Es mag kaum vorstellbar sein, doch es geht selbst im 19. Rennen noch tiefer für Aston Martin und Honda. Das Mexiko-Wochenende markiert einen neuen Tiefpunkt für den viel gescholtenen Formel-1-Motor der Japaner. Am Limit hielt er nämlich nicht einmal fünf Runde, ja, eigentlich hielt er nicht einmal die Einführungsrunde bis zum ersten Problem.

Honda-Einsatzleiter Shintaro Orihara muss nach dem Rennen schlicht eingestehen, dass der Kühlkreislauf des ERS-Systems auf zwei Kilometern Seehöhe nicht mehr richtig funktionierte: "Unter spezifischen Umständen war der Stress auf dieser Strecke zu hoch, und dann bleibt das Auto stehen. Das geht auf die Höhenlage zurück."

"In 80 oder 90 Prozent der Fälle ist es in Ordnung", versichert Orihara. Deshalb hatte der Aston Martin in den Trainings gut ausgesehen, auf jeden Fall wie ein Auto, dass sich Startplätze knapp außerhalb der Top-10 hätte holen und vielleicht sogar um Punkte kämpfen hätte können. Dann wurde im Qualifying der schärfste Modus aktiviert, und das ERS-Kühlsystem spielte nicht mehr mit.

Völliges Motor-Debakel für Aston Martin im Qualifying und Rennen

Fernando Alonso rollte im Qualifying nach vier Runden aus, Lance Stroll schaffte wenigstens zehn. Dass Alonsos Wasserpumpe und MGU-K über Nacht getauscht wurden, und Stroll gleich die ganze Power Unit wechselte, half nichts. Im Rennen schien schon die Formationsrunde bei langsamem Tempo zu viel für den Motor. In einer absurden Szene waren Alonso und Stroll am eigentlichen Start nicht in der Lage, regulär anzufahren, sondern rollten bloß aus ihren Startboxen.

"Keine Leistung", bestätigt Alonso nach dem Rennen. Das Leiden sollte nicht viel länger dauern. Kurz kam das Auto in Fahrt, dann wurden beide Piloten in Runde drei zu einem völlig unlogischen Reifenwechsel von Soft auf Soft gerufen. "Ich denke, sie waren da schon besorgt, und als ich Lance auch kommen sah wusste ich, dass es ein geteiltes Problem war", meint Alonso.

Lance Stroll am Sonntag bei der Formel 1 in Mexiko mit Defekt
Lance Strolls Rennen endete mit Defekt auf der Strecke, Foto: IMAGO / PsnewZ

Nach Runde fünf wurde Alonso zur Kapitulation an die Garage beordert. Die ERS-Kühlung stand kurz vor dem Kollaps. Stroll rollte keine halbe Minute später draußen auf der Strecke aus. "Die Herausforderungen mit der Höhenlage wurden wohl von der Power-Unit-Seite unterschätzt", zeigt ein frustrierter Alonso mit dem Finger auf Honda. "Im Moment der Wahrheit im Qualifying und Rennen schaffen wir keine Runden. Aber das ist Teil des Lernprozesses, hoffentlich nehmen wir die harte Lektion heute mit."

Aston-Martin-Motivation leidet nach Mexiko-Misere immer mehr

Nicht, dass sich der Motor davor in den Trainings ausgezeichnet hätte. Trotz guter Ergebnisse haderten die Fahrer wie schon vorab befürchtet mit der Fahrbarkeit. Auf der Bremse schob das Auto mal, dann verzögerte es unverhältnismäßig. Alles Probleme, die schon seit Wochen immer wieder auftreten. Auch dem Honda-Turbo bekam die Höhenluft nicht.

Fernando Alonso am Samstag bei der Formel 1 in Mexiko
Alonso bei einem Ausritt in der ersten Kurve, Foto: IMAGO / Every Second Media

"In 90 Prozent der Fälle können wir das Turboloch kontrollieren, aber unter bestimmten Umständen können wir sehen, dass es eine Schwäche für uns ist", meint Orihara. Die problemverseuchten letzten Rennen zehren inzwischen an allen, räumt Teamvertreter Mike Krack ein: "Es ist für alle schwierig, in solchen Situationen die Motivation hochzuhalten."

"Jeder gibt sein Bestes, jeder ist motiviert, sich zu verbessern", versichert Krack und bemüht Optimismus für die nächste Woche in Brasilien: "Dort waren wir immer stark, also sind wir motiviert. Wir reisen nicht mit gesenktem Kopf dorthin."