Der MotoGP-Freitag in Mandalika brachte das erwartete Bild. Aprilia dominierte das Geschehen nach Belieben und durfte sich am Nachmittag sogar über die erste Dreifachführung überhaupt in einem Training der MotoGP freuen. Und doch war im Lager der Italiener am Freitagabend nicht jeder gutgelaunt. Denn ausgerechnet für den WM-Führenden Jorge Martin scheint sich so etwas wie das Worst-Case-Szenario anzubahnen.

"Weit entfernt" - Jorge Martin enttäuscht am MotoGP-Freitag in Mandalika

Martin war am Freitag im Training nämlich nur dritte Kraft im eigenen Lager. Nicht nur Teamkollege Marco Bezzecchi war schneller, sondern auch Trackhouse-Pilot Raul Fernandez - und speziell der Rückstand auf den Tagesschnellsten macht Sorgen. Happige 0,481 Sekunden verlor Martin auf Fernandez, weshalb er nahtlos anerkennen musste: "Raul ist mir einen Schritt voraus und ich bin weit davon entfernt, wo ich selbst gerne wäre."

Jorge Martin fühlte sich am Freitag nicht wohl mit der Front seiner Aprilia, Foto: Aprilia Racing
Jorge Martin fühlte sich am Freitag nicht wohl mit der Front seiner Aprilia, Foto: Aprilia Racing

Doch warum fand sich der WM-Leader der MotoGP am Freitag derart deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück? Schließlich hatten an diesem Wochenende alle mit starker Performance gerechnet, da Mandalika sowohl für Fahrer als auch Konstrukteur in der Vergangenheit ein sehr gutes Pflaster war. "Ich hatte Probleme mit dem Vorderreifen. Er kam nicht auf Temperatur, das war komisch", begründete er.

Tatsächlich merkwürdig, sollte eine zu niedrige Reifentemperatur bei zwischenzeitlich über 60 Grad Asphalttemperatur doch eigentlich kein Thema sein. Doch das war es, und das raubte dem 'Martinator' Selbstvertrauen. "Ich habe die Front überall verloren und konnte keinen Speed aufbauen. Ich habe viele Fehler gemacht", klagte er weiter. Immerhin: "Während der Timeattack am Ende war alles wieder normal. Ich hatte dann nur nicht dieses gewisse Extra. Wenn wir das Problem morgen [auch im Longrun, Anm.] lösen können, werde ich um den Sieg mitkämpfen können."

Raul Fernandez hat MotoGP-Siege in Indonesien im Blick

Es gibt also noch Hoffnung bei Martin, aber den erhofften Spaziergang zum Doppelsieg wird es mit Sicherheit nicht geben, im Gegenteil. Der Spanier wird sich strecken müssen, um überhaupt vor seinen Markenkollegen ins Ziel zu kommen. "Ich hatte erwartet, auf dieser Strecke schnell zu sein, aber nicht so sehr wie im Training", bilanzierte Fernandez nämlich hocherfreut und offenbarte im Anschluss eine extrem breite Brust. Sein Ziel für das restliche Rennwochenende ist klar, es sollen zwei Siege her. Ob er sich ähnlich gut wie zuletzt in Silverstone fühle? "Besser sogar", gab der Trackhouse-Pilot eine Antwort, die Martin Angst und Bange machen dürfte. "Ich habe keinen Druck und eine gute Gelegenheit vor mir. Ich werde es einfach versuchen [zu gewinnen, Anm.]."

Raul Fernandez war am Freitag bärenstark unterwegs, Foto: Trackhouse MotoGP Team
Raul Fernandez war am Freitag bärenstark unterwegs, Foto: Trackhouse MotoGP Team

Sollte Fernandez das tatsächlich gelingen, könnten Martin wichtige Punkte im aktuell so engen Titelkampf der MotoGP flöten gehen. Denn eine Stallorder zu seinen Gunsten wird es ja nicht geben, wie wir seit Donnerstag wissen. Und was den Super-GAU aus Sicht des scheidenden Aprilia-Piloten dann noch perfekt machen könnte? Auch WM-Rivale Marc Marquez scheint in Mandalika gut unterwegs, schnitt am Freitag deutlich besser ab als gedacht. "Marc ist stark. Er war sowohl Vormittags als auch Nachmittags in der Timeattack und in der Rennpace nahe dran. Er wird vorne mitmischen", erkannte auch Martin und fürchtete deshalb: "Ich werde mit ihnen allen kämpfen müssen."

Wie Marc Marquez selbst seinen starken Freitag bilanzierte, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen:

Marc Marquez hofft auf MotoGP-Triumph von Raul Fernandez

Dass der amtierende Weltmeister im Training gleich von drei Aprilias geschlagen wurde, störte ihn nicht sonderlich. Und das liegt eben primär an der Reihenfolge, in der die drei RS-GP-Piloten am Freitag einliefen. "Ich freue mich für Raul", scherzte er über die deutliche Bestzeit seines Landsmannes und schob mit einem Schmunzeln hinterher: "Wenn schon eine Aprilia hier gut performen muss, dann bevorzuge ich Raul oder Ogura."

Neues MotoGP-Format 2027! Fahrer sauer: Uns hat niemand gefragt (12:30 Min.)

Auch der Ducati-Pilot ist sich also bewusst, dass der Indonesien-GP weit weniger negative Auswirkungen auf seine Titelambitionen haben könnte als gedacht. Doch was meint ihr: Kann Martin das Ruder noch herumreißen und seine Markenkollegen bezwingen oder gehen ihm in Mandalika wichtige WM-Punkte verloren? Sagt es uns in den Kommentaren!