Nicht nur der vorzeitige Titelgewinn vier Rennen vor Schluss zeigt, wie stark Kimi Antonelli in seiner zweiten Formel-1-Saison unterwegs war. Mercedes-Teamkollege George Russell war er, anders als im Vorjahr, üblicherweise mindestens ebenbürtig, meist war er sogar schneller. Einfach davon zu sprechen, dass die neue Formel-1-Generation ihm besser liege, ist für Antonelli jedoch zu einfach.

Über den Fahrstil-Unterschied zwischen den beiden wurde in den letzten Monaten viel philosophiert. Unter anderem auch von Russell selbst, der zuletzt festhielt, dass sein Stil mit aggressivem Beschleunigen raus aus Kurven mit den neuen Power Units schlichtweg Nachteile mit sich brachte, etwa beim Energie-Management.

Antonellis natürlichem Ansatz mit späterem Beschleunigen mögen die neuen Regeln nun entgegenkommen. Automatisch war aber auch für ihn dieses Jahr nichts, stellt er in Brasilien klar: "Das Auto war sehr anders als im Vorjahr. Also musste ich meinen Ansatz etwas anpassen. Auf manchen Strecken konntest du normal fahren, auf anderen musstest du etwas mehr nachdenken."

Kimi Antonelli erklärt: So habe ich mich auf meine WM-Saison vorbereitet

"Während der Winterpause versuchte ich immer, erst so natürlich wie möglich zu fahren, um dann zu schauen, wie die Power Unit darauf reagierte, und mich dann anzupassen", beschreibt Antonelli seinen Prozess. "Es war jetzt nicht einfach für mich, weil es auch für mich so eine große Änderung war."

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"Für mich ist es immer noch auf manchen Strecken etwas schmerzhaft zu fahren, weil ich etwas anders machen will, aber das kann dich dann etwas einschränken", erklärt Antonelli. "Also versuche ich mich auf meiner Seite einfach so gut als möglich anzupassen und trotzdem so natürlich wie möglich zu fahren, um dann zu schauen, wie die Dinge sich entwickeln."

"Aber das sollte denke ich nächstes Jahr schon besser sein, mit weniger elektrischer Leistung und mehr vom Verbrenner, das sollte es uns allen einfacher machen", urteilt Antonelli. Die konkreten Anpassungen darauf werden ihm wieder in der Winterpause blühen. Aber auch sonst beginnt 2027 für ihn jetzt schon an diesem Wochenende in Brasilien.

Antonelli hat F1-WM 2026 noch nicht verarbeitet - und blickt schon auf 2027

"Es wird wichtig sein, die Saison gut zu beenden, stark, um Selbstvertrauen für 2027 zu haben, und ich habe das Gefühl, dass meine Vorbereitung für 2027 jetzt beginnt", meint Antonelli vor Brasilien. Das sollte jetzt einfacher sein, nachdem die WM ihm nicht mehr im Kopf herumspukt: "Definitiv werde ich jetzt auf der Strecke nicht mehr so angespannt fahren, nachdem die Meisterschaft erledigt ist, und das Fahren mehr genießen."

"Aber es ist wichtig, jetzt nicht zu entspannt zu sein", mahnt Antonelli. Um für 2027 im Rhythmus zu bleiben, und auch um 2026 die Konstrukteurs-WM mit Mercedes klarzumachen: "Wäre nett, das dieses Wochenende zu schaffen. Auf meiner Seite werde ich einfach auf Sieg gehen, und sicherstellen, dass ich mit demselben Einsatz, dem Willen, dem Hunger auf die Strecke gehe. Entspannter, ja, aber nicht zu sehr."

Den Titel wirklich feiern kann er schließlich noch im Dezember, wenn die Saison vorbei ist. Deshalb hat Antonelli es auch selbst noch nicht geschafft, sich als Weltmeister zu sehen: "Es fühlt sich immer noch surreal an. Heute hat mir das Team ein T-Shirt gegeben, das Spezial-T-Shirt, und als ich es mir angesehen habe, dachte ich: 'Wow, ist das überhaupt echt?'"

Antonelli muss sich noch bei Hamilton & Verstappen bedanken

"Deswegen brauche ich wohl noch etwas Zeit, um alles zu verarbeiten, auch weil es so ein großes und auch emotionales Event war, wo alles zugleich passiert ist", so Antonelli. Eines hat er aber schon erledigt: Sich das Bild von ihm bei der Siegerehrung auf den Schultern seiner weltmeisterlichen Vorgänger Lewis Hamilton und Max Verstappen einrahmen lassen: "Und ich werde es mir definitiv an die Wand hängen."

"Als sie mich aufgehoben haben, das war das Sahnehäubchen", meint Antonelli. "Ich bin ihnen dankbar dafür, denn zuerst einmal sind das zwei unglaubliche Fahrer in der Geschichte des Sports, und es war noch besonderer, weil es echt war, sie wollten es tun. Es war ein sehr besonderer Moment, und ich hoffe, dass ich sie bald sehe und mich bei ihnen mit etwas Abstand und Ruhe anständig bedanken kann."