Die Pleite von McLaren beim Formel-1-Rennen in Baku wird von den scharfen Aussagen von Lando Norris gegen Franco Colapinto überschattet, nachdem der Alpine-Pilot ihn beim Restart aus dem Rennen gecrasht hatte. Doch eigentlich war es nur die Spitze des Eisbergs in einem Grand Prix, der für McLaren vollends in die Hose ging. Und im Gegensatz zum Unfall müssen sich mindestens einen Teil davon wohl oder übel die beiden Fahrer selbst anlasten.
Dabei erwies sich die erste Kurve als Endgegner sowohl für Norris als auch für Oscar Piastri. Beide schenkten mit einem Verbremser in Turn 1 wichtige Positionen her. Norris erwischte es mit seinem Ausflug in die Auslauftasche schon in Runde 30, was ihn von P7 auf die neunte Position zurückwarf. Ob er dabei ein Opfer der in dieser Rennphase stärker einsetzenden Windböen wurde, ist unklar. Aus den Telemetriedaten lässt sich ablesen, dass er weder später vom Gas ging noch später bremste als in den vorherigen Runden. Am Eingang der Kurve hatte er trotzdem eine höhere Geschwindigkeit.
Glück im Unglück hatte Norris, dass er einerseits nur zwei Positionen verlor und andererseits die anschließende Safety-Car-Phase günstig für den notwendigen Reifenwechsel fiel. Pech war, was dann nach dem Restart folgte. Aber das ist ein anderes Thema, hier könnt ihr mehr dazu nachlesen:
Oscar Piastri nach verschenkter Podiumschance baff: "Habe nichts Spektakuläres gemacht"
Auf der anderen Seite stand noch Oscar Piastri, der sich am Start Platz 2 geschnappt hatte und für den Großteil des Rennens auf Kurs zu einem Podium lag. Im ersten Stint konnte er mit den besseren weichen Reifen die eigentlich schnelleren Red Bulls in Schach halten, danach begannen die Probleme. Beim Restart wurde Piastri von Max Verstappen überholt, der diesmal die besseren Reifen hatte, und begab sich anschließend in einen Abwehrkampf gegen Isack Hadjar, den er mit seinem Verbremser und dem anschließenden Ausflug in die Auslaufzone in Runde 40 jäh beendete, als er versuchte in Kurve 1 innen gegen den Franzosen abzudecken.
Da das Feld zu diesem Zeitpunkt eng zusammengezogen war, erübrigten sich damit alle Chancen, nochmal in die Punkte zurückzugelangen. Piastri verstand nach dem Rennen die Welt nicht mehr: "Es war komisch, dass beide Vorderreifen gleichzeitig sofort blockierten. Ich denke nicht, dass ich etwas Spektakuläres gemacht hatte."
"Natürlich war ich auf einer anderen Linie als normalerweise. Ich weiß nicht, ob die Straße etwas abfällt, aber es kam für mich mit Sicherheit überraschend", rätselte Piastri weiter. Ohne den Ausrutscher wäre Platz 4 möglich gewesen, kalkuliert er. Bis dahin hatte der Australier eines seiner besten Wochenenden der laufenden Formel-1-Saison abgeliefert und Norris sowohl im Qualifying als auch im Rennverlauf klar abgehängt. Dabei darf man natürlich die Motorprobleme des Briten nicht vergessen. Denn diese übertrugen sich nach dem Qualifying auch ins Rennen.
Lando Norris hadert erneut mit dem Motor: Kein Speed, Qualifying-Problem noch vorhanden
Schon am Freitag hatte sich Norris über mangelnde Leistung auf den Geraden beschwert, vor allem auch im Vergleich zu Teamkollege Oscar Piastri. McLaren führte das auf ein Problem mit der Benzineinspritzung zurück. Das bekam McLaren auch im Rennen nicht abgestellt. "Wir sahen gelegentlich das gleiche Problem während des Rennens, auch wenn es nicht so systematisch wie im Qualifying auftrat. Es trat eher abschnittsweise auf", sagte Teamchef Andrea Stella.
Norris sah deshalb wenig Schuld bei sich selbst. "Ich hatte keine Chance da draußen mit dem Speed, den ich hatte. Der Speed, mit dem sie manchmal an mir vorbeigingen, war unmöglich. Es war eine unmögliche Aufgabe heute da draußen", lautete sein Fazit. Stellenweise habe man dasselbe Problem aber auch am Auto von Piastri festgestellt, entkräftete der Teamleiter diese Ausrede zum Teil.
Schon bis zu seinem Fehler hatte es Norris nicht geschafft, die Pace der Top-6 mitzugehen und die Motorschwäche sei da nur eine Ursache dafür gewesen. "Bei Lando hatten wir ein paar Probleme mit dem Power-Unit-Deployment und Lando zeigte auch ein paar Inkonsistenzen in seiner Fahrweise", meldete Stella leise Kritik an seinem Weltmeister-Fahrer an. "Als er von Hamilton überholt wurde, hatte er einen Lock-Up und er machte ein paar Fehler, die zur Folge hatten, dass die Autos hinter ihm in Reichweite kamen und wir hatten Probleme zu verteidigen", verwies Stella wiederum auf die Topspeed-Schwäche.



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