So souverän war Ferrari in Ungarn ins Formel-1-Wochenende gestartet, und doch müssen sie am Samstag nach dem Qualifying ohne Pole wieder einpacken. Klar, man hatte vorab schon gerechnet, dass die dominante Freitags-Leistung nicht halten würde - aber sogar fünf Minuten vor Schluss war Lewis Hamilton noch mit einer Zehntel Vorsprung auf Kurs zum ersten Platz. Dann lief alles schief.

Update 20:00 Uhr: Hamilton wird in der Startaufstellung auch noch um drei Plätze weiter nach hinten gereiht, weil er am Ende des Qualifyings Oscar Piastri behindert hat. Damit startet er nur von P5. Alle Infos dazu gibt es hier:

In der allerletzten Q3-Minute stellte Lando Norris seinen McLaren mit 1:17,207 um 12 Tausendstel vor Hamilton auf den ersten Platz. Während Ferrari im letzten Schuss plötzlich völlig einbrach. "Die letzte Runde war die schlechteste von allen, alle anderen waren gut", ärgert sich ein sichtlich frustrierter Hamilton. "Das Auto war heute polefähig. Das ist schwierig wegzustecken."

Lewis Hamilton zweifelt an Ferrari-Taktik: Warum ganz vorn?

Die entscheidende Q3-Runde war tatsächlich ein völliges Desaster. Sie war in den Sektorzeiten gerade einmal mit seiner eine halbe Stunde zuvor schon gefahrenen ersten Soft-Runde des Qualifyings zu Beginn von Q2 vergleichbar. Eigentlich unmöglich. Erst recht, nachdem bis einschließlich des ersten Q3-Versuches alles zu funktionieren schien.

Hamilton änderte auch zwischen den beiden Q3-Versuchen nichts am Auto: "Ich hatte eine saubere Outlap. Als ich mit der Runde begann, hatte ich schon einen Quersteher in Kurve 1, war eineinhalb Zehntel hinten, und ab da hat es sich aufgebauscht."

FahrerQ3-1Q3-2Differenz
Norris1:17,3201:17,207- 0,113
Hamilton1:17,2191:18,906+ 1,687
Leclerc1:17,4451:17,753+ 0,308
Antonelli1:17,5791:17,479- 0,100

"Lando hat den Job erledigt und eine tolle Runde gefahren, ich auf der letzten nicht, ist eben so", schultert Hamilton einen Teil der Verantwortung fahrerisch. Taktisch hat er aber auch Kritik für Ferrari übrig: "Ich weiß nicht, warum wir als Erste raus sind, das war ein kleiner Schock für mich. Dafür hätte ich mich definitiv nicht entschieden."

Die Strecke in Ungarn gehört durchaus zu jenen, die mit fortschreitenden Sessions schneller werden. Am Ende der Schlange die letzte Runde zu starten - wie Norris, der als Vorletzter loslegte - kann minimal mehr Grip bieten. Andererseits sind es sicher nicht die mehreren Zehntel, die Hamilton ultimativ fehlten. Hat Ferrari vielleicht den Temperaturumschwung nicht gut genug vorausgeahnt? In der einen Qualifying-Stunde am Nachmittag kühlte der Asphalt von 50 auf bis zu 42 Grad ab.

Auch das ist ein grundsätzlich bekanntes Phänomen. "Es ist letztendlich nicht allzu relevant", ist Hamilton direkt nach dem Qualifying nur zu niedergeschlagen, um darüber zu reflektieren. Genauso gut möglich ist, dass er mit dem Rutscher in der ersten Kurve die hier sehr sensiblen Hinterreifen schon überforderte, das dann wettmachen wollte, aber daraus schlicht mehr Rutscher, mehr Überhitzen und schließlich eine Runde zum Vergessen entstand.

Auch Charles Leclerc im Qualifying-Finale von Ungarn chancenlos

Gegen ein reines Fahrer-Problem spricht jedoch, dass Charles Leclerc den letzten Versuch auch nicht auf die Reihe bekam. Drei Zehntel langsamer war er als seine erste Q3-Runde. Für Leclerc kam es aber gar nicht so überraschend. Anders als bei Hamilton entwickelte sich die Balance schon von Q1 an in die falsche Richtung: "Vom Einsteigen weg war das Gefühl nicht gut, danach war es einfach eine chaotische Session."

In Q1 verlor er seine erste Runde wegen Track Limits und musste schon auf dem alten Reifen nachsitzen. In Q2 verpatzte er seinen ersten Versuch völlig, rutschte kurzzeitig sogar unter den Strich und musste einen zweiten neuen Soft-Reifensatz aufziehen, um den Q3-Aufstieg zu garantieren. Dass es in Q3 dann noch schlechter lief, überrascht ihn nicht.

"Die Kurven 1 und 12 sind für mich Fragezeichen, da muss ich mir die Daten anschauen", meint Leclerc. Das sind die beiden Kurven, wo vor dem Wochenende Teile des Asphalts erneuert wurden, wodurch sie sehr wellig wurden. Relativ zu Hamilton kam Leclerc damit überhaupt nicht zurecht: "Über die zwei verteilt habe ich im ganzen Qualifying gut zwei Zehntel verloren und konnte keine Lösung finden."

So war sein letzter Q3-Versuch bloß die Kulmination seiner Probleme: "In der ersten Kurve hatte ich den gleichen Rutscher, nur größer, da ging einiges an Zeit verloren. Ab da waren die Hinterreifen nicht mehr im Fenster." Dass es im letzten Versuch aber noch einmal schlimmer wurde, verlangt für ihn auf jeden Fall nach Analysen: "Ich meine, wir hatten weniger Grip. Müssen wir schauen, ob wir auf der Outlap was anders machen hätten sollen."

Für das Rennen sind die Hoffnungen bei den Startplätzen 2 und 3 aber noch nicht begraben. "Die Longruns waren eigentlich stark, aber schwierig, das als garantiert anzusehen, was gestern passiert ist, nachdem heute alle einen großen Schritt gemacht haben", warnt Leclerc.

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