Die Freude war riesig, als Pedro Acosta am Sonntag um 14:44 Uhr Ortszeit die Ziellinie überquerte. Der MotoGP-Heimsieg KTMs war perfekt. Eine enorme Erleichterung nach den Ereignissen vom Samstag. "Wir sind zurück", jubelte Motorsportchef Pit Beirer euphorisiert. Kein Wunder, denn für Fahrer und Team waren soeben lange Durststrecken zu Ende gegangen. Motorsport-Magazin.com präsentiert euch die eindrucksvollen Zahlen und Fakten zum Heimerfolg in Spielberg.

KTM beendet vierjährige Leidenszeit ohne MotoGP-Sieg

Beginnen wir bei KTM. Der Motorradbauer aus Mattighofen durfte am Sonntag den ersten Grand-Prix-Sieg in der MotoGP seit Buriram 2022 bejubeln. Damals hatte noch Miguel Oliveira im strömenden Regen gesiegt. 79 Grands Prix und fast genau vier Jahre sind seit jenem 2. Oktober vergangen, 1449 Tage um genau zu sein. Länger wartete und wartet seither nur Yamaha auf einen MotoGP-Erfolg (Sachsenring 2022, Anm.). Selbst der letzte Grand-Prix-Sieg von Suzuki lag vor dem letzten Sonntag nicht so lange zurück wie jener von KTM - und Suzuki fährt seit Ende 2022 bekanntermaßen gar nicht mehr in der Königsklasse.

In der KTM-Garage wurde der Sieg von Pedro Acosta wild zelebriert, Foto: KTM Media Library / Rob Gray
In der KTM-Garage wurde der Sieg von Pedro Acosta wild zelebriert, Foto: KTM Media Library / Rob Gray

Wenn man den letzten GP-Sieg einer RC16 im Trockenen finden wollte, musste man bis zum Sonntag sogar noch viel weiter in der MotoGP-Geschichte zurückreisen. Diesen gab es am 6. Juni 2021 in Barcelona, ebenfalls durch Oliveira. Erst 1932 Tage und 107 Grands Prix später nun endlich die Erlösung. Zur Einordnung: Selbst Ducati wartete zwischen 2010 und 2016 nur 99 Grands Prix auf einen MotoGP-Sieg.

In Summe fuhr Acosta am Sonntag den achten Grand-Prix-Sieg in der MotoGP für KTM ein, den sechsten für das Werksteam (die anderen zwei holte Tech3, Anm.). Damit ist Mattighofen jetzt mit Suzuki gleichgezogen. Auch die Himmelblauen haben derzeit acht MotoGP-Siege am Sonntag in ihrer Vita stehen. In Spielberg war es nach Oliveira 2020 und Brad Binder 2021 bereits der dritte Grand-Prix-Sieg für KTM, der erste seit 1862 Tagen. Damit ist der Red Bull Ring auch die klare Lieblingsstrecke der RC16, denn auf keinem anderen Kurs konnte überhaupt mehr als ein Mal gewonnen werden.

Lange Wartezeit vorbei: Pedro Acosta endlich Grand-Prix-Sieger in der MotoGP

Damit genug von KTM, blicken wir jetzt noch auf Pedro Acosta. Für den 'Hai von Mazarron' war das natürlich der erlösende erste Grand-Prix-Sieg als MotoGP-Pilot. Zuletzt hatte er 2023 beim Indonesien-GP an einem Sonntag gesiegt, damals noch zu Moto2-Zeiten. Ganze 1071 Tage sind zwischen diesen beiden Erfolgen vergangen. Acosta wartete also sogar länger als Marc Marquez zwischen Misano 2021 und Aragon 2024 auf einen Grand-Prix-Sieg. Bei seinem künftigen Ducati-Teamkollegen waren es damals 'nur' 1043 Tage.

Auch für Pedro Acosta ging am Sonntag eine lange Durststrecke zu Ende, Foto: MotoGP Press
Auch für Pedro Acosta ging am Sonntag eine lange Durststrecke zu Ende, Foto: MotoGP Press

In Summe ist Acosta nun der 41. Pilot, der einen Grand Prix in der 2002 geschaffenen MotoGP-Klasse gewinnen konnte und der zweite Debütant in der laufenden Saison nach Ai Ogura, der Ende Juni die Dutch TT gewann. Damit bringen es im aktuellen MotoGP-Grid nun 19 der 22 Stammfahrer auf mindestens einen Grand-Prix-Sieg. Ein neuer Bestwert in der Königsklasse. Nur Luca Marini und die beiden Rookies Diogo Moreira und Toprak Razgatlioglu konnten in der MotoGP noch nicht gewinnen.

Hätte Acosta bereits 2024 triumphiert, hätte er seinerzeit sogar zum jüngsten Königsklassen-Sieger in der Geschichte aufsteigen können. Durch das lange Warten hat er mit 22 Jahren und 118 Tagen nun aber selbst die Top-10 der jüngsten Grand-Prix-Gewinner im Oberhaus recht deutlich verpasst. Zur Einordnung: Valentino Rossi belegt mit 21 Jahren und 144 Tagen derzeit Platz zehn. Weil Acosta erst im 56. MotoGP-Start einen Grand Prix gewinnen konnte, findet er sich nun sogar in den Top-10 jener Fahrer wieder, die am längsten auf ihren Debütsieg warten mussten. Seht hier selbst:

Top-10: Diese Fahrer brauchten die meisten GP-Starts für einen MotoGP-Sieg

PlatzMotoGP-StartsFahrerRennen
1200Aleix EspargaroArgentinien-GP 2022
2124Danilo PetrucciItalien-GP 2019
3120Johann ZarcoAustralien-GP 2023
498Cal CrutchlowTschechien-GP 2016
594Alex MarquezSpanien-GP 2025
682Jack FindlayUlster-GP 1971
776Raul FernandezAustralien-GP 2025
872Sete GibernauValencia-GP 2001
961Andrea IannoneÖsterreich-GP 2016
1056Pedro AcostaÖsterreich-GP 2026

Abschließend noch zwei Fakten, die deutlich erfreulicher sind. Nach Miguel Oliveira (5x) und Brad Binder (2x) ist Acosta erst der dritte Fahrer, der in der MotoGP einen Grand Prix auf einer KTM gewinnen konnte. Und weil der Spanier am Sonntag im 16. Podestbesuch auch erstmals auf die oberste Stufe steigen durfte, ist er jetzt auch den ungeliebten Rekord für die meisten MotoGP-Podien ohne Grand-Prix-Sieg wieder los. Dieser ist zurück in den Händen von Colin Edwards, der seinerzeit 12 Podien holte, aber nie ein MotoGP-Rennen für sich entscheiden konnte. Wie Acosta besser machte, verrät euch Markus in unserem neusten Video:

Geschafft! Pedro Acosta und KTM siegen, MotoGP-Konkurrenz warnt (10:09 Min.)