Im Vergleich zu manch anderem Hersteller hat Honda eigentlich einen recht breit aufgestellten MotoGP-Fahrerkader. Doch momentan grassiert bei den Japanern die Seuche. Krankheiten und Verletzungen bringen das Werk in Not, wie der Fall des Rennverzichts von Aleix Espargaro in Indonesien weiter aufzeigte.
Nicht genug Kraft: Aleix Espargaro als Honda-Notnagel in Indonesien
Der Katalane war dort zu einem verfrühten Comeback nach einem schweren Testunfall in Sepang im April gekommen. Honda hatte beim Ersatz für den erkrankten Joan Mir keine Wahl mehr. Takaaki Nakagami brach sich eine Woche zuvor beim Wildcard-Start in Motegi das Schlüsselbein und Somkiat Chantra, der dort Mir vertrat, startete bei den Superbike-Rennen in Estoril.

"Es war sehr schwierig. Ich hatte große Probleme mit Armpump. Ich habe in allen Sessions mein Bestes versucht, aber bin bereits im Training gestürzt. Den Sprint wollte ich aus Respekt vor dem Team und auch für mich selbst unbedingt zu Ende fahren, aber das war sehr schwierig", gab Espargaro am Samstag an. Bereits im Vorfeld war klargeworden, dass sein Fitnesszustand nach langer Reha-Zeit eigentlich noch nicht ausreichend ist. Doch per Reglement war Honda dazu verpflichtet, einen Ersatzpiloten an den Start zu bringen.
"Ich hatte einfach keine Kraft im Arm beim Richtungswechsel. Ohne Kraft habe ich die Front verloren, ich konnte es einfach nicht mehr kontrollieren. Deswegen hatte ich auch Zweifel, ob ich überhaupt den Sprint fahren soll. Ich habe ihn dann ohne Risiko absolviert, wollte einfach nur ins Ziel kommen. Man konnte eindeutig sehen, dass ich nicht stark genug dafür war", stellte der 37-Jährige schonungslos fest.
850er-Test geht vor: Espargaro in Sepang im Einsatz
Am Sonntag verzichtete er dann auf einen Start im Grand Prix. Dies stellte sich als eine strategische Entscheidung seitens Honda heraus. Eine Woche nach dem Indonesien Grand Prix stand bereits wieder ein 850er-Test für ihn auf dem Plan. Es geht zurück zum Ort seines schweren Unfalls: "Nächste Woche soll ich das [den 850er-Test, Anm. d. Red.] bereits tun. Deswegen muss die Entscheidung getroffen werden, was vorzuziehen ist: Das Rennen fahren oder sich ein bisschen erholen, um frisch für den Test in Sepang zu sein. Ich werde zwei Tage dort sein." Letztlich wählte Honda den Startverzicht, um die Vorbereitung auf die neue Regelperiode von 2027 nicht noch weiter zu torpedieren.

Die Lage ist dahingehend durch Nakagamis Verletzung ohnehin bereits angespannt. Espargaro geht aber davon aus, dass er diese Aufgabe wesentlich besser als den Rennbetrieb absolvieren kann: "Fürs Testen fühle ich mich in Ordnung. Da fährst du eher drei bis vier Runden am Stück und nicht mehr. Rennfahren ist eine andere Nummer. Da musst du viele Runden bei hoher Pace fahren, das ist völlig anders."
Joan Mir weiter fraglich: Somkiat Chantra als einzige Alternative für Honda-Werksteam

Dennoch bleibt Honda in Fahrernot. Wann Joan Mir wieder ein Rennen fahren kann, ist derzeit noch unbekannt. Informationen zu seiner mysteriösen Erkrankung sind rar. Ab Australien (23. bis 25. Oktober) könnte in der Theorie wieder Somkiat Chantra für ihn einspringen. Der Thailänder machte seine Sache in Motegi gut, gilt aber auch als absoluter Spezialist für den Stop-and-Go-Kurs. Bereits in der Moto2 siegte er dort 2023 dominant. Anderenorts muss seine Konkurrenzfähigkeit in Frage stehen. Dass Aleix Espargaro so schnell die nötige Fitness erreichen wird, erscheint aber ebenfalls unmöglich. Effektiv droht das Werksteam derzeit zur One-Man-Show von Luca Marini zu werden.
Nicht nur beim Fahrerpersonal tut sich viel bei Honda. Auch auf der Chefetage der Motorsport-Abteilung gibt es Bewegung:



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