Europa stöhnt gerade im Juni unter einer brutalen Hitzewelle. Die macht auch vor Österreich nicht Halt, und zwischen den Hügeln in Spielberg sind am Red Bull Ring für das ganze Formel-1-Wochenende Temperaturen über 30 Grad Celsius prognostiziert. Das löst erstmals bei einem Europarennen nun den Hitzealarm und die Kühlsystem-Pflicht aus.

Diese "Klimaanlagen" waren nach der berühmten Hitzeschlacht 2023 in Katar konzipiert worden. Seit dem Vorjahr gibt es jetzt im Reglement Provisionen für den sogenannten "Heat Hazard". Dieser Hitze-Alarm kann von der Rennleitung bis zu 24 Stunden vor Beginn eines Rennwochenendes ausgelöst werden.

Grundsätzlich passiert das, wenn ein extra dafür berechneter Hitze-Index 31 Grad übersteigt. Dieser Index-Wert ist nicht die reine Lufttemperatur, sondern bezieht etwa auch die Luftfeuchtigkeit ein, um die tatsächlich gefühlte Temperatur zu bedenken. Der Hitze-Alarm kann aber auch einfach vom Rennleiter deklariert werden, egal ob der Grenzwert überschritten wird oder nicht.

Bis zu 36 Grad bei Formel 1 in Österreich möglich

In Österreich kündigt sich der Höhepunkt der aktuellen Hitze tatsächlich perfekt für das Wochenende an. Am Freitag werden bereits Lufttemperaturen bis zu 34 Grad erwartet. Für Qualifying und Rennen kann es dann am frühen Nachmittag bis zu 36 Grad Celsius Lufttemperatur erreichen.

Danner über Motorenregeln: Es ist zu wenig meiner Ansicht nach (05:16 Min.)

Das ist noch einmal potenziell ein Stück heißer als vor zwei Wochen in Barcelona. Dort hatte der offizielle Wetterdienst im Rennen einen Höchstwert von 31,5 Grad gemessen. Es ist auch heißer als in den letzten Österreich-Jahren, obwohl das Rennen mit seinem Sommertermin traditionell eine Hitzeschlacht ist. Im Vorjahr wurden 32,8 Grad erreicht.

In Barcelona war nach dem Wochenende schon die Frage im Raum gestanden, warum der Hitzealarm nicht proaktiv ausgelöst wurde. Das liegt daran, dass es den meisten Teams aktuell nur bei Hitzealarm sinnvoll möglich ist, die Fahrer-Kühlsysteme zu verbauen.

Diese Systeme sind mehrere Kilo schwer und pumpen kühles Wasser in eine Kühlweste, die der Fahrer unter dem Rennanzug trägt. Wird ein Hitzealarm ausgelöst, so wird das Mindest-Gewicht im Qualifying um 2 und im Rennen um 5 Kilogramm angehoben, um allen das Einbauen ohne Nachteil zu ermöglichen. Das System muss verbaut werden, der Fahrer muss sich aber nicht anschließen. Wenn er nicht will, muss er dafür ein Zusatzgewicht von 0,5 Kilo im Cockpit als Ersatz für die Kühlweste mitführen.

Gewichts-Problem und andere Streitpunkte um Formel-1-Kühlwesten

Schon im Vorjahr war das Einsetzen zu Saisonbeginn Teil von Debatten gewesen. Bei den Hitzerennen in der Golfregion war der Alarm nicht ausgelöst worden. Dadurch konnten nur Teams, die ausreichend unter dem Mindestgewicht waren, das System verbauen. Mehrere Fahrer forderten danach ein proaktiveres Auslösen.

Das Thema ist 2026 erst recht akut, weil die neuen Autos in ihrem frühen Entwicklungsstadium noch bei vielen Teams kaum oder gar nicht unter dem Mindestgewicht sind. Wird dieses also nicht extra angehoben, so wollen viele Teams und Fahrer die zusätzlichen Kühlsysteme aus Angst vor einem sportlichen Nachteil nicht freiwillig verbauen.

Im Vorjahr wurde der Hitzealarm am Ende nur bei zwei Rennen, in Singapur und in Austin, ausgelöst. Die Kühlwesten sind aber bei einer nicht unwesentlichen Anzahl an Fahrern, darunter Max Verstappen, und Charles Leclerc, ohnehin unpopulär. Eine ursprünglich angedachte generelle Pflicht ab 2026 war daher wieder zurückgenommen worden.

Zum einen sind sie unbequem, zum anderen hält die Kühlung nicht dauerhaft an. Das Wasser beginnt sich über die Renndistanz langsam zu erwärmen. Die Gegner verweigern das System also oft aus Angst vor einem halben Rennen mit immer wärmer werdenden Wasserschläuchen am Körper.