Mit der offiziellen Verkündung der Vertragsverlängerung von Marc Marquez bei Ducati scheint die 'Silly Season' der MotoGP im Jahr 2026 nun so langsam auf ihr Ende zuzugehen. Fast alle Entscheidungen auf dem Transfermarkt sind hinter den Kulissen schon gefallen und werden in den kommenden Tagen und Wochen jetzt nach und nach verkündet werden. Damit rückt der Fokus auf jene Piloten, die aktuell noch ohne Platz für 2027 dastehen. Motorsport-Magazin.com informiert euch in diesem Artikel, wie die MotoGP-Aussortierten derzeit ihre Zukunft planen.

Alex Rins: Superbike-WM im Blick, MotoGP-Ersatzfahrer als Notfalloption?

Beginnen wir mit Alex Rins. Dass es bei Yamaha nicht mehr weitergehen wird, wissen wir schon seit Ende April. Priorität des 18-maligen Grand-Prix-Siegers war es seither, anderenorts einen Platz in der MotoGP zu finden. "Ich denke, dass ich immer noch gut genug bin, um ein MotoGP-Bike zu fahren", glaubt er auch weiterhin an seine Chance. Tatsächlich ist diese inzwischen aber verschwindend gering, einzig bei Tech3 könnte sich noch eine Tür öffnen, sollten dort weder Maverick Vinales noch Luca Marini zum Zug kommen.

Alex Rins hat kaum noch Chancen auf einen Verbleib in der MotoGP, Foto: Yamaha Motor Racing Srl
Alex Rins hat kaum noch Chancen auf einen Verbleib in der MotoGP, Foto: Yamaha Motor Racing Srl

Weil das aber nicht sonderlich wahrscheinlich ist, geht der Blick nun zu anderen Rennserien. "Ich will auf jeden Fall weitermachen, weiter auf dem Motorrad sitzen. Ich habe immer noch Lust darauf", stellt Rins klar, dass ein Karriereende für ihn noch nicht zur Debatte steht. Wohin die Reise im Falle eines MotoGP-Aus gehen könnte? "Vielleicht gehen wir in die Superbike-WM, vielleicht in die Langstrecken-WM. Ich weiß es nicht", lautet die erste Tendenz. Speziell die WorldSBK scheint aber interessant, den erste Gespräche mit einigen Teams werden laut der Nummer 42 schon geführt.

Dass ehemalige MotoGP-Piloten in der Superbike-WM erfolgreich sein können, haben Alvaro Bautista, Danilo Petrucci, Miguel Oliveira und Co. in den letzten Jahren schließlich zuhauf gezeigt und durch den Wechsel von Nicolo Bulega in die MotoGP (zu VR46, Anm.) wird auch mindestens ein Spitzenplatz neu zu vergeben sein. Sollte das nicht klappen, gäbe es aber auch noch eine andere Option, die Rins vor einigen Wochen zunächst noch ausgeschlossen hatte: Die Rolle des Test- und Ersatzfahrers in der MotoGP: "Heute sage ich 'Nein', morgen aber vielleicht 'Ja'. Ich will einfach noch nicht zu 100 Prozent meiner Zeit zuhause sein."

MotoGP fordert neue Ersatzfahrerregel: Wer macht den Job? (08:34 Min.)

Jack Miller will wieder Spaß am Rennfahren haben: Testfahrer-Rolle kommt zu früh

Anders sieht das bei Yamaha-Kollege Jack Miller aus. "Nein, dafür bin ich noch nicht bereit. Ich will weiter Rennen fahren", macht er deutlich, dass die Rolle eines Test- und Ersatzfahrers für ihn (noch) nicht in Frage kommt. "So sehr ich es mag, Motorrad zu fahren, so wenig gefällt es mir, einfach nur im Kreis zu fahren. Ich bin erst 31 Jahre alt und fühle mich in der besten Verfassung meiner Karriere. Ich habe noch mehr zu geben. Ich bin noch nicht bereit, ein Testfahrer zu werden. Ich habe noch Ziele in meinem Kopf, die ich erreichen will."

Jack Miller will 2026 weiterhin Rennen fahren, Foto: Yamaha Motor Racing Srl
Jack Miller will 2026 weiterhin Rennen fahren, Foto: Yamaha Motor Racing Srl

Bekommt bei Pramac Racing wie zu erwarten Izan Guevara den Vorzug, wird sich Miller also einen Platz in einer anderen Rennserie suchen. Wohin die Reise geht, hängt vom gebotenen Paket ab. "Ich versuche, die richtige Entscheidung zu treffen, um das Rennfahren wieder zu genießen. Die letzten Jahre war nicht einfach, mit einer Yamaha auf den Plätzen 14, 15 oder 16 herumzufahren. Ich will wieder bis zur letzten Runde um Siege und Podien kämpfen, das macht mir Spaß. Nicht, um den letzten Punkt zu kämpfen", macht Miller unmissverständlich klar. In den letzten Jahren wurde er schon mehrfach mit dem Ducati-Werksteam in der Superbike-WM in Verbindung gebracht. Klappt es 2027 vielleicht? Durch den Bulega-Abschied würde ja ein Platz freiwerden. "Wir werden sehen, was die Zukunft für mich bereithält", lässt sich der Australier nicht in die Karten blicken.

Franco Morbidelli hofft auf MotoGP-Verbleib: WorldSBK ist nichts für mich!

Komplett unklar ist derweil, was Brad Binder und Franco Morbidelli im Jahr 2027 vor haben. Während sich Ersterer bislang noch nicht einmal zu möglichen Optionen geäußert hat, klammert sich Morbidelli an einen unwahrscheinlichen MotoGP-Verbleib. Ein Besuch bei der Superbike-WM in Misano hatte die Gerüchteküche Mitte Juni natürlich hochkochen lassen. Doch einen Wechsel in die WorldSBK schließt der VR46-Pilot aktuell aus: "Ich bin immer noch hungrig, will Rennen fahren und performen. Wenn ich zuhause bin, warte ich auf das nächste Rennen. Der MotoGP-Rhythmus ist immer noch mein Rhythmus. Ich habe ihnen gesagt, dass ich aktuell noch keinen Grund sehe, warum ich diesen Rhythmus an Rennen verlangsamen sollte."

Franco Morbidelli hat noch nicht mit der MotoGP abgeschlossen, Foto: VR46 Media
Franco Morbidelli hat noch nicht mit der MotoGP abgeschlossen, Foto: VR46 Media

Zur Erklärung: Während die MotoGP aktuell 22 Grands Prix pro Saison austrägt, gibt es in der Superbike-WM nur zwölf Rennwochenenden pro Jahr. Das sorgt immer wieder für wochenlange Pausen zwischen den einzelnen Rennen. Für Morbidelli deshalb keine bevorzugte Option. "Ich will wieder Rennen gewinnen und gute Leistungen zeigen. Ich habe das Gefühl, dass ich in der MotoGP immer noch um Siege kämpfen kann, wenn alle Puzzlestück vorhanden sind", sagt er stattdessen und wird sich wohl erst nach anderen Optionen umsehen, wenn wirklich alle Türen in der Königsklasse auch offiziell geschlossen sind: "Gemäß meiner aktuellen Leistungen bin ich sehr weit von Rennsiegen entfernt. Aber in dieser Welt können sich die Dinge schnell ändern. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir alles zusammengefügt haben und dann werden die Ergebnisse wieder kommen."

Maverick Vinales: Tech3-Verbleib als letzter Rettungsanker

Abschließend wollen wir auch noch kurz über Maverick Vinales sprechen. Zu Beginn des Jahres vermeintlich schon sicher im KTM-Werksteam, ist seine Zukunft aufgrund der schweren Schulterverletzung aus dem Deutschland-GP 2025 weiter unklar. Wie CEO Günther Steiner in Brünn verriet, wird ein Platz bei Tech3 definitiv an einen Moto2-Rookie gehen, vermutlich Senna Agius oder Manuel Gonzalez. Für das zweite Motorrad ist dann noch ein Routinier vorgesehen. Kann er in den nächsten Wochen endlich wieder mit guten Leistungen überzeugen, hat Vinales hier klar die besten Karten. Es ist aber auch kein Geheimnis mehr, dass sich die französische Truppe für den Fall der Fälle mit Alternativen wie Marini oder dem eingangs erwähnten Rins beschäftigt.

"Momentan weiß ich noch nicht, wie meine Zukunft aussehen wird", lässt Vinales wissen. Der Spanier zeigt sich zwar überzeugt, noch im Verlauf der aktuellen Saison wieder zu 100 Prozent fit zu werden, "aber ich weiß nicht, ob das morgen oder erst im Oktober der Fall sein wird." Aus seiner Sicht wäre zu hoffen, dass es möglichst zeitnah passiert, um die Verlängerung mit Tech3 einzutüten. "Heute war er großartig. Wenn er so weiter macht, wird er einer unserer Jungs sein", sprach ihm KTM-Motorsportchef Pit Beirer am Freitag in Brünn zumindest Mut zu. Aber falls es doch nicht klappt mit dem MotoGP-Verbleib? Dann würde Vinales wohl einen Schlussstrich ziehen: "Ich sehe mich nicht bei den Superbikes, um ehrlich zu sein. Wenn ich gehen muss, dann habe ich im Motorsport schon alles gezeigt, was ich zeigen wollte. Dann werde ich mein Leben genießen."

Maverick Vinales zittert noch um seinen Verbleib bei Tech3-Racing, Foto: KTM Media
Maverick Vinales zittert noch um seinen Verbleib bei Tech3-Racing, Foto: KTM Media

Wo seht ihr Alex Rins, Jack Miller, Franco Morbidelli, Brad Binder und Maverick Vinales im Jahr 2027? Sagt es uns in den Kommentaren! Welche Fahrer 2027 neu in die MotoGP hinzukommen und welche etablierten Fahrer zu welchen Teams wechseln, könnt ihr in unserer Übersicht nachlesen: