Die Formel 1 erlebte in Österreich ein kontroverses Ende des Qualifyings. Nach einem Crash von Max Verstappen auf den entscheidenden letzten Runden brach ein Mercedes seine Runde für die gelben Flaggen an der Unfallstelle ab - der andere zog die Pole-Runde durch. George Russell sieht sich absolut im Recht und kontert jegliche Sicherheitsbedenken.
Russell war davor das ganze Qualifying Kimi Antonelli hinterhergefahren. Auf seiner ersten Q3-Runde kam er immerhin besser in den Rhythmus, lag aber immer noch zurück. Dann flog Max Verstappen direkt vor beiden in der vorletzten Kurve raus ins Kiesbett und krachte in die Absperrung. Die gelben Flaggen folgten sofort. Und es sah kurz so aus, als würde Russell deswegen hinter beiden Ferrari und Antonelli nur auf P4 landen.
Doch wenige Sekunden später die Überraschung: Russells Name an der Spitze des Ergebnisses, Pole trotz Unfall und gelber Flagge? Die FIA-Stewards warfen nach dem Qualifying nur einen kurzen Blick auf die Szene und legten sie ohne weitere Ermittlung sogar sofort zu den Akten. Wie kann es sein, dass ein Fahrer bei einem Unfall vor sich unter gelber Flagge auf Pole fährt?
George Russell kennt Regeln und wird mit Pole belohnt
Entscheidend für Russells Pole und verbriefter Unschuld: Er kannte die Flaggensignale und ihre Anforderungen genau. Nach dem Verstappen-Abflug schaltete der Streckenposten davor schnell und zeigte eine einfache gelbe Flagge. Dann muss man verlangsamen, aber die Runde zählt. Nur bei Doppelgelb müsste man deutlich rausnehmen, und die Runde würde außerdem automatisch gestrichen.
Bei Doppelgelb blinkt das Lichtpaneel hier in abwechselnden Dreiecken, bei einfach gelb hingegen blinkt die komplette Fläche. Antonelli interpretierte das Signal falsch und brach seine Runde ab, Russell aber las die Situation richtig. Er musste nur vom Gas gehen, um die regulative Vorgabe zu erfüllen. Das tat er clever, ungefähr 100 Meter früher als sonst, wie die Daten bestätigen.
"Es ist eine Kurve, in der du viel siehst", sieht Russell sich absolut im Recht. "Ich bin massiv vom Gas, um die Situation dann in der Kurve zu checken. Ob da ein Auto war. Da es nur einfach Gelb war, war ich recht zuversichtlich, dass da keine Gefahr war. Als ich dann einlenkte, sah ich schon Grün weiter vorn. Tatsächlich dachte ich, dass das Auto weitergefahren sei. Es war so weit abseits der Strecke, dass ich erst auf Replays sah, dass es in der Wand war."
Einfach gelbe Flaggen für George Russell trotz Unfall völlig ausreichend
"Zum Glück hat der Hausverstand die Oberhand behalten", lobt Russell daher nach dem Qualifying die ganze Situation. Davon, dass eine einfach gelbe Flagge bei einem Auto in der Wand nicht reichen würde, will er nichts wissen: "Doppelgelb heißt unmittelbare Gefahr."
Diese unmittelbare Gefahr war laut Russell dank der großen Auslaufzone in der vorletzten Kurve absolut nicht gegeben: "Wenn du bei einfach gelber Flagge 100 Meter früher vor der Kurve vom Gas gehst, wirst du da nie die Kontrolle verlieren. Verstappen war in der Wand, weil er die Kurve attackiert hat. Einfach Gelb war korrekt, ich habe alles richtig gemacht, und hatte alles unter Kontrolle."
George Russell mit Befreiungsschlag nach Ermahnung von Toto Wolff
Die Daten bestätigen nicht nur Russells Geschichte, sondern zeigen außerdem auch, dass er es gar nicht gebraucht hätte, dass Antonelli die Runde abbrach. Schon davor war er auf einer Monsterrunde unterwegs und eineinhalb Zehntel vorn. Darauf hätte nach Q2 wohl niemand gewettet. Dort hatte Russell seine erste Runde komplett vermurkst und bekam sogar einen mahnenden Funkspruch von Teamchef Toto Wolff: "Fahr einfach."
"Diese kleinen Nachrichten beziehen sich oft auf persönliche Gespräche, die wir unter der Woche haben", erklärt Russell die Hintergründe der Funksprüche. "Ihr hört die ohne den Kontext, aber mir bedeutet das viel. Es erinnert mich daran, dass ich es kann, dass ich es immer in meiner Karriere konnte, und dass es keinen Grund gibt, warum ich es nicht heute schaffen könnte."
Russell räumt bereitwillig ein, dass er bis dahin zu viel wollte, nachdem er das ganze Österreich-Wochenende fast nie auf Antonellis Level gewesen war: "Wenn du immer zwei, drei Zehntel im Hintertreffen bist, kannst du nicht sagen, dass du weniger hart rangehst, das klappt nicht. Wenn es nicht läuft, willst du mehr und mehr tun. Im Auto fünf Meter später in die Kurve bremsen."
Erst in Q3 konnte Russell das abschütteln und einfach das fahren, was das Auto hergab. Im ersten Versuch war er erstmals im Qualifying dann auf unter einer Zehntel an Antonelli dran. Letztes Feintuning der Frontflügel-Einstellung und der Aufwärmrunde ergänzt mit dem von Wolff vermittelten Selbstvertrauen produzierten dann die perfekte letzte Runde: "Die war unglaublich."
"Solche Momente stellen das Selbstvertrauen wieder her", räumt Russell ein. Damit hat er in Österreich die nächste Chance, seine seit dem Saisonstart anhaltenden Sieglos-Serie zu beenden. "Kimi hat bisher tagtäglich einen sensationellen Job gemacht. Aber habe ich das Selbstvertrauen, ihn zu schlagen? Ja, es muss nur klicken, wie heute, in Barcelona, Kanada, China. An einem Punkt müssen Ergebnisse kommen, die ganze Saison Pech zu haben ist unmöglich."



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