Im Fahrerlager der DTM gibt es seit geraumer Zeit einen beliebten Spruch: Wer am lautesten meckert, bekommt die beste BoP. Nach dem letzten Rennwochenende auf dem Norisring waren es in erster Linie die Ex-Champions Thomas Preining und Marco Wittmann, die ihrem Ärger über die Balance of Performance öffentlich freien Lauf ließen.
"Hier wird künstlich eingegriffen, und wir langsamer gemacht", zeigte sich Schubert-BMW-Fahrer Wittmann frustriert und forderte drastische Maßnahmen. Manthey-Porsche-Pilot Preining hatte gar Zweifel an seiner Zukunft in der DTM aufkommen lassen: "Ich bin wirklich kurz davor, dass ich sage: Das bringt nichts mehr, ich höre auf."
Jetzt in Oschersleben hat zumindest Preining den Spaß an der DTM wiederentdeckt und sich die Pole Position für das Samstagsrennen gesichert. Während Oschersleben der Charakteristik des wendigen Porsche 911 GT3 R grundsätzlich entgegenkommt und Preining das Potenzial als einziger 911-Fahrer voll ausschöpfen konnte, gilt das für den BMW M4 GT3 Evo weniger. Wittmann landete im Qualifying beim Heimspiel von Schubert Motorsport nur auf Platz 13, Teamkollege Kelvin van der Linde wurde 15.
Nicki Thiim schriebt Frust: Vielleicht sollte ich auch aufhören!
Noch dahinter: Nicki Thiim, der als amtierender Meisterschafts-Führender nicht über den 18. Platz hinauskam. Doppel-Pole und Doppelsieg am Norisring - drei Wochen später in Oschersleben hingegen im Nirgendwo mit dem Aston Martin Vantage! Dem deutschsprachigen Dänen, der für seine markigen Sprüche bekannt und bei den Fans beliebt ist, reichte es nach der Qualifying-Klatsche gehörig!
"Lustig, was alles geschrieben wird mit der BoP", sagte Thiim frustriert am ProSieben-Mikro. "All die Artikel mit Mister Wittmann und Preining, 'wir hören auf' und so weiter. Vielleicht sollte ich das auch tun, aufhören, dann krieg ich auch 15 Kilo raus und mehr Power. Tut mir leid, gerade frustriert."
Thiim weiter: "Gut, dass wir das (BoP) haben. Aber du kannst nicht einfach bestraft werden für eine gute Leistung auf einer Strecke (Norisring; d. Red.), wo du einfach riesig dicke Eier brauchst. Das ist nicht mein Problem, dass die Jungs da nicht rumkommen können. Dass man daraus seine Schlüsse zieht und uns komplett einbremst... Jetzt bin ich der Leidtragende. Jetzt sage ich, ich höre auch auf, ich hab' keine Lust mehr, dann krieg ich mehr Dampf auf die Kette!"
Das sind die Favoriten in Oschersleben
Tatsächlich erhält Thiim im Samstags-Rennen sogar noch 20 Kilo Erfolgsballast nach seinem Sieg am Norisring obendrauf. Dass Oschersleben nicht zu den Paradestrecken des Aston Martin Vantage GT3 Evo zählt, war Experten schon vor dem Beginn des Wochenendes klar gewesen. Die 14 hauptsächlich langsamen und mittelschnellen Kurven liegen dem Konzept des britischen Sportwagens nicht.
Stattdessen galten Porsche, Mercedes-AMG, Ferrari und potenziell der neue Lamborghini Temerario als Favoriten. Das Ergebnis im wichtigen Qualifying - Überholmanöver gelten im Rennen als Kunststück - spiegelte diese Annahme wider: In den Top-10 tummelten sich ein Porsche, ein Ferrari, zwei Lamborghini und alle vier Mercedes-AMG GT3. Hinzukamen die beiden McLaren von Ben Dörr und Timo Glock. BMW, Ford und Aston Martin präsentierten sich hingegen überhaupt nicht konkurrenzfähig.
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