Anders als 2025 war die MotoGP im laufenden Kalenderjahr bislang weitestgehend von Zwischenfällen mit der Reifendruckregel verschont geblieben. Einzig Joan Mir hatte Ende Mai einmal für Aufsehen gesorgt, als er wegen einer Unterschreitung des Mindestdrucks um 0,004 Bar nachträglich sein Podium im Katalonien-GP verlor. In Mandalika schlug der ungeliebte Reifendruck nun aber gleich zwei Tage in Folge zu. Nachdem Jorge Martin bereits am Samstag im Sprint einen vermeintlich sicheren Sieg aufgeben musste, erwischte es im Grand Prix dann auch noch WM-Rivale Marc Marquez und dessen zukünftigen Ducati-Teamkollegen Pedro Acosta.

Los ging es in Runde 13, also etwa zur Rennhälfte. Hier ging Acosta vor Kurve 13 plötzlich vom Gas und ließ Marquez passieren, den er sechs Umläufe zuvor noch mit einem harten Bremsmanöver in Kurve zehn überholt hatte. Acosta klemmte sich sofort für zwei Runden ans Hinterrad der Ducati, ehe dann auch Marquez Platz machte. Er ging in Kurve zehn absichtlich weit und gewährte Acosta damit wieder den Vortritt. Der KTM-Pilot wollte diesen aber nicht und gab die Position nur zwei Runden später abermals an Marquez zurück. Erst in Runde 20 waren beide Piloten dann wieder kampfbereit: Acosta attackierte in Kurve zehn, konnte die Linie allerdings nicht halten und Marquez schlüpfte erneut in Front. In Kurve 16 dann der nächste Versuch von Acosta, diesmal mit Erfolg - und das auch von Dauer.

Eine echte Farce, die sich da abgespielt hatte - und die beide Piloten auch gehörig Zeit gekostet hatte. Lag Pedro Acosta zu Beginn von Runde 13 lediglich zwei Sekunden hinter Jorge Martin und Platz drei, war der Abstand bis zum finalen Platztausch mit Marquez auf ganze sechs Sekunden angewachsen. Der Traum vom Podium war damit ausgeträumt. Zudem konnte Ai Ogura dadurch entscheidend aufholen und beide Piloten in den letzten Runden jeweils noch eine Position abnehmen. So stand am Ende nur Rang fünf für Acosta und lediglich Platz sechs für Marquez, der die Führung in der Weltmeisterschaft damit wieder an Martin abtreten musste.

Pedro Acosta wütet über Reifendruckregel: Sehen aus wie Esel!

"Das hat mich extrem viel Zeit gekostet und mir die Möglichkeit genommen, heute in den Top-Vier ins Ziel zu kommen", ärgerte sich Acosta deshalb. Die Art und Weise, wie er sein Rennen zu Ende fahren musste, passte ihm überhaupt nicht. Ob sich das etwas dämlich anfühle, fragte ihn ein Journalistenkollege. Und Acostas deutliche Antwort: "Ja, wir sehen wie Esel aus!"

Pedro Acosta musste sich absichtlich hinter Marc Marquez zurückfallen lassen, Foto: KTM Media Library / Rob Gray
Pedro Acosta musste sich absichtlich hinter Marc Marquez zurückfallen lassen, Foto: KTM Media Library / Rob Gray

Weil das hinter einen Kontrahenten zurückfallen lassen, um den Reifendruck in dessen heißer Abluft wieder zu erhöhen, in den letzten drei Jahren nun schon häufiger vorkam, forderte der KTM-Pilot im Weiteren eine Anpassung der ungeliebten Regel von Michelin. "Ich verstehe ja, dass es einen Mindestdruck braucht", begann Acosta, "aber wir sollten diesen Druck einmal vor dem Start abnehmen und dann war es das. Denn du kannst nicht vorhersagen, was im Rennen passieren wird. Ich bin mir sicher, dass Martin gestern etwa erwartet hatte, dass Marco und Raul vor ihm fahren würden. Du kannst aber nicht kontrollieren, was die anderen machen. Deshalb sollten wir den Druck vor dem Start prüfen und gut ist."

Marc Marquez verrät: Keine Reifendruckprobleme, sondern Taktik!

Wäre eine solche Anpassung der Reifendruckregel für euch sinnvoll? Sagt es uns in den Kommentaren! Marc Marquez verriet im Weiteren übrigens, dass er entgegen erster Vermutungen am Sonntag nicht vom Reifendruck ausgebremst wurde. "Mein Hinterreifen hat stark nachgelassen, aber die Front war perfekt", überraschte er in seiner Medienrunde. Warum also hatte er Acosta in Runde 15 wieder durchgewunken? "Das war meine Strategie", verriet er und erklärte: "Es waren noch zwölf Runden zu fahren und ich wollte kein Risiko eingehen. Ich habe die Pace gespürt und wusste, dass mich Pedro und Ogura sowieso noch überholen würden. Ich hatte heute mehr zu verlieren als zu gewinnen."

Der Ducati-Pilot wollte es also nicht riskieren, sich von einem direkt hinter ihm fahrenden Acosta in einen Sturz treiben zu lassen. Dass am Ende 'nur' Platz sechs für ihn zu Buche stand, störte deshalb nicht. "Hätte mir am Donnerstag jemand gesagt, dass ich hier nur drei Punkte auf Bezzecchi verlieren und Martin egalisieren würde, wäre das ein Traum gewesen. Und den haben wir realisiert", jubelte Marquez sogar. "Auf der für uns schlechtesten Strecke ist uns ein großartiges Wochenende gelungen. Es stimmt, dass wir speziell in der zweiten Rennhälfte zu kämpfen hatten. Aber in Summe bin ich sehr froh darüber, wie wir dieses Wochenende abgeschlossen haben."

In welcher Stimmungslage WM-Rivale Jorge Martin Indonesien verlässt, erfahrt ihr von Tobias in unserem Liveticker: