Seit seiner schweren Schulterverletzung am Sachsenring vor etwa einem Jahr fährt Maverick Vinales der alten Form hinterher. Auch nach einer erneuten Operation konnte der MotoGP-Veteran bisher nicht überzeugen. KTM wird daher 2027 mit den Neuzugängen Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio im Werksteam antreten und ihn nicht befördern. Vinales fühlt sich betrogen und erhebt harte Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber.
Maverick Vinales: Bei MotoGP-Aus ist einzig KTM schuld!
Ausgangspunkt seines wütenden Angriffs auf KTM war der 850er-Test nach dem Rennen in Brünn. Laut Vinales war ihm eine Ausfahrt auf dem neuen Bike in Aussicht gestellt worden, doch am Ende fuhr Pedro Acosta, obwohl dieser 2027 zu Ducati wechselt. "Sie haben mich zwei Wochen lang raten lassen, ob ich zum Test darf oder nicht. Am Ende erfahre ich durch die Medien, dass Pedro Acosta testen wird", wütete der Tech3-Pilot ein paar Tage später in Assen.
Schnell ging es nicht mehr um den Test, sondern um seine Zukunft. "Sie haben mir nichts gesagt. Sie haben mich nicht wegen Acosta angerufen, obwohl sie mich zwei Wochen vorher wegen dem Test angerufen hatten. Solche Vorgänge senden ein ziemlich klares Signal", gab 'Topgun' an. Ähnliches habe er im Bezug auf die Fahrerpläne für 2027 erlebt: "Der Plan des Teams sah vor, dass ich im Werksteam sein werde." Tatsächlich bestätigte Teamchef Aki Ajo bereits vor Monaten, dass dies der ursprüngliche Gedankengang war. Vinales monatelanger Mangel an körperlichen Fortschritten und bisher nur 7 WM-Punkte änderten aber die Lage.
Der Spanier behauptet, über die Planänerungen im Dunkeln gelassen worden zu sein: "Niemand setzte sich mit mir zusammen und erklärte mir, wie sich die Dinge entwickeln sollen." Die Suche nach Alternativen in der Startaufstellung sei so eindeutig erschwert worden, denn KTM besitzt eine Vertragsverlängerungsoption für das Jahr 2027. "Als die Zeit kam, wo sie wussten, dass ich nicht ins Werksteam kommen würde, da hätten sie mich einfach gehen lassen sollen. So einfach ist das", meint Vinales. Die meisten Plätze sind mittlerweile vergeben, wenn auch größtenteils noch nicht kommuniziert. Daher kommt er zu einem vernichtenden Fazit: "Wenn ich am Ende nicht mehr in der Weltmeisterschaft bin, dann wird eine Partei daran schuld sein: Das ist KTM und niemand anderes."

Pit Beirer: Tech3-Entscheidung noch nicht gefallen, doch Vinales nicht in Form
Schon vor den harten Worten in Assen hatte sich KTM-Sportchef Pit Beirer in Brünn zur Wut von Vinales geäußert: "Ich kann seine Frustration verstehen, aber er muss auch unseren Standpunkt verstehen. Wir müssen das bestmögliche Paket schnüren. Wir haben ihm viel Zeit für sein Comeback gegeben und wollen ihn zurück in Normalform."
Tatsächlich war die Einschätzung damals, dass Vinales weiterhin noch im Rennen für seinen aktuellen Platz bei Tech3 sei. Allerdings entscheidet dort auch der neue Boss mit: "Wir haben nun auch Günther [Steiner, Anm. d. Red.] dabei. Wir haben unterschiedliche Eindrücke. Gemeinsam haben wir beschlossen, dass wir bei seinen Plätzen noch warten werden. Maverick ist ein guter Kerl und hat viel für uns getan."

Ob dieses Urteil nach der Tirade aus Assen immer noch gilt, darf zumindest bezweifelt werden. Außerdem findet Vinales weiterhin nicht zur Form. "So sehr ich es möchte, ich kann es körperlich nicht", gab er am Freitag selbst zu, die schnellen Schikanen des Klassikers nicht bewältigen zu können. Allein dort verlor er mehrere Zehntel auf seine Markenkollegen. So sehr sich Vinales im persönlichen Umgang betrogen fühlt, so sprechen die sportlichen Fakten derzeit die Sprache, dass es für den Veteranen mit einem MotoGP-Verbleib tatsächlich eng werden könnte.
Was ist eure Meinung dazu? Wurde Vinales ungerecht behandelt oder musste KTM aufgrund der Unsicherheit seines Zustandes eine Entscheidung gegen ihn treffen? Sagt es uns in den Kommentaren.



diese MotoGP Nachricht