Die Sensation ist perfekt: Mirko Bortolotti hat das Sonntags-Rennen der DTM in Oschersleben gewonnen! Für den neuen Lamborghini Temerario GT3 war es der erste Sieg im Motorsport. Riesengroßer Jubel bei Bortolotti vor 55.1000 Zuschauern am fünften Rennwochenende der Saison 2026 - und ebenso bei seinem GRT, zu dem er in diesem Jahr zurückgekehrt war.
Umso mehr, weil GRT nach dem schweren Norisring-Unfall von Maximilian Paul mit nur einem Lamborghini nach Oschersleben gereist war. Dass der bisher eher problembehaftete Lamborghini Temerario samt DTM-Zusatzhomologation schnell war in der Magdeburger Börde war, hatte sich schon am Samstag durch den zweiten Platz von Abt-Fahrer Luca Engstler abgezeichnet. Aber ein Sieg?!
Preining 'hilft' Bortolotti auf dem Weg zum DTM-Sieg
Bortolotti schaffte das unerwartete Kunststück auch dank der Hilfe von Thomas Preining: Der Pole-Setter verlor beim zweiten Boxenstopp einige Sekunden und musste in der Folge sowohl Bortolotti als auch den Zweitplatzierten Maro Engel passieren lassen. Preining musste sich nach seinem Sieg am Samstag mit dem dritten Platz auf dem Podium begnügen.
Bei Bortolotti lief auf dem Weg zum ersten DTM-Sieg seit September 2024 hingegen alles nach Plan: Der Italiener hatte das Rennen vom sechsten Startplatz aufgenommen und schon beim ersten Pflicht-Boxenstopp dank einer Overcut-Strategie Positionen gewonnen. Plötzlich lag Bortolotti an zweiter Stelle, wunderte sich am Funk aber über die starke Pace von Vordermann Preining. Bortolotti konnte den Rückstand zwar auf 1,3 Sekunden verkürzen, doch die Vorentscheidung fiel bei der zweiten Runde der Boxenstopps.
DTM Punktestand: DTM Gesamtwertung 2026 als Tabelle
Maro Engel setzt sich in der Meisterschaft ab
AMG-Ass Maro Engel erzielte mit P2 seinen zweiten Podestplatz an diesem Wochenende und reist als Gesamtführender in der Meisterschaft ab. Auch der von P5 gestartete Winward-Mercedes-Pilot profitierte bei den ersten Boxenstopps von einer geschickten Overcut-Strategie mit einem späten Reifenwechsel. Umso besser für Engel: Seine Titelrivalen Nicki Thiim (P13) und Lucas Auer (P12) holten am Sonntag kaum Punkte.
Hinter den Top-3 ging es bis zum Schluss zur Sache: Marco Wittmann (Schubert-BMW) verteidigte den vierten Platz bis zum Ende tapfer gegen Luca Engstler (Abt-Lamborghini), der seinen zweiten Startplatz nicht in ein weiteres Podest umwandeln konnte. Für Wittmann war es nach dem Ausfall am Samstag ein versöhnlicher Abschluss beim Heimspiel seines Teams Schubert Motorsport.
Auf den Plätzen sechs, sieben und acht in einem von der Strategie geprägten Rennen: Arjun Maini (HRT-Ford), Kelvin van der Linde im zweiten Schubert-BMW und Ricardo Feller (Manthey-Porsche). Jules Gounon (Winward-Mercedes) und Matteo Cairoli (Emil-Frey-Ferrari) komplettierten die Top-10.
Das sechste von acht Rennwochenenden der DTM-Saison 2026 steigt auf dem Nürburgring (14.-16. August).
DTM Oschersleben: So lief das Rennen am Sonntag
Die Startaufstellung: Thomas Preining gelang es als erstem Fahrer der GT3-DTM-Ära in Oschersleben, die Pole Position am Samstag und am Sonntag einzufahren. Deja-Vue auch auf dem zweiten Startplatz: Luca Engstler konnte sein Qualifying-Ergebnis vom Vortag wiederholen und komplettierte erneut die erste Startreihe. Dahinter folgten Marco Wittmann, Arjun Maini, Maro Engel und Mirko Bortolotti auf den Startpositionen drei bis sechs. Kelvin van der Linde und Matteo Cairoli komplettierten die Top-8 der Startaufstellung.
Der Start: Luca Engstler setzte eine frühe Attacke auf Polesetter Thomas Preining, konnte sich aber nicht final durchsetzen. Dahinter wurde es eng zwischen Arjun Maini und Marco Wittmann, wobei der Inder mit seinem Ford Mustang die dritte Position übernahm. Kelvin van der Linde gewann zwei Plätze und beendete die erste Runde an fünfter Stelle. Maro Engel verlor hingegen zwei Plätze und fiel bis auf P7 zurück. Größter Gewinner der Startphase war Abt-Pilot Marco Mapelli (von P17 auf P12).
Die erste Rennhälfte: Das erste Boxenstopp-Fenster öffnete sich in der 7. Runde - Nicki Thiim nutzte die Gelegenheit umgehend und bog von den hinteren Plätzen ab. Buus, Wiebelhaus, Vermeulen und Auer aus dem Mittelfeld waren im folgenden Umlauf als nächste Fahrer an der Reihe. Gounon, Mapelli, Dörr und Kalender ließen in Runde 9 frische Reifen aufziehen.
Wiebelhaus musste seinen HRT-Ford nach 10 Runden abstellen und erlebte den zweiten Ausfall an diesem Wochenende. Der DTM-Rookie meldete eingangs der Boxengasse einen Reifenschaden hinten rechts. Timo Glock holte sich unterdessen einen neuen Satz Reifen ab. In Runde 11 absolvierten Van der Linde, Cairoli und Baert ihre Pflicht-Reifenwechsel.
Dann war langsam die Spitzengruppe an der Reihe: Maini, Wittmann und Feller bogen in Runde 12 gleichzeitig in die Boxengasse ab. Weil der HRT-Reifenwechsel diesmal glatt lief, behielt Maini den virtuellen dritten Rang vor Wittmann. Luca Engster bog von P2 in Runde 13 an die Abt-Box ab und ließ dabei rund zwei Sekunden liegen. Nach dem Stopp von Maro Engel (Runde 14) fuhren nur noch Spitzenreiter Preining und Bortolotti auf ihren Startreifen.
Preining legte seinen Pflicht-Stopp dann in Runde 15 ein und verteidigte die virtuelle Führung vor Maro Engel, dessen Overcut ihm drei Platzgewinne einbrachte. Bortolotti kam dank Overcut-Stopp in Runde 16 ebenfalls nach vorne und behauptete die zweite Position vor Engels Mercedes.
Der weitere Rennverlauf: Preining führte nach den ersten bereinigten Boxenstopps mit 2,8 Sekunden vor Bortolotti, Engel und Engstler. Maini, Wittmann und van der Linde folgten auf den Plätzen fünf, sechs und sieben. 23 Minuten vor dem Rennende begann es leicht zu tröpfeln über der Motorsport Arena Oschersleben und der Wind nahm spürbar zu. Für Regenreifen war der Asphalt jedoch viel zu trocken, sodass sich keine größere Panik bei den Teams breitmachte.
Bortolotti wollte sich mit dem zweiten Platz offenbar nicht zufriedengeben und gaste an: Der Lambo-Pilot verkürzte seinen Rückstand zu Preining auf 1,3 Sekunden. "Der fliegt wieder, das ist verrückt", zeigte sich Bortolotti jedoch von der Pace des Grello-Porsche überrascht.
In Runde 27 - 16 Minuten vor dem Rennende - öffnete sich das kurze Boxenstopp-Fenster zum zweiten Mal. Cairoli eröffnete sofort den Reigen, auch Dörr und Baert kamen rein. In Runde 28 waren Glock, Thiim, Mapelli und Kalender an der Reihe. Es ging munter weiter in Runde 29: Wittmann, Feller, Gounon, Buus und Vermeulen holten sich einen weiteren Reifensatz ab. Zu Positionswechseln kam es dabei nicht.
Dann wurde es in Runde 30 geschäftig in der Boxengasse kurz vor der Schließung des Pit-Window: Preining, Bortolotti, Engel, Engstler, Maini, van der Linde und Auer bogen zum Reifenwechsel ab! Bortolottis Stopp dauerte zwei Sekunden kürzer als der von Preining, womit der Lambo-Fahrer die Führung übernahm! Preining verlor den zweiten Platz obendrein an Mao Engel und fiel bis auf P3 zurück.
Wittmann musste seinen vierten Platz hart gegen den heranstürmenden Luca Engstler verteidigen, der wegen Abdrängens eine Verwarnung kassierte. Bortolotti konnte sich mit 3 Sekunden Vorsprung an der Spitze absetzen und Engel locker hinter sich halten. Preining auf P3 musste sich nach hinten orientieren, weil Wittmann mit frischeren Reifen heranflog. Für einen Angriff reichte es allerdings nicht.



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