Dass es mit den Titelhoffnungen von George Russell in der Formel 1 heuer nichts wird, hatte sich schon in den letzten Monaten mit zunehmender Deutlichkeit abgezeichnet. Die endgültige Gewissheit, dass der neue Weltmeister den Namen Kimi Antonelli trägt und der anfängliche Favorit leer ausgeht, setzt aber bei diesem trotzdem noch viel Enttäuschungspotenzial frei.

In Mexiko schwänzte Russell nach der Titelentscheidung seine Medientermine, wofür Mercedes eine Geldstrafe erhielt. Dass diese gleichzeitig bei einem problembehafteten Rennen gefallen ist, das symptomatisch für seine Saison steht, kam noch dazu. Deshalb äußerte er sich in Brasilien erstmals seit dem mathematisch verbrieften Ende seiner Titelträume. "Nach Mexiko war ich vor allem enttäuscht, wie das Rennen verlaufen ist. […] Und dann war es nur ein weiteres Rennen, bei dem etwas, das außerhalb unserer Kontrolle lag, falschlief. Das war sehr schwierig zu akzeptieren", erklärte Russell.

George Russells Albtraumsaison: Nur 6 von 19 Formel-1-Rennen ohne Probleme

In Mexiko war es ein Problem mit seinem Batterie-Deployment auf der Start-Geraden, sodass seinem Auto plötzlich vor Kurve 1 die Puste ausging. Das Resultat: Er fiel von P2 auf P6 zurück. Auf dem überholfeindlichen Kurs nicht mehr gutzumachen. Derartige Probleme waren ein gängiges Muster in der Saison des Briten. Schon in Spa hatte ihm auf der ersten Runde auf der Kemmel-Geraden plötzlich die Batterieleistung gefehlt. In Japan verlor er aufgrund der Batterie quasi kampflos einen Platz und in Ungarn schickte ihn beim Start sein Motor ins Anti-Stall.

Die Power Unit war auch bei seinem kapitalen Motorschaden in Führung liegend in Kanada der Auslöser und bei seinem Ausfall kurz vor Schluss in Malaysia. Das ist nur der Anfang, die Liste von Problemen ließe sich noch erweitern. Viel weiter, ist Russell vor dem 20. GP-Wochenende der Saison überzeugt: "Ich ging letztens mit meinen Ingenieuren alle Rennen durch. Wir hatten nur sechs Rennen in dieser Saison, in denen wir kein Problem hatten." In seine Problemstatistik zählt er auch unglückliche Momente abseits der Technik dazu, wie die ungerechtfertigte Strafe für angeblich zu schnelles Fahren in der Boxengasse in Monaco.

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War das wirklich alles nur Pech?

"Also gab es 13 Rennen, in denen wir Dinge hatten, von denen wir glauben, dass es Pech war", so die Gegenrechnung. Schon allein die Formulierung dieser, zeigt, dass der aktuelle WM-Vierte langsam ins Zweifeln: "Man beginnt, tiefer zu hinterfragen, wenn es so oft passiert und das vor allem auf unserer Seite." Eine Ansage an Mercedes oder an sich selbst? Seine weiteren Aussagen lassen eher auf Zweiteres schließen.

Denn Russell macht es sich zum Auftrag für die Winterpause, seinen eigenen Beitrag zu analysieren: "Ich denke, für 2027 ist es wichtig, nicht naiv zu sein und sich auf mangelndes Glück herauszureden, warum man nicht gewonnen hat. Ich denke, man muss sich selbst gut im Spiegel anschauen und analysieren, wo man einen besseren Job hätte erledigen können."

Es müsse auch hinterfragt werden, "ob diese Probleme auch ein Resultat mangelnder Vorbereitung meinerseits sind", so Russell. Nur um seine Vermutung vorwegzunehmen: "Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Aber wir müssen das mit meinem Team durchgehen und die Dinge werden sich wieder bessern. Daran habe ich keine Zweifel."

Wie sehr die zahlreichen Probleme ihn im Titelkampf beeinträchtigt haben, will er nicht mit irgendwelchen Punktekalkulationen berechnen. "Es ist schwierig, da konkrete Zahlen zu finden, denn es geht oft um das Momentum." Dieses sei ihm schnell in der Saison genommen worden, etwa durch die ersten Technik-Problem im China-Qualifying oder in der Folge durch das schon erwähnte Japan-Problem, durch Kanada oder Monaco.

"Diese Dinge summieren sich. Wenn man sich im WM-Kampf befindet oder zumindest in Reichweite dessen, dann fühlt man sich nicht so, als ob man aufholen muss." Bei ihm sei das eben relativ schnell nicht mehr der Fall gewesen, überlegt Russell: "Vielleicht hat das dazu beigetragen, dass ich das Auto überfahren habe und zu viel gewollt habe." Er plant aber nicht, darauf eine Antwort zu finden, sondern will seinen Fokus auf den Blick nach vorne legen.