Der Unfall auf der ersten Runde war für George Russell bloß der Gipfel von zwei desaströsen Formel-1-Wochenenden, in denen er am Ende völlig am Energie-Management seines Mercedes verzweifelte. Ein permanentes, unerklärliches Defizit relativ zu Kimi Antonelli trat in Spa an Russells Auto eindeutig zutage. Für Antonelli ist das aber nichts gänzlich Unbekanntes.

"Ich hatte dasselbe in Australien zum Beispiel", lässt Antonelli am Sonntag nach seinem Sieg im Rennen wissen. Der Saisonauftakt in Melbourne war in der aktuellen Saison eigentlich das einzige Wochenende gewesen, an dem Russell Antonelli von Freitag bis Sonntag im Griff gehabt hatte.

Inakzeptabel! Russell-Wut nach Energie-Drama - Hamilton-Sieg verpasst? (09:59 Min.)

Antonelli in Australien vs. Russell in Spa: Gleiches Problem?

Antonelli war im 3. Training verunfallt, im Qualifying drei Zehntel zurückgelegen, und hatte sich im Rennen nach einem schlechten Start zurück an Russells Heck kämpfen müssen, wo er mit 2,9 Sekunden Rückstand ins Ziel fuhr. Tatsächlich wirken die Qualifying-Daten aus Melbourne aber wirklich bei einem genaueren Blick ähnlich denen von Russell in Spa.

Wie Spa ist Melbourne eine energiearme Strecke, wo Probleme deutlicher zutage treten. Da es aber das erste Rennen der neuen Regeln war, wusste noch niemand so recht, worauf es beim Vergleich von Telemetrie zu achten gilt. Aber Fakt ist: Antonelli fehlten sowohl auf der Hauptgeraden als auch in der langgezogenen Linkskurve im hinteren Teil der Strecke zwischen 3 und 5 km/h auf Russell, was ihm grob geschätzt zwei Zehntel gekostet haben dürfte.

Das deckt sich mit den bizarren Symptomen, die Russell und auch mehrere andere Fahrer im Laufe des Spa-Wochenendes beklagten. Relativ zu ihren Teamkollegen habe sich die Energie-Einspeisung permanent etwas anders verhalten, ineffizienter, und habe ihnen damit Rundenzeit gekostet, ohne dass sie darauf fahrerisch irgendwie Einfluss hätten nehmen können.

Mercedes jetzt sicher: Wir lösen das bis Ungarn

"Bei George war es definitiv etwas mit dem Motor, was wir identifiziert haben, weswegen er weniger Energie rein in Kurve 18 zum Einspeisen hatte, dort war es besonders sichtbar", sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Rennen. "Er hatte mehr Energie zu Beginn der Runde, und dann weniger am Ende. In Sachen Optimierung war das defizitär, wir schätzen im Bereich von zwei bis zweieinhalb Zehntel im Qualifying. Weniger im Longrun."

"Es kann ein bisschen am Fahrstil liegen, aber manchmal macht das System einfach irgendwas ein bisschen anders", meint Antonelli nach dem Rennen. "Natürlich versuchen sie es einfacher zu machen, aber besonders auf so energiehungrigen Strecken, wenn du da ein bisschen anders zu fahren beginnst, ist das für das System etwas verrückt."

Antonelli behält sich seine Einschätzung vor, was genau nun die Hintergründe bei Russell wären: "Es ist schwierig. Aber ich muss zustimmen, dass es bei George dieses Wochenende ein kleines Problem gab. Ich bin mir sicher, es wird für Budapest gelöst sein."

Davon geht auch Toto Wolff aus: "Es ist gut, dass wir es hier entdeckt haben. Denn in Budapest, da bist du nicht so am Energie-Limit, und da wäre es schwieriger zu finden gewesen." Wenn man wie in Spa permanent an der Elektro-Grenze operiert, reicht ein kleiner Fehler im System, ein bisschen mehr Energie raus aus der falschen Kurve, und man hat zwei Kilometer später plötzlich zu wenig Ladestand. "Aber das macht es für ihn natürlich nicht besser."

Auch beim Start ins Rennen gab es große Turbulenzen mit dem Management des Ladestandes. Wie groß die Geschwindigkeitsunterschiede waren, und wer alles welche Probleme hatte, gibt es hier: