Die Hitzewelle in Europa macht auch für die Formel 1 nicht halt. Für das Wochenende in Spielberg werden Temperaturen von weit über die 30-Grad-Grenze erwartet, weshalb die Rennleitung am Donnerstag vor dem Großen Preis von Österreich den Hitze-Alarm ausruft. Das stellt die Fahrer vor eine schon fast philosophische Grundsatzfrage: Kühlweste anziehen oder weglassen?

Das Kühlsystem muss nach dem Deklarieren des "Heat Hazard" verpflichtend im Auto verbaut werden. Doch die Piloten können selbst wählen, ob sie die dazugehörige Weste unter ihren Rennanzügen tragen. Entscheiden sie sich dagegen, müssen 0,5 Kilogramm zum Ausgleich ins Auto gepackt werden. Das mit einem etwa 50 Meter langen Schlauch bepackte Kleidungsstück hat seit seiner Einführung im letzten Jahr Diskussionen unter den Fahrern ausgelöst.

So auch bei seinem ersten Einsatz in dieser Saison. Ein ganz klares Nein bekommt die Weste von Max Verstappen. Keine Überraschung, denn der Niederländer ist einer ihrer größten Kritiker. "Ich mag die ganzen Kabel im Auto nicht", lautet seine Erklärung beim Red-Bull-Heimspiel. "Ja, es ist heiß. Aber diese Autos sind nicht besonders körperlich zu fahren. Wir hatten schon viele heiße Rennen, letztes Jahr war es hier auch warm. Das ist für mich in Ordnung."

Isack Hadjar verzichtet auf Kühlweste: Auto gibt früher auf als ich

Verstappens Teamkollege Isack Hadjar teilt seine Abneigung: "Ich mag die Kühlweste wirklich nicht, denn es sind so viele Schläuche, so viele Dinge, die im Cockpit passieren, und es ist nicht bequem." Aus dem Rennanzug schauen zwei Anschlüsse heraus, die an das separat im Auto verbaute System angeschlossen werden. Das sorgt dafür, dass Kühlflüssigkeit in der Weste zirkuliert und wieder abgekühlt wird.

Hadjar ist ohnehin überzeugt, dass die Kühlweste überflüssig ist. "Ich habe sie noch nie gebraucht. Wenn ich sie jemals wirklich brauchen würde, heißt das, dass die Autos es auch nicht aushalten und wir nicht fahren könnten. Ich glaube, das Auto gibt früher auf als ich." Außerdem sei die Temperatur beim Fahren nicht wirklich ein Problem: "Mit den offenen Cockpits haben wir eine gute Lüftung. Der schlimmste Moment ist, wenn du 0 km/h fährst."

Dazu hat die Klimaanlage auch ihre Schwächen. "Es funktioniert sehr gut für zehn Minuten und dann wird es wieder warm", beschwert sich Hadjar. Über die gesamte Renndistanz kann das durch das Auto immer heißer werdende Wasser nicht mehr genug gekühlt werden. Niemand weiß das besser als WM-Leader Kimi Antonelli: "Jedes Mal, wenn ich die Kühlweste verwendet habe, hat das nicht gut geendet."

Damit spielt der Mercedes-Pilot auf den USA GP 2025 an. Beim Training führte ein Fehler im System dazu, dass das Wasser erhitzt statt gekühlt wurde. "Ich wurde im Auto gekocht", erinnert er sich zurück. Jetzt will er erst einmal abwarten, bis die Klimaanlage besser ausgefeilt ist, bevor er sie wieder verwendet. Die Hitze ist jedoch kein Problem für Antonelli: "Ich bin Italiener, ich bin dieses Wetter gewohnt."

Oscar Piastri für Kühlweste: Ist aber kein Game-Changer!

Dasselbe Argument haben Sergio Perez und Arvid Lindblad. "Für mich ist die Hitze ganz in Ordnung. Ich weiß nicht, ob das so ist, weil ich zum Teil Inder bin", erklärt der Rookie. Für Perez ist die europäische Empfindlichkeit amüsant: "Ich will die Weste nicht benutzen. Ich bin Mexikaner, für mich ist es nicht zu warm. Es bringt mich zum Lachen, dass alle Europäer so besorgt wegen der Temperaturen sind. Für mich ist es angenehm." Dennoch wird er die Weste tragen, "um mich ein bisschen abzukühlen."

Einer der Wenigen, die tatsächlich für die Kühlweste sind, ist Oscar Piastri. Er wird das System "wahrscheinlich schon" in Anspruch nehmen, wie er in Spielberg erzählt. "Ich habe es letztes Jahr ein paar Mal verwendet. Klar besteht das Risiko, dass etwas schiefgeht. Wenn das passiert, dann ist es viel schlimmer als ohne. Aber wenn du es gut hinbekommst, dann kann es etwas helfen", so Piastri. Ein Game-Changer sei die Weste aber nicht.

Was wirklich hilft, ist Training. Um mit den teils extremen Temperaturen, die besonders bei den Rennen im Golf-Raum und in Südost-Asien herrschen, zurechtzukommen, trainieren Fahrer extra in Saunas. "Ich habe keine Zeit in der Sauna verbracht, aber ich habe tragbare Heizgeräte, ein kleines Badezimmer und ein Trainingsrad. Damit kann man es sich sehr unbequem machen und viel Schmerzen zufügen, aber das tue ich, um meine Performance zu verbessern. Definitiv nicht zum Vergnügen", erzählt Piastri.

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