"Wenn ich 2027 nicht mehr in der MotoGP fahre, dann wird eine Partei daran schuld sein: Das ist KTM und niemand anderes." Maverick Vinales' Medienrunde am Donnerstag in Assen hatte es in sich. Schon in Brünn hatte er Unmut darüber geäußert, von KTM noch immer keine Information über seinen Arbeitsplatz für die MotoGP-Saison 2027 erhalten zu haben. Dass er dann auch noch vom Montagstest mit den nächstjährigen Motorrädern abberufen wurde und stattdessen Pedro Acosta trotz Wechsel ins Ducati-Lager zum Zug kam, ließ bei Vinales einen üblen Verdacht aufkommen.

Maverick Vinales: Keine MotoGP-Zukunft bei KTM?

Er glaubt, in den Plänen von KTM für 2027 nicht mehr vorzukommen. So weit, so verständlich. Doch wie es zu dieser möglichen Entscheidung gekommen ist, stößt Maverick Vinales sauer auf. Als im Winter der Abgang von Acosta zu Ducati bekannt wurde, stellte ihm KTM den Aufstieg ins Werksteam in Aussicht. Daraus wurde nichts, die beiden Plätze gehen an Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio. Und nun muss Vinales auch um seinen Job bei Tech3 bangen.

KTM ist schuld! Maverick Vinales fürchtet MotoGP-Aus (06:49 Min.)

Ein Platz im Team soll 2027 an einen Rookie gehen, der wohl entweder Senna Agius oder Manuel Gonzalez heißen wird. Und für den zweiten Platz könnte sich KTM im Honda-Lager bedienen: Luca Marini ist dort als Stammfahrer raus. Er soll zwischenzeitlich mit einer Testfahrerrolle bei HRC geliebäugelt haben. Nun dürfte er aber aussichtsreicher Kandidat bei Tech3-KTM sein. Die Verhandlungen sollen aktuell laufen. Auch eine Rückkehr von Raul Fernandez zu seinem ersten MotoGP-Team steht im Raum.

Günter Steiner glaubt: Vinales hat nicht nachgedacht

Für Vinales wird es also tatsächlich eng. Neben Tech3 hat nur noch Trackhouse Racing Plätze zu vergeben, doch dort gibt es keinerlei Interesse am spanischen Routinier. Ob es in dieser Situation klug war, seinen einzigen potenziellen Arbeitgeber für 2027 öffentlich so zu attackieren, wollte MotoGP-Pitlane-Reporter Jack Appleyard am Samstag von Tech3-Teamchef Günther Steiner wissen. "Ich glaube du kennst die Antwort", schmunzelte Steiner. "Ich finde nicht, dass das besonders klug war. Ich weiß auch nicht, warum er das gesagt hat. Als Bettler kannst du nicht wählerisch sein (Steiner verwendete im Englischen die gebräuchliche Redewendung 'beggars can't be choosers', für die es kein deutsches Äquivalent gibt, Anm.) Ich glaube, er hat nicht wirklich nachgedacht. Vielleicht war er sehr emotional, weil die Möglichkeit besteht, dass er im nächsten Jahr nicht in der MotoGP fährt. Da sind die Emotionen wohl mit ihm durchgegangen."

Maverick Vinales ist seit Wochen sichtlich zerknirscht, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Maverick Vinales ist seit Wochen sichtlich zerknirscht, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Auch auf die folgende Frage, ob Vinales' Aussagen seine Position bei KTM schädigen könnten, hatte Steiner eine gewohnt geradlinige Antwort parat. "Helfen wird es sicher nicht. KTM zu beschuldigen, finde ich auch etwas ungerecht. Ja, das Motorrad ist nicht auf dem Level von Aprilia oder Ducati, aber Pedro schlägt sich damit gut und auch Enea hat es am Freitag hier in die Top-Ten geschafft. Da kann man dann nicht nur KTM die Schuld geben." Vinales musste aufgrund seiner Schulterprobleme das Rennwochenende in Austin Ende März aufgeben, unterzog sich anschließend einer Operation und verpasste die Grands Prix in Jerez und Le Mans. Auch seit seinem Comeback kommt er aber nicht auf Touren. Aktuell hält er bei sieben WM-Punkten. Zum Vergleich: Seine KTM-Kollegen Brad Binder, Enea Bastianini und Pedro Acosta kommen auf 53, 59 beziehungsweise 133 Zähler.

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