Toyota hat eigentlich schon Lexus, doch offenbar reicht selbst die etablierte Luxusmarke nicht mehr aus. Ein ungewöhnlicher Auftritt in Detroit liefert dafür gerade den vielleicht deutlichsten Hinweis: Als Toyota-Chef Akio Toyoda Ende September in die Automotive Hall of Fame aufgenommen wurde, kam er nicht etwa in einem Lexus oder einem gewöhnlichen Toyota vorgefahren. Er stieg aus einem Century SUV. Das Verblüffende daran: In den USA wird der Wagen offiziell gar nicht angeboten.

Zufall? Wohl kaum. Auf die Wahl des Fahrzeugs angesprochen, erklärte Toyota-Technikchef Hiroki Nakajima, man wolle die neueste Version des Century zeigen. Gleichzeitig bezeichnete er das Modell als „global model“ und sagte, Toyota interessiere sich für Rückmeldungen aus der amerikanischen Automobilbranche. Eine konkrete Markteinführung in den USA ist damit zwar noch nicht angekündigt. Die Richtung ist aber ziemlich eindeutig.

Toyota, Century SUV
Der aktuelle Toyota Century SUV, Foto: Toyota

Century steht künftig über Lexus

Toyota hat bereits im vergangenen Jahr die entscheidende Weiche gestellt: Century ist nicht länger nur der Name einer besonders exklusiven Limousine. Der Konzern baut daraus eine eigenständige Marke – und die bekommt einen Platz ganz oben in der Hierarchie.

Century soll künftig oberhalb von Lexus stehen und die absolute Spitze des Toyota-Konzerns bilden. Akio Toyoda beschrieb die Marke als „One of One“ – also als etwas, das bewusst nicht mit gewöhnlichen Luxusautos vergleichbar sein soll. Toyota will Century als Träger japanischer Handwerkskunst und japanischen Stolzes in die Welt tragen.

Toyota, Century, Concept
Foto: Toyota

Für Lexus ist das durchaus interessant. Die Marke muss damit nicht mehr zwanghaft versuchen, immer weiter nach oben in Richtung Rolls-Royce und Bentley vorzudringen. Century übernimmt diesen Platz.

Der Century ist in Japan längst eine Institution

Wer den Namen Century außerhalb Japans kaum kennt, könnte zunächst fragen, warum Toyota ausgerechnet damit gegen Rolls-Royce antreten will. In Japan muss man diese Frage nicht stellen.

Toyota, Century
Foto: Toyota

Der Century wird dort seit 1967 gebaut und war über Jahrzehnte das Auto für Menschen, die ganz oben angekommen sind. Mitglieder des Kaiserhauses, Premierminister und führende Manager nutzten die Limousine. Anders als bei vielen europäischen Luxusautos ging es dabei nie darum, möglichst auffällig zu zeigen, wie teuer das eigene Auto ist. Der Century pflegt eine andere Form von Luxus: leise, zurückhaltend und beinahe staatsmännisch.

Toyota selbst spricht von japanischer Handwerkskunst und Tradition. Details wie der Phoenix im Kühlergrill, aufwendig gefertigte Innenraumstoffe oder traditionelle Lackiertechniken gehören zur Identität des Modells.

Toyota, Century, Concept
Foto: Toyota

Aus einer Limousine wird eine ganze Familie

Der größte Unterschied zum Century vergangener Jahrzehnte: Es bleibt nicht mehr bei einer einzigen Limousine. 2023 stellte Toyota zusätzlich einen deutlich höher bauenden Century vor. Das SUV wird in Japan angeboten und ist inzwischen auch in China sowie in kleinen Stückzahlen in weiteren asiatischen Märkten und im Nahen Osten erhältlich.

Technisch ist der SUV ebenfalls weit von einem klassischen V12-Luxusliner entfernt. Unter der Haube arbeitet ein 3,5-Liter-V6-Plug-in-Hybrid. Toyota kombiniert damit elektrische Alltagstauglichkeit mit der Möglichkeit, längere Strecken als Hybrid zurückzulegen. In Japan kostet der Century SUV mindestens 25 Millionen Yen (140.650 Euro).

Toyota, Century, Concept
Foto: Toyota

Toyota zeigte 2025 des Weiteren ein Century Coupé als Konzept. Der Zweitürer wirkt deutlich extrovertierter als die klassische Limousine und deutet an, dass Century künftig nicht ausschließlich für Chauffeurfahrzeuge stehen soll.

Kommt der V12 zurück?

Noch spannender wird es unter der Haube. Seit Monaten kursieren Berichte, wonach Toyota für eine mögliche Serienversion des Century Coupés an einem neuen V12-Hybrid arbeiten könnte. Die Rede ist von einem 6,0-Liter-Triebwerk mit zwei Turboladern und elektrischer Unterstützung. Im Raum stehen bis zu 800 PS.

Toyota, Century, Concept
Foto: Toyota

Bestätigt ist davon bislang jedoch nichts. Doch den Century gab es bereits einmal mit einem V12. Die zweite Generation wurde von 1997 bis 2017 mit einem 5,0-Liter-V12 gebaut – und war damit das einzige Toyota-Serienmodell mit zwölf Zylindern. Seit der dritten Generation setzt Toyota dagegen auf einen V8-Hybrid. Der heutige Century SUV verwendet wiederum einen V6-Plug-in-Hybrid.

Der Century verlässt seine Heimat

Noch ist offen, wann und wo Century tatsächlich weltweit verkauft wird. Toyota hat bislang weder einen konkreten US-Start noch eine europäische Markteinführung angekündigt. Der Century SUV ist bereits in einigen Märkten außerhalb Japans erhältlich, doch ein globaler Rollout ist noch Zukunftsmusik.

Trotzdem wirkt der Auftritt in Detroit wie ein Testlauf. Ob Century irgendwann tatsächlich neben Rolls-Royce und Bentley auf den Parkplätzen der Superreichen steht, muss sich erst zeigen.