Der MotoGP-Samstag begann wenig erfreulich für Jorge Martin. Während Raul Fernandez und Marco Bezzecchi im Qualifying auf die ersten beiden Plätze stürmten, gelang ihm nur Startposition fünf, womit er sich sogar WM-Gegner Marc Marquez geschlagen geben musste. Eine herbe Enttäuschung im Kampf um die Weltmeisterschaft. Doch einige Stunden später schien im Sprint dann wieder alles zu seinen Gunsten zu laufen. Fernandez und Bezzecchi verabschiedeten sich nach einer Kollision schon in Kurve eins und der 'Martinator' raste plötzlich einem unverhofften Sprintsieg entgegen - ehe der Samstag noch eine weitere, dramatische Wende parat hatte.
Jorge Martin gibt sichergeglaubten MotoGP-Sieg noch ab
In Runde 9 von 13 ging Martin, der zu diesem Zeitpunkt schon anderthalb Sekunden in Führung gelegen war, am Ausgang von Kurve vier nämlich urplötzlich vom Gas und ließ Marquez ohne Gegenwehr vorbeiziehen. Danach hielt er einen Abstand von etwa 0,5 Sekunden zum Ducati-Piloten, ehe er sich in der vorletzten Runde in Kurve 16 auch noch völlig verbremste und in die Auslaufzone musste. Ai Ogura und Fabio Di Giannantonio schlüpften durch, womit bei Zielankunft statt dem Sprintsieg plötzlich nur noch Rang vier zu Buche stand.
Die große Frage, die sich in der MotoGP-Welt daraufhin natürlich jeder stellte: Was war da los? "Jorge hatte mit Sicherheit irgendein Problem. Aber ich weiß nicht, was", rätselte auch Ducatis Teamchef Gigi Dall'Igna am ServusTV-Mikrofon, nachdem ihm Moderation Alina Marzi zum Sprintsieg von Marc Marquez gratuliert hatte. Um erneute Armpump-Probleme hatte es sich wohl nicht gehandelt, denn anderenfalls hätte Martin den Abstand zu Marquez zwischen Runde 10 und 12 nicht konstant bei einer halben Sekunde halten können und wäre stattdessen weiter zurückgefallen. Also lag eine andere Vermutung nahe: der gute, alte Reifendruck.
Und tatsächlich: genau dieser war Schuld, wie Martin am Samstagnachmittag in seiner Medienrunde bestätigte. "Ja", seufzte er und berichtete dann: "Ich bin nicht gut gestartet, habe aber gesehen, dass sie zu viert in Kurve eins gehen würden. Da war es ein leichtes für mich, die Führung zu übernehmen. Ich habe dann gepusht und eine große Lücke zu Marc geöffnet. Von da an ging es eigentlich nur noch darum, das Ganze über die Runden zu bringen. Aber dann habe ich realisiert, dass mein Reifendruck zu niedrig war. Ich habe dann mehr über die Front gepusht, um die Temperatur zu erhöhen, aber ich war immer noch außerhalb des Fensters. Also musste ich Marc vorbeilassen. Selbst dann blieb es aber schwierig, weshalb ich zwei Runden vor Schluss auch diesen Fehler [in Kurve 16, Anm.] gemacht habe, als ich nochmal einen Angriff auf Marc vorbereitet habe."
Reifendruck bremst Jorge Martin aus: Keine Ahnung, wie es dazu kam!
Sehr ärgerlich, denn wie Martin selbst weiß: "Der Sieg war heute schon eingetütet." Doch wieso war es überhaupt zum zu niedrigen Reifendruck gekommen? Hatte ihn das Aprilia-Team womöglich zu niedrig angesetzt, weil man von Startplatz fünf in den Sprint gehend nicht mit freier Fahrt ab Kurve eins gerechnet hatte? "Nein, sowas machen wir normalerweise nicht. Wir gehen beim Reifendruck kein Risiko ein", winkte Martin ab. Aber was dann das Problem? "Ich weiß nicht, warum wir heute nicht im Fenster waren. Es ist hier recht schwül, vielleicht hat sich das gegenüber gestern leicht verändert", rätselte er. "Wir werden das jetzt prüfen."
Eine Wiederholung darf es am Sonntag nämlich nicht geben, will Martin nicht noch mehr Punkte im Titelkampf einbüsen. Die WM-Führung ist er zumindest für 24 Stunden ohnehin erstmal wieder los, Marquez hat den Zwei-Punkte-Rückstand nun in einen Vier-Punkte-Vorsprung gewandelt. Umso frustrierender die Niederlage im Sprint also, denn Martin hätte mit einem Sieg auch auf fünf Zähler davonziehen können. Doch das Gute: "Ich bin schnell und konkurrenzfähig. Nicht nur hier, sondern überall. Die Ergebnisse werden also wieder kommen." Vielleicht ja schon am Sonntag? "Ich habe morgen eine großartige Chance. Sicher werden Marco und Fernandez stark sein, aber ich auch", gab sich der 'Martinator' kämpferisch.
Was meint ihr: Kann Jorge Martin am Sonntag zurückschlagen und sich WM-Führung von Marc Marquez zurückholen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Reaktionen zum Startdrama oder dem überraschenden Sieg der Nummer 93 gibt es unterdessen in unserem Liveticker von Tobias:



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