Im Rahmen der MotoGP in Spielberg gab es am Wochenende eine dramatische Titelentscheidung im FIM Harley-Davidson Bagger World Cup 2026. Archie McDonald holte nach zwei nervenaufreibenden Rennen die Meisterschaft in der Premierensaison der Serie. Am sechsten und letzten Rennwochenende sorgte Andrea Iannone im Samstagsrennen für eine Vorentscheidung. Der Ex-MotoGP-Fahrer schaltete bei einem misslungenen Manöver Eric Granado aus, womit er den größten Titelrivalen von McDonald um alle Chancen brachte.
Beim Finale am Sonntag musste dieser dann nur noch auf Ankommen fahren, um den Titel gegen seinen einzigen verbliebenen Meisterschaftskonkurrenten Oscar Gutierrez klarzumachen. Beim Sieg von Granado vor Gutierrez reichte McDonald ein achter Platz. Für den 20-jährigen Australier war es ein überaus emotionaler Moment. Erst im April hatte er seinen zwei Jahre älteren Bruder Toby Wallace McDonald durch Suizid verloren.
Andrea Iannone randaliert im ersten Rennen und nimmt Titelanwärter Eric Granado raus
Zum Start ins Wochenende hatten noch vier Fahrer rechnerische Chancen auf den Titel. Archie McDonald von Joe Rascal Racing war mit 174 Meisterschaftszählern nach Spielberg gereist. Sein Teamkollege Eric Granado lag vor dem Samstagsrennen nur sieben Punkte hinter dem Leader. Auf den Plätzen drei und vier waren auch die beiden Niti-Racing-Teamkollegen Oscar Gutierrez und Andrea Iannone mit 148 respektive 147 Punkten in der Verlosung. Granado machte alles richtig und sicherte sich im Qualifying auf dem 4,348 Kilometer langen Red Bull Ring mit einer Rundenzeit von 1:38.366 Minuten die Pole Position. Damit stand er vor McDonald und Iannone in Reihe eins, Gutierrez kam von Platz vier.
Pole-Sitter Granado konnte seinen Vorteil beim Start in den ersten Lauf über eine Distanz von neun Runden jedoch nicht nutzen. McDonald ging beim Drag-Race von der Linie sofort in Führung. In der ersten Kurve rutschte außerdem Iannone innen bei Granado durch. Der 13-fache MotoE-Rennsieger aus Sao Paulo stand daraufhin unter Zugzwang, den Anschluss an seinen Meisterschaftskonkurrenten wiederherzustellen.
In der zweiten Runde ging Granado in Turn 6 für Platz zwei innen an Iannone vorbei, konnte seine Linie aber nicht halten. Der ehemalige MotoGP-Fahrer setzte zum Switchback an und unterschätzte dabei die Dimensionen seiner Harley-Davidson. Es kam zum Kontakt mit Granado, bei dem beide Fahrer zu Boden gingen und im Kiesbett landeten. Den Matchball konnte McDonald jedoch nicht nutzen. Im restlichen Rennverlauf trat der Titelfavorit verhalten auf und wurde hinter Oscar Gutierrez nur Zweiter, womit die Titelentscheidung auf den Sonntag vertagt wurde. Den dritten Platz belegte am Samstag der US-Amerikaner James Rispoli.
Archie 'Mad Dog' McDonald lässt beim Finale des Harley-Davidson Bagger World Cup 2026 nichts anbrennen
Das Finale fand am Sonntagmorgen mit der identischen Ausgangslage in der Startaufstellung statt. McDonald führte bei noch 25 zu vergebenden Punkten mit 194 Zählern, dahinter hatte nur noch Gutierrez mit 173 Punkten eine Chance, ihm den Titel streitig zu machen. Granado erwischte von der Pole diesmal einen optimalen Start und hielt die Führung. Dahinter setzte Iannone zunächst McDonald unter Druck, doch der 'Maniac' hatte für sein Manöver gegen Granado im Samstagsrennen eine Long-Lap-Penalty, der ihn zurückwarf.
Während sich der Leader an der Spitze auf und davon machte, ließ McDonald nichts mehr anbrennen. Granado gewann nach neun Runden mit zwei Sekunden Vorsprung auf Gutierrez, der dritte Platz ging an Kyle Wyman. Für Archie 'Mad Dog' McDonald reichte ein achter Platz, um sich zum ersten Champion in der Geschichte des Harley-Davidson Bagger World Cup zu küren. Er holte dieses Jahr aus zwölf Rennen zwei Siege und neun Podien, dazu stand er einmal auf der Pole Position.
Die Stimmen zum Finale des FIM Harley-Davidson Bagger World Cup 2026
Archie McDonald: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es war ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas einmal erleben würde. Mich dann von ihm und von meiner Familie zu verabschieden, ins Ausland zu gehen, weiterzutrainieren und diesem Traum weiter zu folgen – dass sich das jetzt ausgezahlt hat, ist einfach eine riesige Erleichterung. Ich widme das hier alles Toby. Ich liebe dich und vermisse dich so sehr. Und ich halte meine Arme für jeden offen, der sie braucht. Was meine ganze Familie durchgemacht hat, ist alles andere als normal. Aber ihn in den letzten Runden hinten auf dem Motorrad bei mir zu spüren, war das beste zusätzliche Gewicht, das ich mir in einem Rennen hätte wünschen können. Es ist ein wahr gewordener Traum. Hinter mir liegen Jahre voller Rückschläge, Blut, Schweiß und Tränen, die in etwas so Großes geflossen sind. Ich kann allen hinter den Kulissen gar nicht genug danken – meinem Manager, meinem Coach, meinem Vater, meiner Familie, meinen Freunden, dem gesamten Bagger World Cup und Joe Rascal Racing. Es ist einfach eine unglaubliche Erleichterung, dieses Ziel erreicht zu haben."
Eric Granado: "Ich habe die ganze Saison über sehr hart daran gearbeitet, keine Fehler zu machen. Das Team hat großartige Arbeit geleistet. Ich hatte die Pole Position und ein sehr gutes Gefühl. Wie ich euch schon nach der Pole gesagt habe, hatte ich drei Ziele, und die Pole habe ich geschafft. Heute habe ich auch das Rennen gewonnen, aber gestern hat mir ein anderer Fahrer die Meisterschaft gekostet. Darüber bin ich wirklich sehr verärgert. Mein einziges Ziel heute war, auf Sieg zu fahren und diesen Moment mit dem Team zu genießen. Ich kann mich einfach nur bei allen bedanken, die mir geholfen haben, bis hierhin zu kommen. Ich weiß, dass ich es zumindest verdient hätte, bis zum Ende um die Meisterschaft zu kämpfen. Aber es ist, wie es ist."



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