und unsere Rennpace scheint sehr eng mit McLaren und Red Bull zusammenzuliegen. Ich bin mir sicher, dass die Abstände im Qualifying morgen noch weiter schrumpfen werden, daher gibt es über Nacht noch einiges zu tun."

Die Daten des momentanen WM-Zweiten sind für die Mercedes-Ingenieure nach den Problemen bei Antonelli die einzigen richtigen Anhaltspunkte. "George's Auto lief durchgehend zuverlässig. Er hat beide Sessions angeführt und zudem einen produktiven Longrun absolviert", erklärt Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin. Er stapelt ebenfalls tief: "Wir gehen nicht davon aus, dass die Abstände von heute das tatsächliche Kräfteverhältnis widerspiegeln. Einige unserer Konkurrenten haben bei ihren Runs auf den weichen Reifen Zeit liegen lassen."