Das erste Jahr eines komplett neuen Technischen Reglements fördert in der Formel 1 üblicherweise im Laufe der Monate ein paar unterschiedlich kuriose Schlupflöcher zu Tage. Nicht alle davon sind im Sinne der Regelhüter bei der FIA. Ein Missbrauch einer Unterboden-Haltestrebe, angestoßen von Red Bull und nun auch von Audi kopiert, geht hier zu weit.
Mit Halterungen provozieren die Teams 2026 allgemein gerne. "Die Idee war es, den Teams zu helfen, Gewicht aus den Autos zu bekommen, weil das um 30 Kilogramm reduzierte Gewichtslimit ja angeblich so unmöglich zu erreichen war", kommentiert FIA-F1-Technikchef Jan Monchaux gegenüber Motorsport-Magazin.com. "Deshalb haben wir mehr Halterungen erlaubt."
Eine Halterung ermöglicht es, beispielsweise Teile des Unterbodens oder des Diffusors weniger steif und damit leichter zu bauen, und die fehlende Stabilität mit Haltestreben auszugleichen. Doch es dauerte gar nicht lange, bis alle am Gewichtslimit waren, so Monchaux: "Als die Gewichtsziele erreicht waren und nicht mehr alle Halterungen benötigt wurden, haben sie damit begonnen, Dinge zu machen, die clever sind - aber nicht im Sinne des Erfinders waren."
Am hinteren Bereich des Unterbodens sind bis zu drei Haltestreben erlaubt. Wie sie aussehen sollten, illustriert das nachgestellte Bild: Ein Befestigungspunkt oberhalb, ein Befestigungspunkt am Unterboden, dazwischen eine Halterung gespannt. So eine Strebe fuhr der Red Bull beim Test und in Australien. Dann kamen den Ingenieuren in Milton Keynes Ideen.

Red Bull fügt Strebe in Seitenkasten-Design ein
In der Urfassung war der Seitenkasten des Red Bulls sehr kompakt und verschlankte sich direkt hinter Lufteinlass mit dem Ende der Kühler für eine große freie Fläche. Schon beim dritten Rennen in Japan brachte Red Bull eine erste Evolution mit einem Konzeptwechsel. Der Seitenkasten wuchs in die Breite. Das bedeutete, dass die Oberfläche des Seitenkastens nun wieder zu einer gezielten Rampe für die Luft wurde.

Solche Rampen waren in der vorangegangenen Ground-Effect-Ära bei allen Teams in unterschiedlichem Umfang aufgetreten. Sie leiten den Luftstrom hier abwärts in den Bereich der dann wieder ansteigenden Diffusor-Decke. In dem Bereich befinden sich auch die ganzen (aerodynamisch verkleideten) Aufhängungsteile und Bremskühlschächte. Ein stabiler Luftfluss ist also wertvoll.
Red Bull fuhr die rudimentäre erste Version der Rampe in Japan nicht im Rennen. Dann kam die lange April-Pause - und in Miami tauchte der RB22 mit einer radikal veränderten Version des Seitenkastens auf. Die Rampe war nun zu einer richtigen Rutsche geworden, die auf der Außenseite von einem aufsteigenden Wulst begrenzt wurde. Ähnliche Designs hatten in der Ground-Effect-Ära Alpine oder Aston Martin versucht.

Dieser abgestufte Wulst erregte bei Red Bull 2026 schnell Aufsehen, schien er doch eine Radius-Vorschreibung des Technischen Reglements zu umgehen. Bei näherem Betrachten wurde es nur spannender: Am Wulst entlang lief eine dieser Haltestreben. Nicht wie üblich parallel, simpel und stabilisierend, sondern in Fahrtrichtung, äußerst lang. Eine Befestigung war dort, wo man sie erwartete, am hinteren Ende des Unterbodens. Die andere jedoch am höchsten Punkt der Ausbuchtung.



Audi kopiert Red Bull - FIA werden die Streben zu bunt
Der Trick dahinter ist, dass man mit dieser Halterung eine Radius-Regel umgehen kann. Man hat so eine scharfe Aero-Kante entlang der ganzen Downwash-Rampe des Seitenkastens, die dann besser geformt wird. Im weiteren Saisonverlauf sprang Audi auf diesen Zug auf und brachte eine Kopie des Konzepts mit seinem großen Update in Baku, teils unter der roten Folierung versteckt und so schwerer sichtbar, während Red Bull im weiteren Saisonverlauf der Idee treu blieb und die Formen rundherum lediglich verfeinerte.




Das ist nun aber weitab von dem, was eine Haltestrebe tun sollte. Für 2027 wird das abgestellt. Der Paragraf für die Streben im Technischen Reglement wurde umfangreich überarbeitet, die Positionierungen und Limits wurden deutlich eingeschränkt und klarer definiert.
Es ist nicht der einzige Bereich, in dem die Teams 2026 schon mit Halterungen die Regelhüter provoziert haben. Ferrari kam auf die Idee, im Diffusor erlaubte Streben so zu nutzen, dass man den Diffusor über die erlaubte Fläche vergrößern konnte. Die FIA sagte Nein. Als Monate später Mercedes und die Racing Bulls solche Designs tatsächlich bauten und einsetzten, wurden sie sofort vom Rest angepatzt und mussten wieder zurückbauen.

So hat das Technische Reglement im Laufe des Jahres die ersten offensichtlicheren Schlupflöcher gefunden und gestopft. Andere Ideen, wie etwa die bei Straight Mode umgedrehten Heckflügel, wurden hingegen für legal befunden. Das Rennen
Einen detaillierten Überblick zu allen technischen Tricks und Änderungen für die Saison 2027 gibt es in der kommenden Ausgabe des Print-Magazins von Motorsport-Magazin.com. Jetzt bestellen über: abo.motorsport-magazin.com.



diese Formel 1 Nachricht