"Ich fühle mich viel besser", hatte Jorge Martin am Donnerstag wissen lassen und seinem zweiten Comeback-Versuch damit recht optimistisch entgegen geblickt. Offenbar zurecht, wie sich rund 24 Stunden später herausgestellt hat. Konnte der Aprilia-Pilot vergangene Woche in Malaysia noch maximal zwei fliegende Runden am Stück fahren, qualifizierte er sich am Freitag im Training zum Katar-GP nun schon wieder direkt für Q2. Die Hoffnung ist groß, den Kampf um die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 tatsächlich bis Portimao in zwei Wochen (20. - 22. November) offen halten zu können.

Starkes MotoGP-Training in Katar: Jorge Martin kann wieder Motorrad fahren

"Ich fühle mich gut, es wird besser", begann Martin seine Medienrunde am Freitag. "Ich wünschte, ich hätte dieses Gefühl schon in Malaysia gehabt. Dann wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen, aber das kann ich jetzt nicht mehr ändern. Ich bin immer noch nicht bei 100 Prozent und muss aufpassen, wie viel ich meinem Handgelenk abverlange. Ich verspüre immer noch Schmerzen. Aber ich kann wieder fahren und das auch über mehrere Runden in Folge."

Jorge Martin erlebte in Katar einen erfreulichen Trainingstag, Foto: IMAGO / PsnewZ
Jorge Martin erlebte in Katar einen erfreulichen Trainingstag, Foto: IMAGO / PsnewZ

Fünf Umläufe in Folge brachte der 'Martinator' im FP1 zustande, im Training unter Flutlicht dauerte sein längster Run dann sogar sechs Runden. Mag sich mit Blick auf die Sprintdistanz von elf Runden und die GP-Distanz von 22 Runden erstmal nicht nach sonderlich viel anhören, aber das ist es durchaus. Denn einzig Raul Fernandez absolvierte am Freitag mit sieben Runden am Stück einen noch längeren Run als Martin, einzig Franco Morbidelli brachte es ebenfalls auf sechs Umläufe in Folge. Alle anderen Piloten kehrten spätestens nach fünf fliegenden Runden in Serie wieder an die Box zurück.

Ein gutes Zeichen also, zumal Martin bei seinen Outings auch noch schnell war. Das FP1 beendete er mit sieben Zehnteln Rückstand auf Platz fünf, das Training mit sechs Zehnteln Rückstand auf Position sieben - und es wäre vielleicht sogar noch mehr möglich gewesen. "Ich hatte noch Luft, um meine Rundenzeit zu verbessern, aber mir hat am Ende etwas die Kraft gefehlt", ordnete der Weltmeister von 2024 ein. "Ich bin abends ganz gut [ins Training, Anm.] gestartet, aber mit jedem Run wurde der Schmerz etwas mehr. In der letzten 'Timeattack' bin ich deshalb nur eine Runde gefahren, aber die war auch so gut genug, um mich direkt in Q2 zu bringen."

Jorge Martin peilt zweite MotoGP-Startreihe für den Katar-GP an

Gar nicht unwichtig, denn so bleibt ihm am Samstagmittag der Gang durch das stressige 15-minütige Q1 erspart. Er kann Kräfte schonen, um einen guten Startplatz zu erfahren. "Wenn ich alles zusammen bekomme, ist vielleicht ein Platz in den ersten zwei Startreihen möglich", werden bereits wieder große Ziele gesteckt. Aber kein Wunder, denn die Rennpace soll nochmal besser als die Pace auf eine Runde sein - und dann wäre in Sprint und Grand Prix mit einem guten Startplatz einiges möglich. "Im Longrun ist der Schmerz gar nicht so schlimm", erklärte Martin diesbezüglich und gab an: "Natürlich werde ich in meinem Fahrstil in den extremen Positionen etwas limitiert, aber alles ist generell etwas langsamer und ich denke, dass wir das mit etwas Schmerzmittel durchstehen können. Heute morgen musste ich nach zwei Runden noch aufhören und eine Runde Pause machen, ehe ich wieder angezogen habe. Am Nachmittag habe ich aber verstanden, dass ich viel mehr Runden in Folge fahren kann. Wenn mir von heute auf Morgen nochmal die gleiche Verbesserung gelingt, dann sollte ich schnell und vorne dabei sein können."

Sorgen in Katar - Marquez vor WM-Chance: "Lieber woanders!" (09:06 Min.)

Es wäre wichtig, um die WM-Entscheidung nach Portimao zu vertagen. Dazu braucht Martin in Katar mindestens acht Punkte, sollte Marc Marquez die eigenen Hausaufgaben [mindestens 30 Punkte, Anm.] erledigen. "Ich will nicht wirklich darüber nachdenken. Ich fokussiere mich auf mich und versuche einfach, so viele Punkte wie möglich zu holen", ließ sich der 28-Jährige aus Madrid zwar keine Kampfansage entlocken, Aprilia-Teammanager Paolo Bonora aber schon: "Solange es rechnerisch möglich ist, werden wir nicht aufgeben. Wir wollen die Weltmeisterschaft offen halten. Wir wissen, dass wir hier die Chance haben, etwas auszurichten. Jorge hat hier in der Vergangenheit schon gewonnen."

Was meint ihr: Kann Jorge Martin nur zwei Wochen nach seinem Speichenbruch an der rechten Hand in Katar tatsächlich schon wieder um den Sieg mitkämpfen? Sagt es uns in den Kommentaren! Wann, wo und wie ihr Qualifying und Sprint am Samstag live im TV, Stream oder Ticker verfolgen könnt, erfahrt ihr derweil in diesem Artikel: