Austin war nicht das Wochenende von Audi. Nach der Enttäuschung im Qualifying folgte für Nico Hülkenberg ein doppelt frustrierendes Rennen. Doppelt frustrierend, weil er auf den ersten Metern ein fatales Problem erlitt - und dann die starke, augenscheinlich punktefähige Pace stattdessen für eine unbelohnte Comeback-Fahrt verheizen musste.

Nachdem Hülkenberg Q3 am Samstag verpasst hatte, war mit Startplatz 11 im Rennen eigentlich immer noch einiges möglich gewesen. Davon wäre man bei Audi auch ausgegangen, doch Hülkenbergs Start ging nach einer Sekunde in einer durchaus seltsamen Szene den Bach runter.

Ungewöhnliches Start-Problem bremst Nico Hülkenberg aus

Angefahren war er eigentlich gut. Dann plötzlich stockte der Audi: "Ich bin in Anti-Stall gefallen, aber nicht sofort, sehr spät. Da hatte ich schon ein paar Meter gefahren. Das fühlte sich etwas komisch an. Müssen wir noch einmal zurückgehen und checken, was da schiefgelaufen ist."

Das Anti-Stall-System greift mit einem automatischen Wechsel in den Leerlauf bei einem Formel-1-Auto eigentlich nur dann ein, wenn die Drehzahl so tief fällt, dass der Motor droht abzusterben. Bei Hülkenbergs Start schien das aber nicht der Fall. Er hielt seine Drehzahl vor dem Ausgehen der Startampel konstant, dann fuhr er an, und in der ersten Sekunde klang alles normal, Drehzahl war da, Vortrieb war da.

Dann sprang das Auto plötzlich ganz kurz in den Anti-Stall-Modus, obwohl der Motor offensichtlich nicht Gefahr lief, abzusterben. Hülkenberg verlor kurz allen Vortrieb und wurde aufgefressen. Fünf Plätze verlor er auf der ersten Runde, auf dem 16. Rang kam er aus ihr zurück.

Nico Hülkenberg liefert sehenswerte Comeback-Fahrt in Austin

"Dann waren wir im Hintertreffen", ärgert sich Hülkenberg. In seinem ersten Stint musste er nun die Reifen hart rannehmen, um zwei Williams und einen Haas zu überholen, und nach seinem einzigen Stopp in Runde 29 musste er noch einen weiteren Haas und einen Racing Bull niederkämpfen, um überhaupt wieder auf den ursprünglichen elften Platz zurückzukommen.

Dass Hülkenberg es trotzdem schaffte, mit seinen Soft-Startreifen trotz der anhaltenden Kämpfe in verwirbelter Luft bis Runde 29 zu fahren, zeigt nun schon die gute Rennpace des Audi. Dass er dann stoppte, war auch nur den Renn-Umständen geschuldet, hält Audi-Rennleiter Allan McNish fest: "Wir hätten mit dem Soft noch länger durchhalten können."

Hülkenberg fuhr vor seinem Stopp zeitweise sogar schneller als Liam Lawson und Pierre Gasly vor ihm, jene beiden Fahrer, die am Ende die letzten Punkte holen sollten. Aber als Hülkenberg in Runde 40 endlich freie Fahrt zwischen sich und Gasly hatte, war die Lücke aufgrund der permanenten Zweikämpfe des Audi-Piloten auf neun Sekunden angewachsen.

Start & Strafen ruinieren Audi im Kampf um Formel-1-Punkte

Nur zwei Sekunden davon konnte Hülkenberg bis ins Ziel aufholen: "Ich denke, unsere Pace war ähnlich. Wenn du aber acht bis zehn Sekunden dahinter liegst und die gleichen Zeiten fährst, dann wird die Lücke gleich bleiben. Und diese Lücke war eben ein Resultat der üblen ersten Runde." Teamkollege Gabriel Bortoleto war wegen seiner Motorstrafe sowieso von ganz hinten losgefahren und daher in einer ähnlichen misslichen Lage gefangen. Er wurde nur 13.

Wäre das Wochenende bei beiden Fahrern ohne Strafen und Probleme abgelaufen, so war für McNish ein Kampf mit Alpine und den Racing Bulls um Punkte absolut möglich: "Wenn du dir die Leistung anschaust, und wie es uns mit den Reifen ging, dann war das absolut möglich. Wir haben unser Timing hinbekommen, unsere Defensive, unsere Attacken auf strategischer Seite. Es war klar, dass wir die Pace hatten, und strategische Optionen."

So aber kann Audi nichts Zählbares aus Austin mitnehmen. Immerhin stimmt die starke Rennpace McNish optimistisch für die nächsten Rennen: "Wir wissen schon lange, dass wir im Rennen stark sind, besonders wenn es heiß ist und schwierig für die Reifen. Ich war also nicht wirklich überrascht, aber doch positiv überrascht, wie viel wir in der Hinterhand hatten."

"Wir haben hier auch Updates gebracht, und die haben das geliefert, was wir wollten", unterstreicht McNish. "Positiv war auch, dass beide Autos sich durch das Feld kämpfen konnten, rein in Kurve 1 überholen und davonfahren konnten. Negativ war, dass einer aus der letzten Reihe startete und der andere ein Anti-Stall-Problem hatte. Von der ersten Kurve an mussten wir uns zurückkämpfen. Speed, Racing, das Operative, alles war gut. Sie haben das Maximum erreicht, was sie konnten."

Wie gut waren die Audi-Piloten also an diesem Wochenende - und wie gut war ihre Konkurrenz? Jetzt alle Fahrer hier im Voting für das MSM-Ranking benoten: