Es ist eine alte Tradition in der Formel-1-Gemeinde. Jährlich treffen wir uns an gleicher Stelle und zelebrieren die Gerüchte um einen Teamwechsel von Max Verstappen, die er selbst mehrere Wochen lang nicht aus der Welt schaffen will, bis er schließlich doch einlenkt und ein Bekenntnis zu Red Bull abgibt. Lange kann das nicht mehr gutgehen.

Im Ernst, es ist das dritte Jahr mit diesem Tanz. Das dürfen wir eingangs nicht vergessen. Obwohl Verstappen nominell bis 2028 einen gültigen Vertrag mit Red Bull hat, begann es 2024, als es intern bei Red Bull brodelte und Mercedes einen freien Platz hatte. Datum des endgültigen Verstappen-Bekenntnisses: 27. Juni 2024.

Für ein Jahr eben. 2025 fanden wir uns an genau gleicher Stelle wieder. Neue Mercedes-Gerüchte, ein Verstappen, der sich wochenlang zierte, dann am 28. Juli 2025 die Klarstellung aus dem Verstappen-nahen niederländischen Umfeld: Ja, er bleibt 2026 bei Red Bull.

Verstappen strapaziert Red Bulls Geduld zum dritten Mal

Und ein Jahr später haben wir uns wieder hier versammelt. Hört man Verstappens gefrustete Antworten auf die Nachfragen dazu in der Pressekonferenz vor dem Belgien-GP am Donnerstag, wäre man versucht, ihn vom Haken zu lassen. Es sind doch bloß Social-Media-Gerüchte, vage Posts ohne Quellen?

Doch wenn das so wäre, dann wäre ein Treuebekenntnis sicher nicht so schwer. In der Realität spielen Verstappen und sein Umfeld das Spiel offensichtlich wissentlich am Limit. Verstappens Antworten auf diese Nachfragen sind immer ähnlich: genervt, knapp, und gekonnt so formuliert, dass sie vor einer simplen Garantie Halt machen.

Gibt es Updates zu deiner Zukunft? "Nein." Was bedeuten die Spekulationen? "Nichts." Hast du ein Datum im Kopf? "Von meiner Seite gibt es nicht mehr zu sagen." Gilt dein voller Einsatz für 2027 Red Bull? "Ich sagte, ich habe nichts zu sagen." Das sind Verstappens wortkarge Antworten auf kritische Vertragsfragen in Spa.

Währenddessen berichten im Verstappen-Umfeld gut vernetzte niederländische Medien wiederholt von seinem Frust. Red Bull höre nicht auf ihn. Ein Post eines niederländischen Journalisten mit einem Foto von Vater Jos, Manager Raymond Vermeulen und Ex-Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko bei einem Treffen, mit einem vagen Verweis auf Verstappens Zukunft machte letzte Woche die Runde.

Wie lange kann die Ehe Verstappen und Red Bull so noch halten?

Inhaltlich ist so ein Post natürlich fast wertlos (und die Beteiligten versicherten danach, man habe sich unter anderem für die Hochzeit von Verstappens Schwester getroffen), aber man kommt nicht umhin festzustellen, dass der Wille aus dem Verstappen-Lager fehlt, Gerüchte zu verhindern oder zu entschärfen. Der Sinn dahinter muss kein ehrlicher Wechselbedarf sein. Es kann auch einfach darum gehen, Druck auf Red Bull aufzubauen, damit man gewünschte interne Änderungen bekommt.

Für einen Außenstehenden sieht das aber inzwischen nicht mehr gesund aus. Einmal kommt man über den Tanz vielleicht hinweg, zweimal, na gut, aber drei Mal? Irgendwas liegt da intern im Argen, und dass sich das jedes Jahr wiederholt, wenn die Deadline von Verstappens berüchtigter Ausstiegsklausel naht, muss diese Beziehung zumindest ganz oben auf Management-Ebene mit dem Konzern inzwischen mächtig strapazieren.

Wenn man jedes Jahr zu dieser Vorschlaghammer-Methode greifen muss, bei der die ganze Geschichte unweigerlich wieder zur Hälfte in der Öffentlichkeit ausjudiziert wird, anstatt hinter verschlossenen Türen, muss man sich eigentlich irgendwann eingestehen: Das funktioniert alles offensichtlich nicht mehr. Es wird Zeit für die Scheidung.

Verstappen ohne Red Bull - aber wohin?

Nur um dabei klarzustellen: Ich will nicht sagen, dass das 2026 passieren wird. Ich sage, dass sich beide Seiten langsam einmal überlegen sollten, ob es nicht gesünder für beide wäre, getrennte Wege zu gehen. Dem steht nur 2026 mehr denn je die Realität im Wege. Rückblickend betrachtet hätten sie es wohl wirklich 2024 oder 2025 machen sollen...

2026 ist kein guter Zeitpunkt. Ferrari? Nein. Mercedes? Nicht mehr. Wer erinnert sich noch an ein paar wilde 100-Millionen-Gerüchte von Aston Martin? Da müsste Lawrence Stroll nach dieser ersten Saisonhälfte wohl noch ein paar Nullen dranhängen. Und der Rest des Mittelfeldes? Wie, Verstappen in einem Alpine? Guter Witz, Flavio.

Das erklärt auch schnell die McLaren-Fixierung. Verstappen kann mit Lando Norris, sein Renningenieur GP Lambiase ist auf dem Weg dorthin, sein alter Chefstratege und sein alter Chefdesigner sind schon dort. Bleibt nur eine Hürde: McLaren müsste Oscar Piastri feuern.

"Es wurde viel Fiktion über ihn und andere Teams geschrieben", beklagte sich Piastri-Manager Mark Webber da erst vor wenigen Tagen gegenüber 'Racer'. "McLaren hat wiederholt gesagt, man will ihn langfristig, und Oscar ist darauf fokussiert." McLaren-Motorsportchef Zak Brown dementierte Gespräche mit dem Verstappen-Lager zuletzt zwar nicht, aber "Gespräche" können berühmterweise auch heißen, dass jemand aus dem Verstappen-Lager auf Brown zukam, Brown es sich anhörte, und dann nicht weiter verfolgte.

"Es ist die gleiche Nummer wie letztes Jahr mit ihm und Mercedes, nichts Neues", ist sich Piastri selbst seiner Sache sicher. Darauf scheint es aktuell hinauszulaufen. Der ganze Tanz für nichts, nur um in ein paar Wochen dann doch ein Bekenntnis zu Red Bull zu haben, wenn die Optionen nicht mehr glaubwürdig sind oder intern ein paar Zugeständnisse kommen. Ob das seit 2024 hadernde Team durch diese wochenlangen Episoden jedes Jahr wirklich besser wird?

Verstappen will nichts davon hören, dass dieses Geplänkel das Tagesgeschäft beeinflusse: "Manchmal bist du nach einem Rennen etwas sauer, aber nach Silverstone bin ich zum Beispiel nach Hause, für einen Reset, und am Mittwoch wieder in die Fabrik." Nachdem er sich öffentlich lautstark über die Unfälle wegen des Heckflügels und dem Unwillen des Teams bezüglich eines Motortauschs ausgelassen hatte. Was medial sofort mit den Vertragsgeschichten verknüpft wurde. Und in Spa fährt man jetzt wieder mit dem alten Heckflügel.