Platz drei, das zehnte Formel-1-Podium in Folge – und trotzdem jede Menge Frust bei Max Verstappen. Nach dem USA-GP in Austin hatte der vierfache Weltmeister wenig Grund zur Freude. "Ich bin ziemlich frustriert, um ehrlich zu sein", erklärte er in der Pressekonferenz. "Es war gar kein gutes Rennen für uns."

Dabei machte Verstappen, der nach dem USA-GP zum ersten Mal seit 2020 keine Chance auf die Fahrer-WM mehr hat, nicht nur ein einzelnes Problem für ein verpasstes besseres Ergebnis verantwortlich. Vom Start über die Reifenstrategie bis hin zur Power Unit lief bei Red Bull einiges schief. Insgesamt sieben Probleme trübten seine Stimmung – auch wenn ihn eines davon wohl nicht den Sieg kostete.

Red Bull wieder mit schlechtem Start: "Konstant sch…"

Das erste Problem begann bereits beim Start. Wie so oft kam der Red Bull nicht besonders gut von der Linie. Während Kimi Antonelli und die Ferrari-Piloten starke Starts erwischten, hatte Verstappen trotz der weicheren Reifenmischung Schwierigkeiten. In den ersten Kurven musste er sich gegen Charles Leclerc und Lewis Hamilton behaupten.

"Ich habe keine Positionen verloren, also war es nicht so schrecklich", erklärte Verstappen. Nach seinen wiederholten Startproblemen in dieser Saison schien sich der Niederländer mit der Situation bereits abgefunden zu haben: "Mein Start war normal. Einfach konstant sch…" Das letzte Wort verkniff er sich, um keine Strafe für unangemessene Sprache zu riskieren.

Doch der Start war nur der Anfang. Auch die Reifen bereiteten Red Bull Probleme. "Aus irgendeinem Grund hat die weichste Mischung heute nicht so gut funktioniert, wie wir das erwartet hatten", grübelte Verstappen.

Teamchef Laurent Mekies bestätigte: "Wir hatten bei Max einen sehr hohen Verschleiß auf dem Soft-Reifen." Besonders bitter: Red Bull hatte eigens zwei frische Sätze der weichsten Mischung für das Rennen aufgespart und diese auch benutzt. Eine Entscheidung, die sich auch auf das dritte Problem auswirkte – die Strategie.

Falsche Reifenwahl, schlechte Strategie: Red Bull in die Irre geführt

Ein Stopp oder zwei? Diese Entscheidung war beim USA-GP entscheidend. Red Bull setzte auf zwei Reifenwechsel und holte Verstappen bereits in Runde 14 an die Box. Dort bekam er erneut Soft-Reifen. Der Niederländer fiel ans Ende der Spitzengruppe zurück und musste sich wieder nach vorne kämpfen.

Dabei sorgte auch sein Teamkollege für Frust. Isack Hadjar ließ ihn nämlich nicht auf der Geraden vor Kurve zwölf vorbei, sondern erst in Kurve 15. "Danke, Leute. Richtig gute Strategie, in der aufgewirbelten Luft festzustecken", beschwerte er sich sarkastisch am Funk und fügte noch ein Schimpfwort als Verdeutlichung hinzu.

Währenddessen zeigte die Konkurrenz, dass die härteste Reifenmischung sehr konkurrenzfähig war. Kimi Antonelli wechselte in Runde 25 auf Hard und verfolgte eine Ein-Stopp-Strategie. Verstappens Undercut-Versuch blieb damit wirkungslos. Auch Leclerc kam auf den harten Reifen gut zurecht.

Austin-Frust! Alonso teilt heftig gegen Albon & Williams aus (09:57 Min.)

"An einem Punkt wurde es klar, dass die Leute auf dem Hard viel Grip gefunden haben. Darauf haben wir aber gar nicht reagiert", kritisiert Verstappen. Das Team hätte sich zu sehr auf die Erfahrungen der letzten Rennen verlassen, in denen die weicheren Mischungen die schnellere Wahl waren. "Das hat offensichtlich nicht funktioniert", kommentiert er trocken. Fairerweise muss man sagen, dass Verstappen der Erste an der Box war und kein Team wusste, dass der Hard so gut sein würde.

Aber die Abfolge Soft-Soft-Medium war definitiv ein Fehler, der Verstappen unzufrieden stimmte. "Die Reifenwahl war falsch. Wenn wir andere Reifen gewählt hätten, wäre ich wahrscheinlich Zweiter geworden. Die Strategie war einfach nicht gut. Wir müssen analysieren, warum die anderen Mischungen besser performt haben, als wir erwartet hatten." Doch nicht nur die Strategie kostete Zeit. Beim zweiten Reifenwechsel kam das vierte Problem hinzu: ein langsamer Boxenstopp.

Langsamer Boxenstopp + Probleme mit der Power Unit

Als Verstappen in Runde 32 auf Medium-Reifen wechselte, gab es vorne rechts Probleme. Die Standzeit betrug 3,9 Sekunden. "Das hilft halt nicht und tut deiner Performance weh", ärgert sich Verstappen, "weil das einfach Sekunden sind, die du wegschmeißt."

Sekunden, die er im Kampf um Platz zwei hätte gebrauchen können. Gegen Rennende waren Charles Leclerc und Lewis Hamilton auf harten Reifen deutlich schneller als Verstappen auf seinen abgefahrenen Mediums. Leclerc zog problemlos vorbei, während ein spätes virtuelles Safety Car Verstappen vor einem weiteren Positionsverlust gegen Lewis Hamilton bewahrte.

Doch selbst ohne die Probleme beim Reifenwechsel hatte Red Bull Schwierigkeiten. Auch die Power Unit bereitete Verstappen Sorgen. "Sie hat sich sehr inkonstant verhalten. In jeder Runde, in jeder Kurve, hat sie andere Sachen gemacht. So kannst du keinen Rhythmus aufbauen, nicht am Limit fahren und dein Bestes geben. Das kostet dich günstige Rundenzeit."

Hinzu kam das sechste Problem: Dem RB22 fehlte schlicht die Pace. "Wir hatten die Pace von Kimi nicht. Wir hatten keine Chance, mit ihm zu kämpfen", räumte Mekies ein. Verstappen führte die mangelnde Konkurrenzfähigkeit auf die Fahrzeugbalance zurück: "Wir sind zu ausbalanciert. Wir sind nicht die Schnellsten in Highspeed-Kurven, aber auch nicht die Schnellsten in den langsamen. Hier in Austin musst du in einem dieser Bereiche der Beste sein. Wenn du das überhaupt nicht bist, dann bist du nur durchschnittlich. Wir waren im Rennen einfach durchschnittlich."

Funk-Fiasko geht weiter: Kommunikation bald mit Handzeichen?

Das letzte Problem dürfte Verstappen zwar nicht den Sieg gekostet haben, sorgte aber für zusätzliche Frustration: Wieder einmal funktionierte der Funk nicht richtig. Bereits beim Rennen in Singapur hatten sich Verstappen und Renningenieur GianPiero Lambiase zeitweise nicht verständigen können. In Austin traten erneut Kommunikationsstörungen auf. Das ist tatsächlich ein gängiges Problem bei Red Bull, wie Verstappen gesteht: "Ich weiß gar nicht, zum wievielten Mal das in diesem Jahr passiert. Es ist ein Desaster und so frustrierend."

"Es macht jedem das Leben schwer, aber es ist nicht so leicht", gibt Mekies zu. "Wenn wir es verstehen würden, hätten wir es schon gelöst." Verstappen hätte jedenfalls einen Lösungsansatz parat: "Vielleicht sollten wir anfangen, in Gebärdensprache zu kommunizieren. Das wäre auch günstiger." Damit war die Liste der Probleme komplett. Trotz Platz drei sah Verstappen erheblichen Verbesserungsbedarf: "Viele Dinge haben nicht funktioniert. Wir haben nicht das Maximum herausgeholt." Das weiß auch der Teamchef: "Wir hatten noch mehr Pace im Auto, die wir wegen der vielen Probleme nicht zeigen konnten."

Erste Runde gegen Leclerc: Verstappens einzige Freude in Austin

Bei all dem Frust gab es für Verstappen immerhin einen Lichtblick: sein Duell mit Charles Leclerc in der ersten Runde. Die beiden ehemaligen Kart-Rivalen lieferten sich in Austin einen sehenswerten Zweikampf. "Charles hat von Kurve zwei bis drei den Boost verwendet und hat mich außen überholt. Das war ein echt gutes Manöver", lobt Verstappen den Ferrari-Piloten.

Der Niederländer stellte sich darauf ein, eine Zeit lang im Heck der SF-26 zu verbringen. Doch in Kurve 15 bot sich die Gelegenheit zur Konter. Verstappen täuschte ein Manöver auf der Außenseite an, Leclerc verteidigte – und der Red-Bull-Pilot wechselte blitzschnell nach innen. Antonelli konnte sich währenddessen von den beiden absetzen. Doch das tat der Freude über das kleine Gefecht keinen Abbruch.

"Das war echt gutes Racing", schwärmte Verstappen. "Es ist schön, wenn wir so ein Duell haben können. Das hat Kimi zwar einen Vorsprung verschafft, aber das ist in Ordnung." Leclerc sah es genauso: "Das hat echt Spaß gemacht!"

Kimi Antonelli hat das Formel-1-Rennen in den USA 2026 gewonnen - aber war ein anderer Fahrer in Austin besser? Jetzt alle F1-Piloten für das Fahrer-Ranking bewerten!