Ducati erlebte in Silverstone im Kollektiv ein schweres MotoGP-Rennwochenende, aber einen traf es besonders schwer: Francesco Bagnaia. Der Weltmeister von 2022 und 2023 kam zu keinem Zeitpunkt auf Touren und holte nicht einen WM-Punkt. Nach Erklärungen suchte er anschließend vergeblich - und so werden Erinnerungen an 2025 wach.

Keine Ausreden: Francesco Bagnaia in Silverstone einfach zu langsam

Der Auftakt in die zweite Hälfte der MotoGP-Saison 2026 war für Bagnaia von vorneherein unter keinem guten Stern gestanden. Zu Beginn der Sommerpause hatte er sich zur Bekämpfung von Armpump-Problemen operieren lassen müssen und war davon noch nicht vollständig erholt, und dann fiel in Silverstone auch noch sein langjähriger Crewchief Christian Gabbarini mit einer offiziell nicht genau bekannten Verletzung aus. Lorenzo Goglia, Ducatis "Head of Development and Strategy", sprang ersatzweise ein. Da überraschte es nicht, dass es schon am Freitag in den Trainings nicht rund lief. Platz 13 bedeutete die zweite Q1-Teilnahme in Folge.

Pecco Bagnaia auf seiner Ducati in Silverstone
Francesco Bagnaia fühlte sich in Silverstone nie wohl auf seinem Motorrad, Foto: IMAGO / PRiME Media Images

"Ich habe große Probleme, das Motorrad zu stoppen. Das Heck drückt nach vorne und ist ständig in der Luft. Da müssen wir eine bessere Balance finden und das ist hier [auf dieser Strecke, Anm.] recht schwierig", klagte Bagnaia im Anschluss. Als Ausrede wollte er die oben genannten Störfaktoren aber nicht gelten lassen. Stattdessen wurde Selbstkritik geübt: "Andere Fahrer sind mit dem gleichen Motorrad schneller. Wir werden uns ihre Daten anschauen und sehen, ob wir etwas finden, mit dem ich mich dann auch verbessern kann."

Das gelang nicht. Stattdessen blieb Bagnaia in Q1 hängen und verzeichnete mit Rang 16 seinen schlechtesten Startplatz seit Valencia 2025. Besonders bitter: Neben Franco Morbidelli schaffte auch noch Gresini-Ersatzmann Iker Lecuona den Sprung ins zweite Qualifyingsegment, womit Bagnaia als einziger Ducati-Pilot in Q2 zuschauen musste. Eine schallende Ohrfeige, die aber schon drei Stunden später von einer zweiten, noch heftigeren Ohrfeige überstrahlt wurde.

Francesco Bagnaia: Debakel im Sprint, dann rätselhafter Sturz im Grand Prix

Zu Beginn des Sprints nach gutem Start schon wieder am Rande der Top-10 kratzend, wurde Bagnaia - ebenso wie Teamkollege Marc Marquez - ab Runde vier von massiven Reifenproblemen getroffen und daraufhin durchgereicht. Am Ende kam er nur als 17. ins Ziel, happige 23,722 Sekunden hinter Sieger Jorge Martin. "Kein Speed, keine Performance. Ich hatte überhaupt keinen Grip am Heck. In den letzten zwei Runden konnte ich mich nicht einmal mehr in die Kurven lehnen. Es war wie im Nassen. Marc und ich waren die langsamsten Fahrer auf der Strecke", lautete sein vernichtendes Fazit. Weil zumindest Alex Marquez gezeigt hatte, dass man auch mit einer Ducati in Silverstone schnell sein kann, gab sich Bagnaia aber kämpferisch: "Ich hoffe, dass wir unsere Probleme heute Nacht lösen können."

Francesco Bagnaia (#63) fuhr in Silverstone ganz hinten herum, Foto: Honda LCR
Francesco Bagnaia (#63) fuhr in Silverstone ganz hinten herum, Foto: Honda LCR

Spoiler: Auch das gelang nicht. Während Marc Marquez den Schalter mit dem Medium-Hinterreifen sehr wohl umlegen und ein ähnliches Debakel wie am Vortag verhindern konnte, fand sich Bagnaia im Grand Prix schon nach kurzer Zeit auf dem viertletzten Platz wieder. Nur Tech3-Ersatzmann Pol Espargaro, LCR-Ersatzmann Cal Crutchlow und Yamaha-Wildcard Augusto Fernandez fuhren nach drei Runden noch hinter ihm. Durch diverse Stürze hätte es vielleicht dennoch zum ein oder anderen WM-Punkt reichen können, aber in Runde acht verabschiedete sich dann auch Bagnaia vorzeitig aus dem Rennen.

"Sehr komisch, ganz ehrlich. Ich habe die Front noch nie am Ausgang einer Kurve verloren. Und es ist auch wirklich schwer, etwas in den Daten zu erkennen. Ich habe die Front innerhalb von Millisekunden verloren. Wirklich sehr merkwürdig", rätselte der Italiener im Anschluss und klagte: "Das ist schwer zu akzeptieren, weil es sowieso schon eines der härtesten Wochenenden der Saison war. Ich hatte Probleme … nicht schnell zu sein, denn ich war nie schnell. Ich hatte zu kämpfen, überhaupt nahe an den Top-10 dran zu sein. Ich hatte große Probleme."

2025 als warnendes Beispiel: Francesco Bagnaia vor nächstem MotoGP-Absturz?

Beim ein oder anderen könnten in Anbetracht dieser Worte nun Erinnerungen an die letzte Saison wach werden. Auch damals erlebte Bagnaia in Silverstone ein schweres Wochenende und fand anschließend - Motegi und Sepang ausgenommen - nie mehr so richtig in Form. Droht jetzt die Wiederholung der Geschichte? "Wir haben alles probiert. Setup, Elektronik, alles. Aber ich habe seit dem ersten Rennen der Saison einfach keinen Grip, null. Und wir wissen nicht, was wir noch tun sollen, denn andere Ducati-Fahrer haben sehr wohl Grip. Das ist wirklich schwer, zu verstehen", scheint Bagnaia jedenfalls mit seinem Latein am Ende.

Bei Francesco Bagnaia hängt der Kopf nach Silverstone wieder, Foto: Ducati Media
Bei Francesco Bagnaia hängt der Kopf nach Silverstone wieder, Foto: Ducati Media

Was zumindest etwas Hoffnung macht: In zweieinhalb Wochen wartet als nächstes das Rennwochenende in Aragon (28. und 30. August) und dort erlebte der zweimalige MotoGP-Weltmeister im Vorjahr eines seiner besseren. Mit der großen Bremsscheibe im Einsatz glaubte er damals sogar, eine Lösung für seine Probleme mit dem Vorderrad der GP25 gefunden zu haben. Das lässt hoffen, dass es zumindest im nächsten Grand Prix wieder aufwärts gehen könnte. Was danach in Misano und Co. passiert, steht aber in den Sternen. Bagnaia meint nur: "Wir müssen wieder aufstehen, denn ich will nicht nochmal ein solches Wochenende erleben."

Was meint ihr: Droht Francesco Bagnaia in der zweiten Saisonhälfte ein ähnlicher Absturz wie im Vorjahr? Sagt es uns in den Kommentaren!

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