Die Formel 1 und Spanien - das war eines ganz sicher nicht: Liebe auf den ersten Blick. Seitdem im Jahre 1913 erstmals auf spanischem Boden gefahren wurde, gab es ein Kommen und Gehen, ein Hin und ein Her - 12 der 47 in Spanien abgehaltenen Formel 1-Rennen waren keine WM-Läufe, der Spanien-Grand Prix wurde im Laufe der Geschichte auf fünf verschiedenen Rennstrecken abgehalten: Pedralbes, Montjuich, Jarama, Jerez und Catalunya.

In den frühen Siebzigerjahren wurde der Spanien-Grand Prix abwechselnd in Montjuich und Jarama abgehalten, ab dem Jahr 1976 blieb man in Jarama. Nachdem der Spanien-GP 1980 einem Politzank in der Formel 1 (FISA gegen FOCA hieß damals das Streit-Motto) zum Opfer fiel, wurde das Rennen 1981 zum letzten Mal in Jarama abgehalten. Die folgenden fünf Jahre gab es wieder einmal keinen Spanien-Grand Prix. 1986 kehrte die Königsklasse nach Spanien zurück, der Grand Prix wurde in Jerez abgehalten.

Donnelly

Nachdem jedoch Martin Donnelly im Qualifying 1990 einen katastrophalen Unfall erleben musste respektive überleben durfte, wechselte man erneut die Rennstrecke, seit 1991 wird der Grand Prix auf dem Circuit de Catalunya ausgetragen, Jerez erlebte zweimal eine Auferstehung, als 1994 und 1997 dort der Grand Prix von Europa abgehalten wurde.

Der Donnelly-Unfall - betrachtet man ein Foto von diesem Crash, stellt sich automatisch Gänsehaut ein. Donnelly schlug im Freitag-Quali 1990 mit seinem Lotus in der schnellsten Kurve von Jerez derart hart in die Leitplanken ein, dass der Wagen in zwei Teile zerrissen wurde und der Brite leblos wie eine Puppe auf der Strecke lag. Piereluigi Martini stellte seinen Minardi quer auf der Strecke ab, um den Unfallort zu sichern.

Stommelen

Der fürchterliche Donnelly-Unfall war leider nicht das einzige Drama in einem Spanien-Grand Prix. Rolf Stommelen war der erste deutsche Formel 1-Pilot, der seit 1961, als Wolfgang von Trips tödlich verunglückte, wieder einen regulären Grand Prix bestritten hat. Der Siegener steuerte 1975 im spanischen Montjuich Park einen vom Embassy Hill-Team eingesetzten und brandneuen Lola-Boliden - und er konnte damit sogar das Rennen anführen. Doch dann brach der Heckflügel. Der Wagen raste in die Barriere, wurde wieder auf die Strecke geschleudert, sodass Carlos Pace in einen Crash gezwungen wurde. Der Stommelen-Wagen jedoch krachte in die Barriere auf der anderen Straßenseite, flog über diese hinweg und landete mitten im Publikum. Fünf Menschen starben bei dieser Tragödie. Stommelen kehrte noch zweimal für kurze Zeit in die F1 zurück, wechselte zu den Sportwagen und verunglückte 1983 bei einem Unfall in Sears Point.

Bei dem Stommelen-Unfall 1975 starben fünf Zuschauer., Foto: Sutton
Bei dem Stommelen-Unfall 1975 starben fünf Zuschauer., Foto: Sutton

Unvorstellbar, dass bei diesem Unglück erst vier Runden später mit roten Flaggen das Rennen abgebrochen wurde. Es war der erste Sieg von Niki Lauda, zugleich der 50. für seinen Arbeitgeber Ferrari. Und: Mit Lella Lombardi gewann damals die erste und einzige Frau Formel 1-WM-Punkte - allerdings erhielt sie für ihren sechsten Rang nur einen halben Punkt, weil das Rennen vorzeitig abgebrochen wurde. Insgesamt wurden nur dreimal in der GP-Geschichte halbe WM-Punkte vergeben.

Jarama 1981

1981 erlebten die Fans in Jarama einen der berühmtesten Spanien-GP. Alan Jones führte das Rennen mit seinem Williams an, doch er flog von der Strecke. Und so übernahm Gilles Villeneuve im Ferrari die Führung, gefolgt von Carlos Reutemann (Williams). Doch bald schon konnten auch Jacques Laffite (Talbot-Ligier), John Watson (McLaren) und Elio de Angelis (Lotus) aufschließen - Reutemann wurde wegen eines Getriebeproblems von Laffite und Watson überholt. 67 Runden lang versuchten nun die Verfolger, an Villeneuve vorbeizukommen, doch keinem gelang es. Der Ferrari war auf den Geraden schneller, zog jedes Mal davon. Am Ende lagen die ersten Fünf innerhalb von etwas mehr als einer Sekunde.

Jarama 1981 - fünf Piloten innerhalb einer Sekunde., Foto: Sutton
Jarama 1981 - fünf Piloten innerhalb einer Sekunde., Foto: Sutton

1986 erlebte die Formel 1 zudem den knappsten Zieleinlauf in Spanien, wenn man von dem überheblichen, weil inszenierten "Fotofinish" der beiden Ferrari-Piloten Rubens Barrichello und Michael Schumacher beim GP der USA 2002 absieht. Ayrton Senna gewann in Jerez nur 0,014 Sekunden vor Nigel Mansell.

Rundengeiz

Seit die Formel 1 auf dem Circuit de Catalunya gastiert, erleben die Fans vor allem eines: Prozessionen. Die Strecke eignet sich wegen ihrer schnellen Kurven gut für Testfahrten, nicht jedoch für Überholmanöver - daran konnten auch kleine Strecken-Modifikationen nichts ändern. Die F1-Protagonisten kennen die Strecke in- und auswendig. Seit der Einführung der Motorenhaltbarkeitsregel wird daher in den freien Trainingseinheiten so wenig wie möglich gefahren. Man verfügt bereits über viele wichtige Daten, es müssen nur noch Feinabstimmungen vorgenommen werden.

Und so könnte die Königsklasse des Automobilrennsports am kommenden Freitag einen neuen Rekord erzielen. Den Rekord im Rundengeizen. Das wären bereits zwei Rekorde. Denn es gibt auch einen Besucherrekord zu verzeichnen. Seit Fernando Alonso sich zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten krönte, ist Spanien, wo die Formel 1 vor nicht allzu langer Zeit ein Schattendasein hinter dem Motorradsport führte, endgültig in einen Formel 1-Rausch verfallen. Der GP von Spanien ist längst ausverkauft - auch wenn diesmal weder viel gefahren noch überholt wird.