Zum dritten Mal in Serie steht Lando Norris bei der Formel 1 in Brasilien auf Pole, zum zweiten Mal in drei Jahren holt er sich diese Pole in einem von starken Regenfällen bestimmtem Qualifying. Bei Norris und McLaren ist die Hoffnung danach klar: Je mehr Wasser auf der Strecke, desto weiter fährt Norris davon.
"Wäre es trocken, würde ich nicht hier sitzen!", gesteht Norris in der Pressekonferenz. "Im Trockenen hatten wir definitiv die Pace nicht." Doch als es nach einem richtigen Wolkenbruch und eineinhalb Stunden Verzögerung sogar auf dem Full-Wet-Reifen losging, war Norris sofort so richtig schnell.
Je mehr Regen, desto schneller der McLaren in Brasilien
"In Q1, mit dem vielen Wasser auf der Strecke, schienen wir sehr komfortabel, und die Zeiten kamen locker", beurteilt McLaren-Teamchef Andrea Stella danach. "Q2, mit weniger Wasser, das war schwieriger, auch für Lando, und es hat Oscar erwischt." Oscar Piastri verabschiedete sich in Q2 auf dem zwölften Platz vorzeitig, kaum dass die Strecke gut genug für Intermediates war.
Norris rettete sich auf Platz neun in Q3. Zum Glück begann es in der Pause dann erneut zu schütten. "Da waren wir wieder wettbewerbsfähiger", stellt Stella fest. "Es ist auch nicht das erste Mal, dass Lando bei solchen Bedingungen die Pole holt. Da ist er ein Meister. Auch wenn wir zugleich einräumen müssen, dass Russell in Q3 das schnellste Auto war, aber er lief auf Albon auf und konnte seine zweite Intermediate-Runde nicht beenden."
Norris aber beendet diese zweite Runde mit 1:27,470 als Schnellster. Dann war der Punkt erreicht, an dem der erneute Wolkenbruch so stark geworden war, dass keine Verbesserungen mehr möglich waren. Pole für Norris, der halb im Scherz meint: "Bei diesen Bedingungen ist es nicht immer nur das beste Auto mit dem meisten Grip, sondern auch der beste Fahrer!"
Lando Norris: Im Regen kann der Fahrer den Unterschied machen
Aber im Ernst: "Sicher, das sind Bedingungen, wo du den Unterschied machen kannst. Ich trete an gegen fähige Jungs, die auch Pole holen können, und ich habe es heute geschafft, weil ich zwei gute Runden fuhr, als es drauf ankam, weil wir eine gute Lücke auf der Strecke fanden, mit dem Team alles hinbekommen und gut gemanagt haben."
Besonders diese Q3-Runden war auf Messers Schneide gewesen: "Ich konnte da schon den stärker werdenden Regen sehen und wusste, dass die zwei Runden wohl die einzige Chance sein würden. Da bist du angespannt, du willst unbedingt pushen, aber du musst auch die Bedingungen erfassen, und darfst zugleich keinen einzigen Fehler machen."
"Q3 war definitiv am schwierigsten, auch mit dem schwächeren Licht zu sehen, wo es trockener war, wo nasser, wo die Pfützen waren, aber das befriedigt mehr", findet Norris. Der Regen soll für ihn am Sonntag bloß wiederkommen: "Dann ist das Hinterherfahren schwieriger, das Überholen auch, und wir schienen da einfach wettbewerbsfähiger. Das erhöht unsere Chancen."
Norris und McLaren sehen sich so aktuell nur in einem ernsthaften Rennen um den Sieg, solange es am Sonntag erneut regnet. "Obwohl wir das Auto verbessert haben, sind wir nicht in einer Situation, wo wir mit der besten Rennpace ins Rennen starten", meint Stella selbst im Hinblick auf die dieses Wochenende eingeführten neuen Updates. Außerdem muss Norris als Einzelkämpfer auf die Hilfe von Oscar Piastri verzichten.
McLaren nimmt Oscar Piastri nach Qualifying-Pleite in Schutz
Piastri ist nach Platz 12 im Qualifying schwer enttäuscht: "Ich denke, wir sind wohl zu spät auf die Intermediates. Da hätte ich ein oder zwei weitere Runden für mehr Temperatur gebraucht. Ein paar der Linien, die ich mit den Full Wets gefahren bin, gingen mit den Intermediates nicht." Auf seiner letzten Q2-Runde baute er rein in Kurve 12 einen fatalen Quersteher ein und verschenkte den Berg hoch eine Sekunde.
Kurz nachdem er die Ziellinie überquerte, kam dann 43 Sekunden vor Schluss eine rote Flagge und verhinderte einen zweiten Schuss. In der Theorie hätte er ohne den Fehler potenziell Kimi Antonelli den letzten Q3-Slot abluchsen können, aber hätte, wäre, wenn. Den Abbruch will Piastri nicht als Ausrede hernehmen: "Sicher, ich hätte noch eine Runde gehabt, aber alle anderen auch."
Stella nimmt seinen Fahrer nach dem Qualifying in Schutz: "Bei ihm hatten wir auch ein paar Anomalien auf der Bremse, die besonders die Hinterachse immer wieder blockieren ließen und Oscar irritiert haben. Dadurch hatte er einen falschen Eindruck vom verfügbaren Grip. Das müssen wir uns aufseiten des Autos anschauen."



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