"No way!" "F...!" Die Reaktionen von Kimi Antonelli und Max Verstappen im Cool-Down-Room des Hungarorings sprachen Bände. Auf dem Bildschirm sahen sie, wie der zu überrundende Carlos Sainz beim Herausbeschleunigen aus Kurve drei das Rad von Oscar Piastri touchierte, der um den Sieg kämpfte. Auch der McLaren-Pilot konnte die Szene nach dem Formel-1-Rennen immer noch nicht fassen.

Gegenüber den Journalisten redete Oscar Piastri Tacheles: "Das war absolut dumm. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Unfassbar. Ich war danach ziemlich bedient, wie man sich vorstellen kann." Denn bis dahin sah es nach einem Sieg für den Australier in Ungarn aus. Am Start nutzte er die Chance, dass Polesetter Lando Norris in Kurve 2 zu weit nach außen kam und ging an ihm vorbei.

Piastri sauer auf Sainz, nicht auf McLaren

Bis Runde 33 kontrollierte er das Geschehen an der Spitze, ehe McLaren ihn an die Box holte. Manche Beobachter vermuteten den frühen Stopp als Reaktion auf Norris' Funksprüche in den Runden zuvor. Auch Piastri schien im Funk wenig begeistert, stellte jedoch klar: "Das Timing meines Stopps war völlig in Ordnung. Wir wollten Hamilton abdecken, was absolut normal war. Ohne den Unfall wäre ich immer noch vor Lando gewesen. Von daher war für mich von Teamseite alles fein."

Piastri kehrte drei Sekunden vor Lewis Hamilton auf die Strecke zurück, während Norris an der Spitze pushte, um den Overcut zu versuchen. Dass dieser gelang, schreibt Piastri einzig allein Carlos Sainz zu. "Ich konnte einfach nicht fassen, was passiert ist. Von einem überrundeten Auto abgeräumt zu werden, steht nicht auf der Liste der Dinge, von denen man erwartet, dass sie im Rennen schiefgehen - aber genau das ist heute passiert." In Runde 38 lief er beim Überrunden auf den Williams-Piloten auf, der sich seinerseits im Zweikampf mit Fernando Alonso befand. Für Piastri rechtfertigt das keine Berührung.

"Er hat gegen Fernando um den letzten Platz gekämpft, als ginge es um die Weltmeisterschaft - und hat mich die Führung gekostet. Es ist mir ehrlich gesagt völlig egal, ob er mich nicht gesehen hat, ob es ihm niemand gesagt hat oder dass er einfach null Orientierung hatte. Das ist inakzeptabel", schimpfte Piastri und teilte noch weiter gegen den Spanier aus. "Er selbst spart sonst nicht mit Kritik an anderen, und viele haben ihm in der Vergangenheit vorgeworfen, auf der Strecke anstrengend zu sein. Wenn man dann so etwas bringt, sollte man vielleicht mal in den Spiegel schauen."

Bei "Iceman" Piastri kochen Emotionen hoch

Die Berührung richtete zwar keine Beschädigung am McLaren an, doch Piastri verlor entscheidende Zeit auf Norris, der nach seinem Boxenstopp in Führung blieb. "In diesem Moment war ich unglaublich wütend - eigentlich trifft 'wütend' nicht einmal den Kern, da gäbe es ganz andere Ausdrücke. Zuerst wegen Carlos und als Lando dann vor mir wiederkam, wusste ich, dass ich nicht das Tempo hatte, um ihn anzugreifen. Damit waren meine Siegchancen vorbei." Wie sehr es in ihm kochte, macht sein Funkspruch an Renningenieur Tom Stallard deutlich.

McLaren-Teamfunk nach dem Führungsverlust von Oscar Piastri an Lando Norris:

Renningenieur: "Oscar, das lag an Sainz. Das Ziel ist jetzt, das Rennen auf diesem Reifen zu beenden."
Oscar Piastri: "Oh Mann, sprecht jetzt einfach nicht mit mir."
Oscar Piastri: "Nett von euch, dass ihr das [den Verkehr] übrigens so toll einkalkuliert habt. Danke."

McLaren-Teamchef stellt sich hinter Piastri

McLaren-Teamchef Andrea Stella nahm seinen Fahrer nach dem Rennen in Schutz: "Es ist absolut nachvollziehbar: Wenn man das Rennen fast zur Hälfte anführt und man die Führung dann wegen so eines Zwischenfalls mit einem Überrundeten verliert. Dann hat man eventuell einen kurzen Moment, in dem man emotional reagiert und aus der Wut heraus etwas sagt. Aber von unserer Seite aus gibt es da absolut kein Problem."

Wie viel Zeit die Berührung exakt kostete, ist schwer zu beziffern. Die Telemetrie zeigt jedoch: In den Runden zuvor fuhr er konstante 29er-Zeiten im ersten Sektor, Runde 38 fuhr er im ersten Sektor 31,03 und war damit über eine Sekunde langsamer.

Ungarn GP 2026: Getriebeschaden beendete turbulentes Rennen

Während Norris nach seinem Boxenstopp auf dem harten Reifen den Vorsprung auf Piastri auf sieben Sekunden ausbaute, haderte Piastri mit den Reifen. "Ich hatte auf dem Hard-Reifen wirklich nicht das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Aus irgendeinem Grund war das Auto deutlich schlechter zu fahren", erklärte Piastri. Trotzdem ist er überzeugt, dass er ohne die Berührung vor Norris geblieben wäre und die Führung hätte verteidigen können.

"Es wäre kein Spaziergang geworden. Aber selbst so schwer, wie es war, hatte ich den Eindruck, dass ich einen ausreichenden Vorsprung hätte halten können, um nicht überholt zu werden. Ob ich das bis zum Ende des Rennens durchgehalten hätte, weiß ich nicht." Doch in Runde 56 erübrigte sich das Hätte-Wäre-Wenn-Spiel, denn ein Getriebeschaden nahm Piastri aus dem Ungarn GP.

McLaren vermutete als Auslöser das Räubern über die Kerbs und warnte entsprechend Norris davor, zu hart darüberzufahren. Piastri selbst konnte direkt nach dem Rennen die Vermutung seines Teams nicht verifizieren: "Ich weiß nicht genau, wann es kaputtgegangen ist. Ich bin einfach meine normale Linie gefahren, daher bin ich mir nicht sicher."

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